WISCHHAFEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Suedlink-Tunnel zur Unterquerung der Elbe ist zwischen Wewelsfleth und Wischhafen fertiggestellt. Mit der Stromautobahn sollen Stromströme zwischen Norddeutschland und Bayern/Baden-Württemberg netztechnisch besser ausgeglichen werden. Die Inbetriebnahme der gesamten Leitung ist bis Ende 2028 vorgesehen. Befürworter sehen einen Schlüssel für die Energiewende, Kritiker dagegen ökologische und wirtschaftliche Risiken.

Während vielerorts noch über Ausbaugeschwindigkeit und Akzeptanz diskutiert wird, gewinnt der Suedlink-Ausbau an einem konkreten Punkt sichtbar an Substanz: Zwischen Wewelsfleth in Schleswig-Holstein und Wischhafen in Niedersachsen ist die Elbquerung im Tunnelbau abgeschlossen. Damit ist ein zentraler Abschnitt für eine Stromtrasse vorbereitet, die als „Stromautobahn“ von Nord nach Süd gedacht ist. Die Planung setzt darauf, dass die Leitung weitestgehend komplett unterirdisch verläuft und dabei auch mehrere Bundesländer quert, darunter Hessen und Thüringen, bevor sie Richtung Bayern und Baden-Württemberg weiterführt.
Technisch handelt es sich um zwei Stromleitungen, die in weiten Teilen parallel verlaufen, sich jedoch an den Start- und Endpunkten verästeln. Dass diese Leitungen durchgängig unterirdisch geplant und gebaut werden, ist nicht nur eine räumliche Entscheidung, sondern beeinflusst die Bauverfahren: Hindernisse wie Straßen und Flüsse werden per Bohrung unterquert, während die eigentliche Verlegung der Stromkabel zeitlich nachgelagert abläuft. Im aktuellen Elbabschnitt spielt dabei die Tunnelbohrmaschine eine Schlüsselrolle. Nach rund eineinhalb Jahren und 5,2 Kilometern erreichte die Maschine „Elsa“ den Zielschacht in Wischhafen, ein Meilenstein, der den Übergang vom Vortrieb hin zur weiteren Kabeleinzug- und Ausbauphase erleichtert.
Für die Projektplanung ist zudem relevant, dass Netzbetreiber die nächsten Zeitfenster recht konkret nennen. Die Kabel sollen beginnend Ende 2027 in einen Schacht mit vier Metern Durchmesser eingezogen werden. Auf der Gesamtstrecke peilt das Projekt das Ende 2028 als Termin für die Fertigstellung der Bauabschnitte an, also sechs Jahre später als ursprünglich geplant. Wenn der Ausbau wie beschrieben durchläuft, dürften bei der gesamten Realisierung rund 8,5 Millionen Kubikmeter Erdreich bewegt werden. Neben TransnetBW ist auch Tennet beteiligt: Tennet verantwortet dabei die Bereiche in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, mit Ausnahme des Bereichs Südniedersachsen, wodurch sich die Zuständigkeiten regional sauber trennen.
Der Nutzen der Trasse lässt sich aus dem Zielbild der Energiewende ableiten, das im Projekttext klar benannt wird: Strom aus Norddeutschland soll verstärkt in den Süden fließen, weil dort Windanlagen mehr Erzeugungspotenzial bieten als nahe an Industriezentren verteilte, konventionelle Kraftwerke. Ergänzend soll die Trasse auch Strom aus Photovoltaik-Anlagen aus Süddeutschland in Richtung Norden bewegen. Darüber hinaus wird der Verbund mit norwegischer Wasserkraft als Option genannt, die über andere Trassen in das deutsche System eingebunden werden kann. Rechenbasiert soll die Verbindung sogar bis zu zehn Millionen Einfamilienhaushalte mit Strom versorgen können; zudem nennt TransnetBW eine Transportkapazität von bis zu vier Gigawatt. Entscheidend ist dabei die Auslastung: Wenn die Trasse nicht voll genutzt wird, entsteht weniger Nutzen pro investiertem Euro.
In diesem Zusammenhang wird auch das Spannungsfeld sichtbar, das aktuell viele Bürgerinitiativen antreibt: Das Projekt war seit Jahren umstritten, unter anderem weil Kritiker die vier-Gigawatt-Leitung für ökologisch „unsinnig“ und wirtschaftlich „unwirtschaftlich“ halten. Außerdem befürchten sie, dass am Ende die Stromverbraucher die Kosten tragen könnten. Ein weiterer Schwerpunkt der Kritik betrifft die lokale Gestaltung: Viele Menschen möchten offenbar keine hohen Strommasten in ihrer Nähe. Genau deshalb wird Suedlink als Komplettmaßnahme unterirdisch verlegt. Gleichzeitig wird in dem Text darauf verwiesen, dass Erdkabel zwar die Akzeptanz vor Ort verbessern könnten, aber zugleich höhere Kosten verursachen. Im gleichen Atemzug wird als Perspektive für künftige Bauvorhaben angekündigt, dass die Planung vermehrt oberirdische Leitungen wieder stärker berücksichtigen soll.
Für die Region ist mit der Elbquerung außerdem ein Signal verbunden, dass große Infrastrukturprojekte nicht nur „auf dem Papier“ existieren, sondern sich in Baugeometrien übersetzen lassen. Das Zusammensetzen vieler paralleler Arbeitsstränge nach dem Prinzip „Puzzleteile“ bleibt dabei eine typische Herausforderung: Während Vortriebsarbeiten und Bauabschnitte zeitgleich laufen, entscheidet die spätere Kabelverlegung über die tatsächliche Funktionstüchtigkeit. Die nächsten Monate bis zum geplanten Beginn des Einziehens Ende 2027 werden daher stark darüber mitentscheiden, ob die Terminlogik Richtung Ende 2028 gehalten werden kann. Parallel dazu zeigt der Baustellenmeilenstein, wie stark Netzbetreiber, Politik und lokale Öffentlichkeit am gleichen Projektstrang arbeiten müssen, um am Ende nicht nur eine Leitung zu bauen, sondern auch deren Betriebssicherheit und Akzeptanz im Zusammenspiel zu sichern.
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