LONDON (IT BOLTWISE) – Der DAX hat sich zum Wochenende klar über 25.000 Punkten gehalten und schloss mit +1,17 Prozent bei 25.231,20 Zählern. Verantwortlich war weniger eine einzelne Konjunkturzahl als das Zusammenspiel aus gedämpften Zinserwartungen und nachgebenden Ölpreisen. In den USA blieb der Arbeitsmarktbericht zwar hinter Erwartungen zurück, das sorgte aber eher für Entspannung als für neue Risikoabschläge. Auch der Nasdaq Composite markierte ein neues Rekordhoch, bevor er mit Gewinnen ins Wochenende ging.

US-Arbeitsmarktdaten beruhigen die Börsen: DAX über 25.000 Punkte
US-Arbeitsmarktdaten beruhigen die Börsen: DAX über 25.000 Punkte (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Blick auf die Kursentwicklung zum Wochenfinale zeigte vor allem eines: Die Märkte wollten die zuletzt aufgeladenen Zins- und Inflationssorgen nicht weiter hochkochen. Am Freitag gelang dem deutschen Leitindex der Sprung über die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten, obwohl die US-Daten aus dem Arbeitsmarktkomplex den Anlegern am Nachmittag zunächst Anlass zu erhöhter Aufmerksamkeit gaben. Der DAX baute sein anfänglich nur kleines Plus im weiteren Handelsverlauf spürbar aus und beendete den Tag schließlich bei 25.231,20 Punkten, was einem Tagesgewinn von 1,17 Prozent entspricht.

Parallel dazu zog auch der Tech-Schwerpunkt an: Der TecDAX vergrößerte seine frühen Gewinne weiter und ging mit einem Aufschlag von 2,5 Prozent bei 4.080 Zählern ins Wochenende. Dass Tech-Werte in einem Umfeld, in dem Anleiherenditen zuletzt eine so große Rolle spielten, überdurchschnittlich zulegen konnten, passt zum beschriebenen Stimmungswechsel. Der Markt verdrängte die Sorge, die Geldpolitik müsse wegen neuer Inflationsdynamik weiter aggressiv bleiben, und reagierte stattdessen auf Signale, die den Druck aus dem „Zins- und Inflationssorgenkessel“ nahmen.

Den Ausschlag lieferte dabei nicht nur die nüchterne Datenlage aus den USA, sondern die Interpretation dahinter. Laut dem Marktbeobachter Timo Emden von Captrader wies der Jobbericht für September im Ergebnis eine deutlich schwächere Beschäftigungsentwicklung aus als erwartet, wodurch die Zinserhöhungserwartungen nicht zusätzlich angefeuert wurden. Diese Einordnung traf den Nerv der Märkte: Ein schwächerer Arbeitsmarktbericht kann, je nach Kontext, die Erwartung an den weiteren Pfad der Notenbankpolitik bremsen. Entsprechend reagierten auch andere „Preisanker“ in den Finanzmärkten, etwa der Anleihebereich, nachdem zuvor vor allem bei französischen Staatsanleihen ein spürbarer Ausverkauf zu beobachten gewesen war.

Auch die Energiekomponente spielte eine spürbare Rolle. Förderlich wirkten nachgebende Ölpreise, nachdem die G7-Staaten 100 Millionen Barrel aus ihren Reserven freigeben wollen. Das entlastet typischerweise nicht nur die Kostenperspektive für Unternehmen, sondern dämpft auch die Risikoprämie für inflationsgetriebene Zweitrundeneffekte. Im Euroraum war die Inflationsmeldung am Morgen zwar da, aber sie überraschte nicht groß: Die EU-Verbraucherpreise lagen in der Kernrate bei plus 2,5 Prozent. Ein Händler verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass insbesondere die Angst vor Zweitrundeneffekten und einer Ausbreitung energiepreisgetriebener Inflation eingedämmt werde.

Während in Deutschland die technische Marke und die Erwartungsdynamik zusammenkamen, schob sich Europa insgesamt ebenfalls fester in den Fokus. Der EURO STOXX 50 verbesserte sich nach einem positiven Start im weiteren Verlauf weiter und schloss 1,02 Prozent höher bei 6.238,50 Punkten. Die sinkende Rohölkomponente überlagerte dort offenbar die weiterhin gestiegene Inflation im Euroraum. In der Marktbetrachtung wurde zudem genau dieser Mechanismus betont: Hoffnung auf wesentlich niedrigere Preisniveaus bei Rohölsorten treibe die europäischen Aktienmärkte an, wie es unter Bezug auf eine dpa-Marktanalyse durch Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets hieß.

An der Wall Street setzte sich die konstruktive Tendenz vor dem Wochenende fort. Der Dow Jones eröffnete bereits höher und blieb im Tagesverlauf auf grünem Terrain; zum Schluss standen +0,49 Prozent auf 51.177,44 Punkten. Noch deutlicher zeigte sich der Technologie- und Wachstumsfokus im NASDAQ Composite: Nach einem deutlich höheren Start erreichte er sogar ein neues Rekordhoch bei 27.353,68 Punkten, bevor er Gewinne von 1,19 Prozent auf 27.190,86 Zähler ins Wochenende mitnahm. Als stützende Faktoren wurden in der Berichterstattung vor allem stagnierende, teils unter Druck geratene Ölpreise genannt, die wiederum mit der angekündigten G7-Reservefreigabe zusammenhingen.

Damit blieb auch die Begründungslinie bei der Dateninterpretation konsistent. Analyst Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ordnete den Jobbericht als Enttäuschung ein, angesichts der zuvor von Indikatoren wie Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, ADP-Report und ISM-Beschäftigungsindex angedeuteten positiven Entwicklung. Die unmittelbare Börsenlogik lautete: Ein enttäuschenderer Arbeitsmarkt wirkt gleichzeitig gegen Zins- und Inflationssorgen und passt damit zu dem Bild, das auch die sinkenden bzw. wieder weniger belastenden Energiepreise gezeichnet haben.

Entsprechend unterschiedlich präsentierte sich das Bild in Asien. Der Nikkei 225 verlor am letzten Handelstag der Woche 0,94 Prozent auf 68.309,46 Punkte. Auf dem chinesischen Festland setzte sich der Handel weiter in gemischter Richtung fort: Der Shanghai Composite gewann am Freitag 0,31 Prozent auf 3.842,20 Zähler, während in Hongkong die Bären nach einer Feiertagspause das Ruder übernahmen und der Hang Seng um 2,60 Prozent auf 23.972,29 Zähler abrutschte. Vor den anstehenden US-Arbeitsmarktdaten zeigten sich die asiatischen Finanzmärkte zudem uneinheitlich, weil Anleger eine zurückhaltende Position einnahmen, was den künftigen Zinskurs der US-Notenbank betrifft; gleichzeitig drückten hohe Anleiherenditen und ein spürbarer Anstieg der Ölpreise zeitweise die Risikofreude. Japan lieferte zusätzlich einen wichtigen Fundamentaldatenpunkt: Die Verbraucherpreise in Tokio stiegen im September um 2,7 Prozent im Jahresvergleich, übertrafen damit sowohl den Vormonatswert als auch Markterwartungen. Das befeuerte Spekulationen, dass die Bank of Japan ihren Leitzins nach der Anhebung auf 1,25 Prozent noch im Laufe des Jahres weiter erhöhen könnte.


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