LONDON (IT BOLTWISE) – Studiotools bringt mit dem HighLow Chair eine Sitzlösung, bei der sich die Rückenlehne nach vorn klappen lässt und so als Stehstütze dient. Der vom Designer Moritz Willm entworfene Stuhl kombiniert dafür eine flexible Innenkonstruktion mit unterschiedlichen Schaumdichten. Mit Rollen und stapelbarer Bauweise zielt das Konzept auf dynamische Teamräume, in denen Besprechungen nicht an einen festen Sitzplatz gebunden bleiben. Wie gut sich das im Alltag bewährt, hängt vor allem davon ab, ob sich die Haltungswechsel ergonomisch und flüssig unterstützen lassen.

Der HighLow Chair von Studiotools adressiert ein Problem, das in modernen Büros häufig unterschätzt wird: Sitzmöbel werden zwar ständig „verstellbarer“, aber sie bleiben im Kern stationär. Genau hier setzt der Ansatz an, indem die Rückenlehne so ausgelegt ist, dass sie nach vorn geklappt werden kann und dann als Anlehnstütze für Stehmeetings funktioniert. Das ist weniger eine reine Komfortverbesserung als eine Umschaltung der Nutzungslogik. Wer in einem Meeting zwischen Sitzen und Stehen wechselt, braucht dann keine zusätzlichen Hilfsmittel und auch keine mechanisch aufwendigen Umbauten am Arbeitsplatz.
Technisch beginnt die Idee beim Inneren des Stuhls: Ein Zylinder mit Sperrholzkern bildet den zentralen Aufbau, dazu kommen zwei unterschiedlich gewinkelte Stützflächen. Diese Geometrie ist entscheidend, weil die Lasten beim Anlehnen anders verlaufen als beim klassischen Zurücklehnen. Damit das Material nicht nur „hält“, sondern sich auch in der Haptik an die Körperhaltung anpasst, setzt Studiotools auf vier verschiedene Schaumdichten. An der Rückenlehne kommt ein weicherer Schaum zum Einsatz, während die Anlehnstütze für Stehphasen mit einem festeren Schaum ausgelegt ist. Genau diese Abstufung ist für die Ergonomie relevant, weil Stehstützen stärker auf Stabilität statt auf nachgiebiges Einsinken angewiesen sind.
Für die Sitzfläche nutzt der Stuhl eine Gurtband-Federung. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein klassisches Detail, beeinflusst aber spürbar, wie sich Druck über die Fläche verteilt und wie der Körper beim Sitzen „geführt“ wird. Gerade bei stuhlgestützten Haltungswechseln zählt nicht nur die Endposition, sondern auch das Verhalten beim Übergang. Ergänzt wird das System durch gebremste Rollen, damit der Stuhl sich im Raum bewegen lässt, ohne bei jedem Ansatz unkontrolliert wegzurutschen. Hinzu kommt eine weitere praktische Komponente: Je nach Ausführung lässt sich der HighLow Chair zu zwei bis vier Exemplaren stapeln. Für Unternehmen, die Besprechungszonen flexibel umstellen oder Bestuhlung für kurze Zeiträume bereitstellen müssen, ist das ein Hebel gegen den sonst typischen Platzverlust.
Bei der Polsterung setzt Studiotools auf den Bezugsstoff Camira Yoredale Bouclée, der in 33 Farben angeboten werden soll. Farbvarianten wirken in der Regel eher wie ein Branding-Thema, können in der Praxis aber die Akzeptanz neuer Mobiliar-Designs erhöhen, weil sie sich besser an bestehende Raumkonzepte anpassen lassen. Interessant ist außerdem, wie klar der HighLow Chair die Idee des aktivititätsbasierten Arbeitens übersetzt: Mobilität im Raum trifft auf eine beweglich gedachte Körperhaltung. Das Konzept erinnert damit an Entwicklungen, die in der Büroausstattung schon länger beobachtbar sind: Statt nur die Höhe eines Schreibtischs zu verändern, geht es zunehmend darum, Arbeitsformen wechselbar zu gestalten und die Möbel so auszulegen, dass Nutzer tatsächlich zwischen Varianten wechseln können.
Im Branchenumfeld lässt sich die Richtung anhand ähnlicher Produktlogiken beschreiben. Hersteller wie Aeris arbeiten beispielsweise mit Arbeitsflächenkonzepten, die schnelle Haltungswechsel ermöglichen sollen, statt sich auf klassische Höhenverstellung als alleinigen Mechanismus zu verlassen. Bei Sitzmöbeln wird zudem verstärkt auf aktive Beweglichkeit gesetzt: Ein Beispiel ist ein Bürodrehstuhl-Konzept, bei dem Sitz- und Rückenelemente für „aktives Sitzen“ dreidimensional beweglich gelagert sind und dabei auch Materialkonzepte verändern. Solche Ansätze verfolgen dieselbe Grundannahme: Ergonomie entsteht nicht nur durch eine perfekte Startposition, sondern durch ein Möbel, das die gewünschte Mikrobewegung unterstützt und dabei im Alltag zuverlässig funktioniert.
Genau darauf zielt auch die Doppelfunktion des HighLow Chair ab. Der Stuhl soll Besprechungsbereiche ohne zusätzlichen Platzbedarf oder mit wenig mechanischem Aufwand an dynamische Teamarbeit anpassen. In der Praxis bedeutet das: Die Stehstütze entsteht aus der Interaktion mit dem vorhandenen Möbel, nicht durch die Anschaffung separater Stehgeräte oder eine Umbau-Session vor jedem Meeting. Für Unternehmen ist das vor allem dann attraktiv, wenn Raumkonzepte regelmäßig wechseln, etwa in Projekttrenntagen, in Schulungsbereichen oder in agilen Arbeitsformaten. Entscheidend wird dabei sein, ob die klappbare Lehne den Nutzerwechsel so unterstützt, dass sich Stehphasen nicht nur kurzfristig möglich anfühlen, sondern auch ergonomisch tragfähig bleiben.
Aus Unternehmenssicht verschiebt sich damit auch die Bewertung des Produkts: Nicht nur Design und Bezugsmaterial zählen, sondern die Kombination aus Konstruktion, Federung, Rollen und Stapelfähigkeit. Wer solche Möbel testet, sollte besonders beobachten, wie sich die Stabilität der Anlehnstütze im echten Ablauf verhält, wie gut die Rollen in unterschiedlichen Bodenbelägen funktionieren und ob die Haltungswechsel sich intuitiv in den Meeting-Rhythmus integrieren lassen. Der HighLow Chair positioniert sich damit zwischen klassischem Büro-Sitzmöbel und temporärer Stehhilfe. Wenn die Umsetzung im Alltag überzeugt, könnte das Konzept ein konkretes Beispiel dafür sein, wie sich „dynamische Arbeitsräume“ vom Marketingversprechen zu einer tatsächlich nutzbaren Möbelarchitektur entwickeln.
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