ESSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Thyssenkrupp-Aktie erlebt einen Aufschwung, da konkrete Gespräche über den Verkauf der Aufzugssparte an den finnischen Hersteller Kone geführt werden. Währenddessen stocken die Verhandlungen über die problematische Stahlsparte des Unternehmens, was die Unsicherheiten im Markt verstärkt.

Die jüngsten Entwicklungen bei Thyssenkrupp haben die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich gezogen. Der deutsche Industriekonzern, der sich in den letzten Jahren mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert sah, könnte bald eine bedeutende Veränderung erleben. Konkrete Gespräche über den Verkauf der Aufzugssparte an den finnischen Hersteller Kone haben die Thyssenkrupp-Aktie beflügelt und zu einem Kursanstieg von rund 5,5 Prozent geführt.
Hinter TK Elevator, der Aufzugssparte von Thyssenkrupp, stehen die Private-Equity-Häuser Advent und Cinven, die das Unternehmen 2020 für 17,2 Milliarden Euro übernommen hatten. Nun wird bei einem möglichen Deal eine Bewertung von bis zu 25 Milliarden Euro angestrebt, inklusive Schulden. Thyssenkrupp selbst hält noch eine Minderheitsbeteiligung und könnte von einer solchen Transaktion erheblich profitieren.
Parallel zu den Übernahmefantasien bei TK Elevator kämpft Thyssenkrupp weiterhin mit seiner problematischen Stahlsparte. Seit Herbst 2025 laufen Gespräche mit dem indischen Konzern Jindal Steel & Power über eine mögliche Mehrheitsbeteiligung von 60 Prozent. Diese Verhandlungen stocken jedoch, da geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Energiepreise belasten und die ohnehin schwierige Kostensituation im Stahlgeschäft verschärfen.
Das erste Geschäftsquartal 2026 brachte höhere Verluste als im Vorjahr, vor allem durch Restrukturierungskosten in der Stahlsparte. Dennoch gibt es kleine Fortschritte: Der Austritt aus dem Duisburger Gemeinschaftsunternehmen HKM ist vollzogen, und ein Tarifabschluss mit den Gewerkschaften steht. Zudem zeigt sich mit der Flacks Group ein weiterer potenzieller Interessent für das Stahlgeschäft.
Charttechnisch betrachtet, hat die Thyssenkrupp-Aktie nach einem beachtlichen Kursrückgang einen Erholungsversuch gestartet. Von einem Zwischenhoch von 12,47 Euro Mitte Februar fiel die Aktie auf rund 7,80 Euro, ein Verlust von über 30 Prozent in kurzer Zeit. Der RSI signalisiert inzwischen eine überverkaufte Situation, was auf eine mögliche Stabilisierung hindeutet. Ein belastbares Kaufsignal wäre jedoch erst bei einem nachhaltigen Überschreiten der 8,60-Euro-Marke gegeben.
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