OFFENBACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Deutsche Wetterdienst meldet in Teilen Deutschlands eine ungewöhnlich starke Bodentrockenheit, besonders in der südlichen Mitte und im Süden. Seit März liegen die Niederschlagsmengen in fast ganz Deutschland unter dem langjährigen Mittel. Für Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln sieht der DWD regional markante Schäden sowie mögliche Futterknappheit. Zusätzlich sorgen extreme Temperaturen Ende Juni für Sonnenbrandschäden bei Obst, die ohne Bewässerung kaum abwendbar sind.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) beschreibt die Lage für Natur und Landwirtschaft als kritisch, weil die Trockenheit nicht nur an der Oberfläche sichtbar ist, sondern die Böden bereits deutlich an Wasser verloren haben. In Offenbach heißt es, dass die Böden in Teilen Deutschlands derzeit ungewöhnlich stark ausgetrocknet seien; besonders betroffen seien die südliche Mitte sowie der Süden. Der Begriff „gravierend“ unterstreicht dabei, dass es sich nicht um eine kurze Wetterphase handelt, sondern um einen Zustand, der sich in der Agrarproduktion schnell als Wachstums- und Ertragsrisiko niederschlägt.
Technisch betrachtet spielt dabei vor allem die zeitliche Abfolge der Niederschlagsdefizite eine Rolle: Laut DWD sind die Niederschlagsmengen seit März in fast ganz Deutschland unterdurchschnittlich. Besonders wenig Niederschlag sei von der Pfalz und Rheinhessen bis nach Unterfranken gefallen. In der Folge lagen die Niederschläge im Süden gebietsweise unter der Hälfte des vieljährigen Mittels der Jahre 1991 bis 2020. Diese Relation macht deutlich, warum sich Trockenstress nicht nur auf die kurzfristige Verdunstung bezieht, sondern auch die pflanzenverfügbare Bodenfeuchte reduziert.
Die Auswirkungen fallen je nach Kultur sehr unterschiedlich aus. DWD zufolge reiften Getreide und Raps bei hohen Temperaturen rasch ab; dort bewertet der Wetterdienst die Trockenheit als relativ gering wirksam. Anders ist es bei wasserintensiven Kulturen: Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln litten regional stark unter der Trockenheit. Der DWD warnt hier ausdrücklich vor „markanten Schäden“. Solche Formulierungen sind für Betriebe in der Planung besonders relevant, weil sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Ertrags- und Qualitätsverluste gleichzeitig auftreten können – etwa durch eingeschränkte Wasseraufnahme, beschleunigte Wachstumsphasen und damit verbundene Ertragsverschiebungen.
Neben den Feldfrüchten rückt auch die Grünland- und Tierhaltungsebene in den Fokus. Der DWD berichtet, dass teils bereits ein Gründlandschnitt ausgefallen ist. Das kann direkt in eine Futterknappheit münden, wenn die Bestände nicht nachwachsen oder die Qualität unter dem Trockenstress leidet. Für die Praxis heißt das: Futterzukauf und betriebliche Rationsplanung geraten eher unter Druck, weil Trockenperioden die verfügbare Menge über mehrere Wochen hinweg limitieren können. Gleichzeitig bleibt die Entlastung durch Niederschlag in solchen Konstellationen häufig aus, wenn die saisonale Verteilung ungleich bleibt und nicht nur einzelne Gewitterereignisse zählen.
Ende Juni kam laut DWD zusätzlich extreme Hitze hinzu, die bei Obst zu ungewöhlich starken Sonnenbrandschäden führte. Das Schadbild entsteht typischerweise, wenn die Früchte oder Triebe in Kombination aus hoher Strahlungsbelastung und unzureichender Wasserverfügbarkeit stärker austrocknen und sich Gewebe überhitzt. Der DWD macht den Handlungshebel klar: Nur mit Bewässerung könnten große Schäden abgewendet werden. Für Obstanlagen bedeutet das in der Saison einen Mehraufwand, weil Wasserrechte, Verfügbarkeit in der Region und die technische Steuerung der Bewässerung schnell zum Engpass werden können – vor allem dann, wenn mehrere Betriebe gleichzeitig bewässern müssen.
Auch wenn die Situation in den oberen Bodenschichten besonders kritisch ist, spielt die Frage nach dem Puffer in tieferen Schichten weiterhin eine Rolle. Der DWD schreibt, dass die Wälder meist noch von Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten zehren. Das ist ein wichtiger Kontext, denn er erklärt, warum Waldbestände nicht zwangsläufig sofort „sichtbar“ absterben, aber dennoch unter Stress stehen können. Für die mittelfristige Betrachtung ist entscheidend, ob sich die Bodenfeuchte wieder aufbauen kann – und ob nachfolgende Wetterlagen die Defizite zügig ausgleichen oder nur teilweise kompensieren. Für die Landwirtschaft entsteht daraus vor allem eine zeitkritische Abwägung zwischen Bewässerung, Sorten-/Bestandsstrategie und dem Risiko, dass die Trockenheit in die nächste Vegetationsphase hineinwirkt.
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