CHICAGO / LONDON (IT BOLTWISE) – Universal Robots hat auf der IMTS in Chicago eine neue Gen-7-Cobot-Plattform vorgestellt, die explizit auf KI-Einsätze in der industriellen Fertigung zielt. Im Mittelpunkt steht der CB7 Core Controller, der laut Hersteller bei 40 Prozent mehr Rechenleistung gleichzeitig eine um 30 Prozent geringere Installationsfläche beanspruchen soll. Die neue g-Serie ergänzt die UR- und e-Portfolio-Linien um drei Roboterarme mit integrierter Hochbandbreiten-Anbindung an Kameras und Sensoren. Dazu kommen neue Bedienelemente wie das TP7 Core Teach Pendant und ein SP7 Smart Panel für Touch-to-Teach.

Universal Robots treibt die nächste Ausbaustufe seiner Cobot-Plattform mit Gen 7 in Richtung KI-gestützter Fertigungsprozesse vor. Auf der IMTS in Chicago zeigte das Unternehmen einen Gesamtbaukasten aus Roboterarmen, neuer Steuerung und überarbeiteter Softwareumgebung, die sich vor allem an Integratoren richtet, die in Projekten künftig mehr Bildverarbeitung, Sensorfusion und modellbasierte Entscheidungen direkt am Automatisierungssystem umsetzen wollen. Hintergrund dafür ist, dass der „Edge“-Ansatz in vielen Produktionsumgebungen praktisch sein kann: Statt Daten immer erst in ein zentrales System zu schicken, verarbeitet die Steuerung bestimmte Signale und führt Aktionen zeitnah aus.
Ein zentraler Hebel dafür ist der CB7 Core Controller, der für den Betrieb der Plattform vorgesehen ist. Universal Robots nennt im Vergleich zu früheren Steuerungsgenerationen 40 Prozent mehr Rechenleistung, gleichzeitig aber auch eine um 30 Prozent reduzierte Installationsfläche. Technisch adressiert das vor allem zwei typische Projektengpässe: begrenzten Platz in Schaltschränken und die Frage, wie viel Rechenbudget für zusätzliche KI-Workloads im Regelkreis überhaupt verfügbar ist. Der Controller ist laut Hersteller mit drei 1-Gb-Ethernet-Anschlüssen ausgestattet und soll sich in eine breite Landschaft aus SPS, HMI, MES, Industrie-PCs und Bildverarbeitungssystemen einbinden lassen.
Damit die KI nicht nur „irgendwo auf der Steuerung“ stattfindet, erweitert Universal Robots parallel die Hardware-Seite mit drei Robotermodellen der sogenannten g-Serie. Die Bezeichnungen UR10g-1750, UR17g-1300 und UR18g-950 kombinieren Traglast in Kilogramm mit Reichweite in Millimetern und machen damit die Zielanwendung deutlich: unterschiedliche Nutzlastprofile bei gleichzeitig passender Reichweite für Handhabung, Montage oder Prüfprozesse. Auffällig ist die neu gestaltete Werkzeugschnittstelle, die Strom, Daten und Sicherheitsfunktionen direkt für Kameras und Sensoren mit hoher Bandbreite bereitstellen soll. Ergänzt werden Funktionen wie integrierte Kraft-Drehmoment-Erfassung, Impedanzregelung sowie Echtzeit-Datenaustausch über RTDE direkt an der Schnittstelle.
Für die Programmierung und den Alltag in der Produktion setzt der Hersteller auf neue Bedienhardware. Das TP7 Core Teach Pendant soll laut Ankündigung mehr als 20 Prozent leichter ausfallen als das Vorgängermodell und bringt ein Full-HD-Display, variable Griffpositionen, frei konfigurierbare Funktionstasten sowie einen virtuellen Joystick mit. Ergänzend kommt das modulare SP7 Smart Panel ins Spiel: Es erlaubt direkte Programmiereingaben an der Werkzeugschnittstelle über ein Touch-to-Teach-Verfahren. In der Praxis ist das relevant, weil Touch-to-Teach Ansätze besonders bei häufig wechselnden Aufträgen helfen können – nicht im Sinne „einmal konfigurieren und nie wieder anfassen“, sondern als schnellere Schleife zwischen Prozessänderung und Validierung am Cobot.
Auch die Softwarearchitektur positioniert Gen 7 klar in Richtung offener Ökosysteme. Herzstück ist PolyScope X, das offene Programmierschnittstellen (APIs) bereitstellen soll, ROS 2 unterstützen und Edge-KI-Anwendungen direkt auf der Steuerungsebene ermöglichen will. Für Integratoren ist das vor allem dann interessant, wenn bestehende ROS-Workflows oder Bibliotheken aus anderen Robotik-Projekten weitergenutzt werden können, statt alles erneut in proprietäre Schnittstellen übersetzen zu müssen. Gleichzeitig bleibt der Blick auf Standards entscheidend: Universal Robots nennt Sicherheitsanforderungen nach ISO 10218-1, zielt auf Performance Level d (PLd) der Kategorie 3 und implementiert Cybersicherheitsstandards gemäß ISO/UL/IEC 62443.
Auf der Messe präsentierte das Unternehmen laut Ankündigung mehr als 20 Partnerunternehmen mit industriellen Demonstratoren auf Basis der neuen Generation. Genannt werden unter anderem Cognex, Schunk, Magswitch, Smooth Robotics, Psyonic, Robotiq und Inbolt. Für die Markteinordnung heißt das: Gen 7 ist nicht nur eine interne Plattformerweiterung, sondern soll sich möglichst schnell in bestehende Automations- und Vision-Landschaften integrieren lassen. Für Betreiber wiederum liegt der praktische Nutzen häufig im Zusammenspiel – wenn die Sensorik näher an der Schnittstelle arbeitet und die Steuerung ausreichend Rechenleistung für KI-gestützte Entscheidungen bereitstellt, sinkt die Latenz zwischen Wahrnehmung und Reaktion.
Unterm Strich zielt Universal Robots mit CB7, PolyScope X und der g-Serie darauf ab, KI-gestützte Fertigungsaufgaben dort zu „verdichten“, wo sie im Produktionsalltag wirken: an der Schnittstelle zwischen Sensorik, Regelung und Prozessausführung. Die Kombination aus mehr Rechenleistung, kleinerer Installationsfläche und einer Schnittstelle, die neben Strom und Daten auch Sicherheitsfunktionen für Hochbandbreiten-Sensorik bereitstellt, adressiert genau jene Punkte, die Projekte beim Scale-up häufig ausbremsen. Wer Cobot-Workflows in der nächsten Ausbaustufe plant, sollte daher nicht nur auf die Arm-Daten schauen, sondern ebenso auf die Integrationsfähigkeit in SPS/HMI/MES, die RTDE-Echtzeitkommunikation und die Sicherheits- sowie Cyber-Standards – weil genau diese Faktoren darüber entscheiden, wie schnell aus einem Demonstrator ein stabiler Serienprozess wird.
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