KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – ThielemannGroup stärkt seine Mehrheitsrolle an der RECHT Logistik Gruppe und investiert rund 240 Millionen Euro in den Ausbau von Logistikstandorten. Im Fokus steht die Kontraktlogistik als Wachstumstreiber, die in den nächsten Jahren zweistellig wachsen soll. Gleichzeitig wird die Managementstruktur neu aufgestellt, während nachhaltige Transportlösungen wie LNG, CNG sowie Tests mit Wasserstoff- und Elektro-LKWs den operativen Kurs prägen. Für Industrie- und Handelskunden entsteht damit ein strukturierterer Pfad Richtung Kapazitätsaufbau, digitaler Standortplanung und Dekarbonisierung.

Die ThielemannGroup zieht die Weichen für die nächsten Wachstumsjahre: Navid Thielemann wird Hauptgesellschafter der RECHT Logistik Gruppe, die Managementverantwortung wird neu zugeschnitten und die Investitionslinie bleibt klar auf Ausbau und Weiterentwicklung gerichtet. Besonders bemerkenswert ist dabei die Größe des Vorhabens: Rund 240 Millionen Euro sollen in den Ausbau und die Entwicklung von Logistikstandorten fließen, mit einem Schwerpunkt im Westen Deutschlands. Damit adressiert die Gruppe nicht nur Kapazitätsengpässe, sondern auch den langfristigen Trend, dass Kontraktlogistik zunehmend zum zentralen Absatz- und Effizienzhebel für Industrie und Handel wird.
Technisch-organisatorisch wirkt die Neustrukturierung wie ein Vorbereitungsschritt für skalierbare Betriebsmodelle. Die Beteiligungen werden konsolidiert: Navid Thielemann erhöht seine Anteile an der RECHT Kontraktlogistik GmbH von 62,5 Prozent auf 100 Prozent. An der RECHT Logistik GmbH bleibt Christian Karl Flick mit 17,5 Prozent beteiligt, Thielemann hält künftig 82,5 Prozent. Personell folgt daraus ein abgestimmtes Rollenbild: Matthias Weiner wechselt Ende des Jahres in den Ruhestand, Christian Karl Flick übernimmt als CEO die operative und strategische Leitung beider Einheiten, und Dr. Stefan Karenfort übernimmt zusätzlich die CFO-Funktion. Volker Henssen verantwortet weiterhin als COO das operative Geschäft.
Für die Praxis in der Logistik bedeutet das, dass strategische Entscheidungen für Netzwerk, Immobilien und Betrieb künftig aus einer engeren Führungs- und Kapitalstruktur heraus getroffen werden. Gerade Kontraktlogistik profitiert davon, wenn Standortplanung, Prozessdesign und Kundenverträge zusammen gedacht werden: Wer Lager- und Distributionsleistungen integriert, muss Flächennutzung, Umschlagsprozesse sowie IT-gestützte Steuerung synchronisieren. Die Gruppe nennt als Ziel zweistelliges Wachstum für die kommenden Jahre, getrieben durch neue Kundenprojekte und zusätzliche Kapazitäten an bestehenden und neuen Standorten. In der Branche wird dabei häufig darauf verwiesen, dass Skalierung ohne robuste Service-Operating-Model wie etwa standardisierte Prozesse, klare KPI-Logiken und belastbare Kapazitätsplanung schwer zu erreichen ist.
Marktseitig ordnet sich RECHT in einen Wettbewerbsraum ein, in dem große Player wie DHL Supply Chain, DB Schenker oder Kühne+Nagel längst ähnliche Skalierungs- und Dekarbonisierungsprogramme verfolgen. Der Unterschied liegt oft weniger im Ziel als in der Geschwindigkeit und in der regionalen Ausprägung: ThielemannGroup betont weiterhin den Ausbau im Westen Deutschlands, während gleichzeitig eine Nord-Süd-Achse geplant ist, die Nordrhein-Westfalen als Ausgangspunkt stärkt. Das ist strategisch relevant, weil viele Industrien in Nord und Süd gleichermaßen auf zuverlässige Transportkorridore angewiesen sind. Expertenkommentare aus der Logistikbranche fassen diesen Punkt häufig so zusammen: „Wer Kontraktlogistik langfristig als Produkt ausrollen will, muss Netzwerk, Flotte und Immobilien wie ein System behandeln.“
Die Investitionsdetails untermauern diesen systemischen Ansatz: Der Ausbau und die Entwicklung von Logistik- und Immobilienaktivitäten, die von der RECHT Logistik Gruppe genutzt werden, liegen derzeit bei rund 240 Millionen Euro. Strategisch bleibt Nordrhein-Westfalen der Schwerpunkt. Darüber hinaus wird die Präsenz gezielt erweitert: Der neue Standort Wernberg-Köblitz in Bayern soll im September 2026 in Betrieb gehen und künftig vor allem die Anbindung an Süddeutschland sowie Mittel- und Osteuropa verbessern. Ergänzend prüft die Gruppe im Norden geeignete Grundstücke und Standorte, um eine starke Nord-Süd-Achse aufzubauen. Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Längere Vorläufe in der Standortentwicklung erfordern frühzeitige Sicherung von Flächen, wenn man später nicht nur Kapazitäten, sondern auch Mieter-Synergien und Verkehrsanbindungen optimieren will.
Am Standort Köln hält ThielemannGroup unverändert an langfristigen Investitionsplänen fest. Dort wird RECHT Logistik künftig wie geplant die logistischen Dienstleistungen für Makita übernehmen. Zudem arbeitet die Unternehmensgruppe gemeinsam mit der Stadt Köln an einem angepassten Nutzungskonzept, das sich in der finalen Abstimmung befindet. Solche lokalen Abstimmungen sind in der Praxis mehr als Formalie: Veränderte Nutzungsprofile, Genehmigungsprozesse und Anforderungen an Lärmschutz, Energieversorgung oder Verkehrsführung wirken direkt auf die wirtschaftliche Machbarkeit von Ausbauphasen. Gleichzeitig zeigt der Blick in den Rheinhafen Krefeld, dass die Gruppe auch auf nachhaltige Infrastruktur setzt: Dort entwickelt sie einen Logistik-Campus mit trimodaler Anbindung und rund 40.000 Quadratmetern Logistikfläche, der im zweiten Quartal 2027 starten soll.
Nachhaltigkeit wird bei RECHT nicht nur als Ziel formuliert, sondern an die Betriebsrealität gekoppelt. Der speditionelle Teil der Unternehmensgruppe konzentriert sich künftig stärker auf das Bestandskundengeschäft sowie den Ausbau nachhaltiger Transportlösungen. Christian Karl Flick nennt als Grundlage, dass bereits rund 50 Prozent der eigenen Flotte mit alternativen Kraftstoffen wie LNG oder CNG fahren. Zusätzlich testen die Verantwortlichen Wasserstoff- und Elektro-LKW im Live-Betrieb. Diese Mischung ist ein typisches Bild der Übergangsphase: Während Batterielösungen im Nah- und Regionalverkehr zunehmend wirtschaftlich werden, können Gas- und Wasserstoffpfade insbesondere dort relevant sein, wo Reichweite und Infrastrukturaufbau schneller vorankommen müssen. Für Kunden wird daraus ein Wettbewerbsfaktor, weil CO₂-Bilanzierung, Transparenz und Energie-Compliance in Ausschreibungen stark an Gewicht gewinnen.
Historisch betrachtet befindet sich die Logistikbranche seit Jahren im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Verantwortung. Frühe Automationswellen fokussierten zunächst auf Lagertechnik, später kamen Warehouse-Management und Transport-Execution Systeme hinzu. Parallel verschärften sich regulatorische Anforderungen und Erwartungen der Handelspartner an Emissionsreduktion, was die Flottenstrategie und die Lieferkettenplanung beeinflusst. Vor diesem Hintergrund ist RECHTs Ansatz plausibel: Kapazitätsausbau über Immobilien und Standorte muss mit einer Transportstrategie zusammenlaufen, sonst entstehen Engpässe oder CO₂-„Kosten“ an falschen Stellen. Die Gruppe beschäftigt heute rund 500 Mitarbeitende und erbringt deutschlandweit Werks-, Distributions-, Transport- und Kontraktlogistik-Dienstleistungen.
Für Unternehmen ergibt sich daraus vor allem eine operative Perspektive: Integrierte Logistiklösungen werden zunehmend als End-to-End-Angebot verstanden, bei dem Vertragsdesign, Standortverfügbarkeit, Transportausführung und Nachhaltigkeitskennzahlen aus Kundensicht zusammenpassen müssen. Wenn RECHT seine Kontraktlogistik tatsächlich mit zweistelligem Wachstum weiter ausbaut, dürfte das auch die Nachfrage nach standardisierten Schnittstellen für Kundenanforderungen erhöhen, etwa bei Transparenz über Sendungszustände, Planungsdaten und CO₂-relevanten Parametern. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb nicht stehen: Große Anbieter und spezialisierte regionale Player werden ihre eigenen Dekarbonisierungs- und Standortinvestitionen weiter forcieren. Die nächsten Entwicklungsschritte werden daher daran gemessen, wie schnell die Kapazitäten mit skalierbarer Prozessführung und messbarer Nachhaltigkeitswirkung zusammenwachsen – insbesondere in NRW als strategischem Ausgangspunkt.
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