KIEL / LONDON (IT BOLTWISE) – TKMS steht nach Angaben der indizierten Berichterstattung offenbar kurz vor der Unterzeichnung des U-Boot-Programms „Project-75I“ mit Mazagon Dock Shipbuilders. Es geht um sechs konventionelle U-Boote mit einem Vertragsvolumen von rund 8 Milliarden Euro, die noch im August unterzeichnet werden sollen. Parallel füllt der Konzern die Auftragspipeline mit weiteren Programmen in Kanada und mit Fregatten für Deutschland auf. Für Anleger und Kunden wird der nächste Meilenstein damit nicht nur der Indien-Deal, sondern auch der Zwischenbericht zum dritten Quartal am 12. August.

Für die TKMS-Gruppe verdichtet sich derzeit ein typischer Beschleunigungszyklus, wie man ihn im Marine- und Schiffbau selten auf einmal sieht: Ein potenziell großer Exportauftrag trifft auf parallel laufende europäische Beschaffungen und auf eine operative Übergabe aus einem bestehenden Langlaufprogramm. Im Zentrum steht der mögliche Vertragsabschluss zum U-Boot-Programm „Project-75I“ mit der indischen Werft Mazagon Dock Shipbuilders. Laut den im Umfeld des Projekts genannten Aussagen soll die Unterzeichnung für sechs konventionelle U-Boote mit einem geschätzten Volumen von rund 8 Milliarden Euro noch im August erfolgen. Damit rückt ein Auftrag in Reichweite, der die Kapazitätsplanung in den kommenden Jahren ebenso beeinflusst wie die Auslastung der zuliefernden Gewerke.
Technisch und organisatorisch ist der Knackpunkt bei solchen Programmen weniger die reine Anzahl der Einheiten als die Industrialisierung über die Baujahre hinweg. TKMS arbeitet bei Exporten in der Regel mit einer Kombination aus bewährten Plattformen, lokaler Fertigungstiefe und klaren Schnittstellen für Systeme und Logistik. Dass „Project-75I“ als konventionelles U-Boot-Programm beschrieben wird, passt in die weltweite Nachfrage nach Plattformen, die ohne atomare Antriebe auskommen und dennoch hohe Einsatzflexibilität für verschiedene Seegebiete bieten. Für TKMS heißt das: Der Konzern muss nicht nur Stahl und Komponenten koordinieren, sondern auch die Integration der Leittechnik, die Test- und Abnahmeprozesse sowie den Übergang in den Betrieb beim Kunden so planen, dass spätere Nachrüstungen nicht zum Kostentreiber werden.
In der Marktlogik reiht sich das mögliche Indien-Geschäft in eine breitere Auftragspipeline ein, die TKMS zuletzt auch außerhalb des deutschen Projektschwerpunkts vorangetrieben hat. So hatte das kanadische Verteidigungsministerium TKMS als bevorzugten Anbieter für das „Canadian Patrol Submarine Project“ ausgewählt; das Programm umfasst bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD, mit einem zunächst genannten Gesamtvolumen von 20 Milliarden Euro. Auch im heimischen Geschäft gibt es Fortschritte: Der Haushaltsausschuss des Bundestages genehmigte Mitte Juli die Beschaffung von vier Fregatten der Klasse 128, bekannt als MEKO A-200 DEU, im Wert von rund 6,3 Milliarden Euro. TKMS ist hier als Hauptauftragnehmer vorgesehen. Ergänzend dazu wurde ein Vertrag über 787 Millionen Euro für die Lieferung und Integration von Führungs- und Waffeneinsatzsystemen an TKMS adressiert, womit mehrere Wertschöpfungsstufen zugleich in ein umsetzbares Projektfenster rücken.
Damit wächst aber auch der Koordinationsdruck innerhalb der Lieferkette und bei der europäischen Fertigungslandschaft. Genau deshalb treibt TKMS den Aufbau einer Werftenallianz voran, die über reine Einzelverträge hinausgehen soll. CEO Oliver Burkhard konkretisierte Pläne für einen „Seabus“, bei dem Teile künftiger U-Boot-Aufträge zur Kapazitätserweiterung an die spanische Staatswerft Navantia gehen sollen. Ende Juli unterzeichneten beide Unternehmen zudem ein zweites Memorandum of Understanding, das einen gemeinsamen Kooperationsrahmen für die Produktion und Vermarktung von U-Booten und Überwasserschiffen bis Ende 2026 schaffen soll. Aus Unternehmenssicht ist das ein Versuch, Skaleneffekte und Durchlaufzeiten zu glätten, statt Kapazität jeweils ad hoc über einzelne Ausschreibungen aufzubauen.
Nicht jede Wachstumsoption verlief allerdings entlang der gewünschten Linie. TKMS zog sein unverbindliches Übernahmeangebot für die Werft German Naval Yards Kiel von CMN Naval zurück. Burkhard begründete den Schritt damit, dass nach der Due Diligence kein Einvernehmen über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erzielt werden konnte. Diese Entscheidung ist ein Signal, dass der Konzern trotz der vielen Projektanbahnungen bei Zukäufen selektiv bleibt. Für die Branche ist das relevant, weil Übernahmen im Schiffbau oft davon abhängen, ob sich bestehende Kostenstrukturen, Personalplanung und Auftragsrisiken in einen tragfähigen Deal überführen lassen. Wenn diese Passung nicht gelingt, bleibt der Weg über Partnerschaften und abgestimmte Produktionsverbünde häufig die schnellere Option.
Operativ liefert TKMS außerdem bereits sichtbare Ergebnisse aus laufenden Aufträgen. Im Kieler Hafen übergab die Werft das U-Boot „Drakon“ der Dolphin-II-Klasse an die israelische Marine; es handelt sich dabei um die letzte von sechs Einheiten dieser Klasse, die für Israel gebaut wurden. Solche Abschlussereignisse sind mehr als nur ein logistisches Häkchen: Sie geben Aufschluss darüber, wie stabil Abnahmen, Schiffsintegration und Endabstimmungen im konkreten Projektablauf funktionieren. Gleichzeitig zeigt die Übergabe, dass TKMS weiterhin in der Lage ist, komplexe Systeme über mehrere Jahre hinweg zu koordinieren und in den Betrieb zu übergeben.
Der nächste Blick richtet sich daher auf die Quartalszahlen und auf mögliche neue Vertragsmeldungen. Am 12. August veröffentlicht TKMS den Zwischenbericht zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026. Der Analystenkonsens nennt als Erwartung einen Umsatz von 632,0 Millionen Euro, was einem Plus von 19,87 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entsprechen würde, sowie ein Ergebnis je Aktie von 0,47 Euro. An der Börse hat sich das Papier zuletzt stabilisiert: Am Freitag schloss die Aktie bei 82,00 Euro, ein Plus von 1,49 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen 30 Tage summierte sich der Kursgewinn auf 7,19 Prozent; zum bisherigen Jahreshoch von 106,58 Euro, notiert Ende Oktober 2025, fehlen rund 23 Prozent. Entscheidend wird nun, ob sich die Auftragsflut auch bilanziell und über Fortschrittsgrade in den Finanzzahlen widerspiegelt, und ob der mögliche Indien-Vertragsabschluss den Nachrichtenstrom in Richtung neuer Bewertungsansätze dreht.
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