FRANKREICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Univity hat nach eigenen Angaben eine bidirektionale 5G-Non-Terrestrial-Network-Verbindung aus dem Orbit aufgebaut. Die Nutzlast uniSpark nutzt den 26-GHz-Bereich und Time Division Duplexing (TDD), verbunden über ein Bodenterminal und eine 5G-Core-Anbindung. Die Tests liefen vom CNES-Standort im Rahmen von France 2030. Univity nennt keine konkreten Werte zu Datenrate und Latenz, markiert aber den technischen Machbarkeitsbeleg als nächsten Schritt in Richtung kommerzieller Systeme.

Univity testet bidirektionales 5G-NTN mit TDD bei 26 GHz
Univity testet bidirektionales 5G-NTN mit TDD bei 26 GHz (Foto: IT BOLTWISE)
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Univity positioniert sich mit dem aktuellen Satelliten-5G-Test klar im Rennen um echte, bidirektionale 5G-Non-Terrestrial-Networks (5G-NTN): Statt nur Signale aus dem Orbit durchzureichen, soll eine regenerative 5G-Verarbeitung an Bord die Basisstationsfunktionen übernehmen. Das Unternehmen beschreibt eine Verbindung zwischen einem Bodenterminal und einer Basisstation an Bord eines Satelliten, wobei sich das Terminal mit dem uniSpark-Netz synchronisierte und sich als 5G-Terminal registrierte. Laut Univity war dabei eine Anbindung an einen Standard-5G-Core vorgesehen, was für den Praxisbezug wichtig ist: Der Funkteil wird dadurch nicht isoliert betrachtet, sondern in eine bestehende 5G-Systemkette eingeordnet.

Technisch zentral ist die Wahl des Modus Time Division Duplexing (TDD) im 26-GHz-Band. In typischen terrestrischen 5G-Millimeterwellen-Netzen ist TDD verbreitet, weil Uplink und Downlink dieselbe Frequenzressource zeitlich teilen. Bei Frequenzduplex (FDD) wären dagegen getrennte Frequenzbereiche für Senden und Empfangen erforderlich. Für den Orbit bedeutet TDD jedoch zusätzliche Synchronisationsarbeit: Der Satellit fliegt mit Orbitalgeschwindigkeit mehrere hundert Kilometer über der Erde, der Abstand zum Terminal ändert sich fortlaufend, und damit müssen Laufzeiten sowie Dopplereffekte laufend kompensiert werden. Univity betont, dass dafür mehrere Testkampagnen nötig waren, bis die Verbindung stabil in beide Richtungen funktionierte.

Dass die Details zu Durchsatz und Latenz fehlen, ist für Leser aus der Praxis gleichzeitig ein Hinweis und ein Stolperstein: Ohne Messwerte lässt sich schwer beurteilen, ob das Setup eher einem Laborprofil folgt oder bereits in Richtung „betreibbar“ skaliert. Univity nennt zudem keine Unterteilung innerhalb des 26-GHz-Teilbands und lässt offen, wie lange die Verbindung in den Tests bestand. Dennoch liefert die Aussage, das Protokoll ähnele terrestrischen 5G-TDD-Netzen im Millimeterwellenbereich, eine brauchbare technische Orientierung: Wenn die Funklogik nicht völlig neu erfunden werden muss, sinkt oft der Aufwand für die Integration in vorhandene 5G-Stacks, etwa bei Synchronisation, Rahmenstrukturen und NAS-/RRC-Logik. Genau diese Kopplung von Satelliten- und Terrestrik-Mechanik dürfte den größten Teil des „Engineering-Risikos“ ausmachen.

Der Test läuft laut Univity von einem Standort der französischen Raumfahrtagentur CNES aus und gehört in das Förderprogramm France 2030. Auch die Zeitachse ordnet das Projekt ein: Die regenerative Nutzlast uniSpark war bereits im Juni 2025 angekündigt worden, damals noch unter dem Firmennamen Constellation Technologies & Operations (CTO). Gestartet ist sie laut Angaben des Kooperationspartners Institut Mines-Télécom am 23. Juni 2025 mit SpaceX Transporter-14; befördert wurde der Orbitaltransporter ION von D-Orbit. Diese Abfolge zeigt, dass Univity den Übergang von Demonstrator zu Feldtest organisatorisch vorbereitet hat, statt den Satelliten erst dann „irgendwann“ funktionsfähig zu machen.

Inhaltlich begründet Univity die Bandwahl mit steigender Belastung in Ku- und Ka-Bändern und sieht im 26-GHz-Bereich eine zusätzliche Ressource für schnelle NTN-Kommunikation. Das ist vor allem für Betreiber relevant, die Kapazität und Verfügbarkeit segmentiert planen müssen: Höhere Frequenzen können je nach Umfeld zwar von der Ausbreitung her anspruchsvoller sein, bieten aber zugleich Chancen bei der Kapazitätsdichte. Für Mobilfunkbetreiber, die eine neutrale, gemeinsam genutzte Weltrauminfrastruktur anstreben, wird der kommerzielle Mehrwert dann greifbar, wenn die Satellitenfunktechnik sich möglichst weitgehend auf Techniken aus dem terrestrischen 5G stützen lässt. Univity beschreibt genau dieses Ziel: Der Technikchef Laurent Bouscary stellt die Nähe zur terrestrischen 5G-Technik als Vorteil in den Vordergrund, während CEO Charles Delfieux den Weltraum als natürliche Erweiterung terrestrischer Netze einordnet.

Als nächstes entwickelt Univity – mit Unterstützung der CNES und im Rahmen von France 2030 – uniShape: Zwei Demonstrationssatelliten sollen einen Ende-zu-Ende-5G-NTN-Dienst erproben. Danach soll uniSky die kommerzielle Konstellation aufbauen. Konkrete Termine nennt das Unternehmen zwar nicht, aber die Roadmap ist in Phasen strukturiert: Die CNES spricht vom Abschluss der ersten Phase der Entwicklung, und es folgte bereits ein 5G-Servicedemonstrationsprojekt, das im August 2025 unterzeichnet wurde. Für die Industrie bedeutet das: Die nächste Hürde liegt weniger im „Ob“ der Funkkopplung, sondern im Zusammenspiel aus Betrieb, Plattformdesign und End-to-End-Services, also dort, wo aus einem stabilen Funkexperiment eine wiederholbare Dienstfähigkeit über unterschiedliche Nutzer- und Standortbedingungen wird.

Für Unternehmen, die 5G-NTN strategisch beobachten oder in Produkte überführen wollen, ist der Test vor allem ein Signal zur Systemarchitektur: Eine regenerative Nutzlast plus TDD im Millimeterwellenbereich adressiert gleich mehrere technische Themen – von Synchronisation und Doppler-Kompensation bis zu einer 5G-nahewn Protokollbasis. Gleichzeitig bleibt die Datenebene offen: Ohne veröffentlichte Kennzahlen zu Latenz, Durchsatz und Verbindungsdauer sollten Pilotplanungen entsprechend konservativ sein. Wenn die Folgeprojekte uniShape und uniSky diese Messlücken schließen, dürfte das Vertrauen in die Skalierung von Satellitenfunk in reale Betreiberprozesse wachsen, insbesondere dort, wo mobile Konnektivität unabhängig von terrestrischer Abdeckung gefordert ist.


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