VENLO / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Freizeitpark Toverland in den Niederlanden testet zur Adventszeit ein Pay-per-Ride-Modell. Besucherinnen und Besucher kommen an ausgewählten Tagen kostenlos in den Park und zahlen nur für einzelne Attraktionen. Die Aktion läuft rund um die ersten drei Wochenenden sowie an drei Mittwochen des Winter-Feelings-Events zwischen dem 28. November und dem 16. Dezember 2026. Für den Gratis-Eintritt ist allerdings eine Reservierung mit begrenzter Platzanzahl nötig.

Toverland bei Venlo setzt zur Winterzeit auf ein Preismodell, das den klassischen „Eintritt oder nicht“-Moment an der Parkschleuse bewusst entkoppelt. An mehreren Terminen während des Advents- und Eventzeitraums können Gäste den Park ohne Ticketkosten betreten und sich dort frei bewegen, während die Zahlung erst beim konkreten Gang zur Attraktion fällig wird. Genau in dieser Differenz liegt der Reiz des „Pay-per-Ride“-Ansatzes: Wer vor allem die Themenwelten und die winterliche Dekoration genießen will, muss nicht automatisch für jede Fahrt bezahlen.
Die Aktion knüpft an das 25-jährige Bestehen des Parks an und gilt im Testzeitraum nicht dauerhaft, sondern zeitlich eng. Laut Angaben des Freizeitparks läuft das Modell in den ersten drei Wochenenden der Adventsphase sowie an drei Mittwochen des „Winter-Feelings“-Events, konkret zwischen dem 28. November und dem 16. Dezember 2026. Der Park bleibt dabei nicht nur „Kulisse“: In der Zeit verwandeln Lichter und Weihnachtsdekoration die sechs Themenwelten in ein Winterwunderland, während gleichzeitig ein paralleles Angebot mit normalen Tagestickets bestehen bleibt, bei denen die Attraktionen unbegrenzt genutzt werden können.
Technisch und organisatorisch läuft das Bezahlen über eine digitale Punktekarte, die an der Attraktion beziehungsweise am Einlass zur Nutzung gesteuert wird. Für die Fahrgeschäfte kaufen die Besucher dafür Streifen: Laut Preisstaffel kostet ein Streifen regulär zwei Euro. Mit steigender Menge sinkt der Stückpreis auf 1,90 Euro ab 25 Streifen und auf 1,85 Euro ab 50 Streifen. Dadurch entsteht ein Anreiz, sich als Gruppe oder als „Allesfahrer-Planer“ mit einem etwas größeren Guthaben zu versorgen, statt nur einzelne Fahrten sehr kurzfristig abzurechnen.
Wie stark der Effekt für unterschiedliche Besucherprofile ausfällt, zeigt die Bandbreite der benötigten Streifen je Attraktion. Je nach Angebot werden ein bis drei Streifen fällig: Kleinere Stationen wie Karussell, Alpenrutsche oder Teetassen kosten dem Modell zufolge regulär zwei Euro. Andere Attraktionen wie die Wildwasserbahn „Djengu River“ schlagen mit vier Euro zu Buche, und eine Runde auf den großen Achterbahnen liegt in der höchsten Stufe bei sechs Euro. Auch die Eisbahn gehört zur obersten Preisgruppe, was besonders für Familien relevant ist, die zwar den Park betreten, aber nur einzelne „Highlight“-Fahrten tatsächlich nutzen möchten.
Damit verschiebt sich die wirtschaftliche Logik der Besuchsplanung. Familien und gemischte Gruppen können ihre Ausgaben deutlich individueller steuern, wenn nicht alle dieselben Attraktionen fahren wollen oder wenn ein Teil der Reisegruppe vor allem Begleitung leistet. Für Eltern oder Großeltern, die Kinder begleiten, aber selbst kaum Fahrgeschäfte nutzen, entfällt damit der klassische „Mitfahren-Preis“ als pauschale Eintrittsbarriere. Gleichzeitig bleibt die Eintrittsoption ohne Zahlung nicht einfach „spontan kostenlos“: Für den Gratis-Eintritt ist vorab eine Reservierung erforderlich, und pro Aktionstag steht nur eine begrenzte Zahl an Plätzen zur Verfügung.
Aus Markt- und Angebotsicht ist das Modell vor allem ein Test der Preissensibilität im Freizeitsegment: Es adressiert sowohl die Gruppe der „Attraktionsnutzer“ als auch die der „Atmosphärenbesucher“. Wer ohnehin viele Fahrten plant, kann weiterhin auf normale Tagestickets setzen und bekommt dann die unlimitierte Nutzung als Gegenmodell zum punktuellen Bezahlen. Für den Park bedeutet das zweierlei: Er kann in einer Saison, in der Weihnachtsdekoration und saisonale Programmpunkte besonders ziehen, neue Besuchsströme testen, ohne das Grundgeschäft komplett umzubauen.
Für die nächste Planung in der kommenden Wintersaison lohnt sich für Gäste vor allem ein Blick auf die Streifenlogik und die Reservierungsfenster. Wer nur einzelne Highlights mitnimmt, kann mit dem Pay-per-Ride-Mechanismus sehr nah an seinen tatsächlichen Interessen „zuschneiden“. Wer dagegen die Attraktionen am Tag durchplanen will, sollte den Vergleich zwischen Punktekarte und Tagesticket konkret rechnen, denn ab einer höheren Anzahl von Streifen sinkt zwar der Stückpreis, die Gesamtzahl hängt aber direkt davon ab, welche Attraktionen im eigenen Besuchsprofil wirklich auf dem Plan stehen.
Unterm Strich kombiniert Toverland damit eine warteschlangen- und kassentechnisch überschaubare Logik mit einem psychologisch anderen Einstiegserlebnis: Erst Park genießen, dann entscheiden. Die zeitliche Begrenzung sorgt dabei dafür, dass der Effekt als kontrollierter Markttest sichtbar bleibt, während der Park parallel weiterhin auf bewährte Tagestickets setzt. Für Gäste ist das vor allem dann attraktiv, wenn sie den Winter-Eventcharakter mit einer selektiven Attraktionsauswahl verbinden wollen und die Reservierungschance frühzeitig einplanen.
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