ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Family-Offices richten ihre Portfolios offenbar deutlich neu aus: Der US-Dollar verliert als Leitwährung an Vertrauen, während KI, Energie und Infrastruktur verstärkt in den Fokus rücken. Laut einem UBS Family Office Report 2026 beabsichtigen fast zwei Drittel der befragten Vermögensverwalter, Dollar-Anlagen zu reduzieren. Gleichzeitig wollen viele Familien das Risiko stärker über Währungen und Jurisdiktionen streuen, um Klumpenrisiken zu vermeiden. Für Unternehmen entsteht daraus ein neuer Nachfrageimpuls – von Rechenzentren über Stromerzeugung bis zu daten- und softwarenaher Wertschöpfung.

UBS-Report 2026: Superreiche drehen Dollar ab und investieren stärker in KI, Energie und Infrastruktur
UBS-Report 2026: Superreiche drehen Dollar ab und investieren stärker in KI, Energie und Infrastruktur (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Verschiebung wirkt auf den ersten Blick wie ein klassisches Thema der Vermögensverwaltung: Währungen, Allokationen, Risikoappetit. Bei näherem Hinsehen zeigt der UBS Family Office Report 2026 jedoch, dass die Entscheidungen in vielen Unternehmerfamilien gerade von einem anderen Takt getrieben werden – von zunehmender geopolitischer Unsicherheit. Berichten zufolge werden vor allem Konflikte und die Furcht vor einer Ausweitung militärischer Spannungen als Vermögensrisiko wahrgenommen. Dass Family-Offices in so einem Umfeld ihre Strategien „zumindest schrittweise“ anpassen wollen, signalisiert mehr als kurzfristige Marktreaktionen: Es geht um Resilienzplanung, also die Fähigkeit, unter Druck handlungsfähig zu bleiben.

Im Zentrum steht die Währungsseite. Laut dem Report planen fast zwei Drittel der befragten Family-Offices, ihre Dollar-Positionen zu reduzieren. Selbst unter US-nahen Investoren strebt ein relevanter Anteil eine stärkere Diversifikation in andere Währungsräume an. Als wichtigste Alternativen gelten demnach der Schweizer Franken und der Euro. Fachlich ist das bemerkenswert, weil Währungsrisiken in der Portfoliotheorie zwar seit Langem adressiert werden, die praktische Umsetzung in globalen Private-Asset-Portfolios aber oft träge ist. Die aktuelle Dynamik deutet darauf hin, dass die Ableitungen aus Makroereignissen schneller in die Asset-Steuerung einfließen.

Technisch betrachtet ist diese Umstellung weniger eine einzelne „Umschichtung“, sondern eher eine Änderung des gesamten Portfoliomanagement-Setups: Währungsallokationen hängen an Liquiditätslogiken, Hedging-Parametern, Berechnungsregeln für Risikokennzahlen und an der Abstimmung zwischen Mandaten, Custodians und Steuer-/Rechtsberatung. Family-Offices berichten nach Branchenbeobachtung zudem über eine größere Streuung über mehrere Jurisdiktionen. Eine Jurisdiktion bestimmt dabei, welches Gericht, welche Behörde und welches Recht für einen konkreten Fall zuständig ist. Für die Organisation heißt das: Prozesse rund um KYC, AML, Sanktionsscreening und Dokumentationspflichten müssen in der Breite funktionieren, sonst wird Diversifikation selbst zum operativen Risiko.

Beim Blick auf die Investmentziele wird die Strategie gleichzeitig offensiver. Künstliche Intelligenz bleibt nach dem Report der wichtigste Anlagefokus: Ein großer Teil der befragten Family-Offices möchte KI-Investitionen innerhalb der nächsten zwölf Monate weiter ausbauen. Dahinter folgen Energie- und Rohstoffprojekte sowie Infrastruktur-Investments. Neu ist dabei weniger die Themenwahl als die Konsequenz in der Nachfrage: Neben klassischen Sektoren tauchen auch KI-nahe, stärker instrumentierte Anwendungsfelder auf, etwa KI-gestützte Gesundheitslösungen. Parallel gewinnen Verteidigungsthemen an Gewicht. Das ordnet sich historisch in die Logik früherer „Themenzyklen“ ein, nur dass KI nun als Querschnittstechnologie verschiedene Sektoren über Daten, Automatisierung und Prozessoptimierung verbindet.

Aus Marktsicht lohnt der Vergleich mit anderen Vermögensakteuren. Während UBS als großer globaler Player in der Private- und Wealth-Management-Welt stark mit strukturierten Lösungen und Research-Ansätzen wahrgenommen wird, treiben Wettbewerber wie JPMorgan oder HSBC ähnliche Themen intern voran – etwa über KI-gestützte Portfolioberatung, Risikoanalytik und stärker automatisierte Due-Diligence-Prozesse. Der entscheidende Unterschied liegt oft im Grad der Operationalisierung: Wie schnell lassen sich Währungs- und Risikoannahmen im Investmentprozess ändern, ohne dass Compliance-Workflows nachziehen müssen? Wenn Family-Offices jetzt den Dollar-Anteil senken und gleichzeitig KI und Infrastruktur hochfahren wollen, entsteht ein Spannungsfeld, das gerade für Anbieter von Daten, Treasury-Tools und Investmentplattformen zum Differenzierungsmerkmal wird.

Ein besonders praxisrelevanter Punkt ist die Investmentstruktur: Laut Bericht geht es nicht nur um direkte Wetten auf große Tech-Konzerne. Viele Vermögensverwalter investieren zunehmend in Unternehmen, die mittelbar vom KI-Boom profitieren könnten. Dazu zählen etwa Datacenter, Stromerzeuger, Halbleiterfirmen oder Softwareanbieter. Die historische Parallele ist der „Enabler“-Ansatz aus früheren Technologiezyklen, bei dem nicht nur die Endprodukte, sondern auch die Infrastruktur die Renditehebel bildet. Technisch bedeutet das für Unternehmen: Wer Rechenleistung bereitstellt, Energie zuverlässig liefert oder die Software-Schicht für Datenpipelines, Sicherheit und Betrieb liefert, wird stärker in Portfolioerwartungen eingebunden. Für die KI-Entwicklung selbst steigt zugleich die Relevanz von Skalierbarkeit, Energieeffizienz und belastbaren Betriebskonzepten.

Regulatorisch und sicherheitstechnisch verschiebt sich damit auch die Aufmerksamkeit. Wenn Rechenzentrums- und Infrastrukturwerte stärker nachgefragt werden, steigen zugleich Anforderungen an Informationssicherheit, Datenschutz und Berichtspflichten – insbesondere bei grenzüberschreitenden Datenflüssen. Family-Offices arbeiten häufig mit mehreren Dienstleistern und Jurisdiktionen; hier werden Transparenz über Datenherkünfte, Zugriffskontrollen und revisionssichere Nachweise zentral. Gleichzeitig wirkt AML- und Sanktionskonformität als „Systemzwang“, der Investitionen in bestimmte Regionen oder Strukturen verlangsamen kann. Der wesentliche Punkt: KI-Investments erhöhen nicht automatisch das Compliance-Level, sie machen saubere Governance nur noch notwendiger, weil KI-gestützte Prozesse stärker in Entscheidungs- und Auswertungsketten eingreifen.

Für die nächsten Monate lässt sich aus dem Report eine klare Entwicklung ableiten: Die Portfolios werden voraussichtlich weniger „starr“ und mehr auf Szenarien ausgerichtet. Wenn Währungszweifel zunehmen und gleichzeitig KI als Wachstums- und Infrastrukturtreiber gehandelt wird, dürfte sich die Nachfrage nach skalierbarer Rechenzentrumsinfrastruktur, resilienter Stromversorgung und datennaher Software weiter verstärken. Experten berichten, dass es dabei nicht allein um Renditechancen geht, sondern um die Reduktion von Klumpenrisiken durch breitere Streuung. Wer sich als Unternehmen an dieser Nachfrage ausrichten will, sollte seine Investitionsstory technisch untermauern: messbare Performance, Energie- und Kostenmodelle sowie robuste Sicherheitsarchitekturen. Kurzfristig kann das Kapitalströme beschleunigen, mittelfristig aber auch die Qualitätsstandards im Investmentprozess erhöhen.


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