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LITHUANIA / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Armee will das Training für unbemannte Systeme als „neue Basics“ vereinheitlichen, damit Einheiten nicht nur reaktiv gegen Drohnen vorgehen. Im 2nd Cavalry Regiment gehören künftig vor allem sUAS-Einsatz, Counter-UAS-Strategien und die Nutzung unbemannter Bodensysteme zum Kern. Dazu kommt der Fokus auf Tarnung der elektromagnetischen Signaturen, damit Soldaten die „Spektrum-Optionen“ praktisch verstehen. Das Programm Project Flytrap wird dafür vom kleinen Trupp bis hin zu einer battalion-level Einsatzfähigkeit ausgeweitet.

US-Armee standardisiert Training für Drohnen- und Gegen-Drohnen-Einsätze
US-Armee standardisiert Training für Drohnen- und Gegen-Drohnen-Einsätze (Foto: IT BOLTWISE)
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Die US-Armee setzt bei der nächsten Trainingsphase auf eine überraschend nüchterne Idee: Nicht jede neue Drohnenfähigkeit soll jedes Mal „von vorne“ gelernt werden, sondern als standardisierbarer Basissatz. Während die Streitkräfte ihre Soldaten auf Multi-Domain-Operationen ausrichten, sollen „new basics“ dafür sorgen, dass sich Fähigkeiten für unbemannte Systeme und deren Gegenmaßnahmen über verschiedene Einheiten hinweg ähnlich anfühlen und ähnlich durchgeführt werden. Konkret verankert das 2nd Cavalry Regiment diese Grundlagen im Alltag der Aus- und Fortbildung, damit der Umgang mit unbemannten Systemen nicht zur Spezialübung weniger wird, sondern zu einem Routinebaustein für die gesamte Truppe.

Diese Standardisierung wird im Kontext von Project Flytrap sichtbar, das zugleich als Armeeinitiative und als multinationales Trainingsszenario beschrieben wird. Project Flytrap hat sich laut den vorliegenden Angaben mehrfach weiterentwickelt und arbeitet dabei nicht nur auf der Ebene des einzelnen Soldaten, sondern mittlerweile bis in Strukturen hinein, die eher an Geschwader- bzw. Geschütz- oder Verbandlogik erinnern. Die jüngste Stufe, Project Flytrap 5.0, fand in Litauen statt, wurde mit Partnern wie dem Vereinigten Königreich und Australien durchgeführt und durch das V Corps der Armee geleitet. In diesem Setting integrierten die Beteiligten mehr als 50 industriegestützte Technologien, setzten dabei Wirkungen und unbemannte Bodensysteme ein und prüften sich gegen eine lebende gegnerische Kraft – also gegen eine Situation, die nicht nur simuliert „passiv“ bleibt.

Technisch ist der Schwerpunkt dabei weniger das einzelne Tool als die Art, wie Sensorik, Effektoren und operative Entscheidungen zusammenspielen. Innerhalb des 2nd Cavalry Regiment werden als Teil der „new basics“ besonders unbemannte Luftfahrzeuge (unmanned aerial systems), die operative Nutzung und der Einsatz von Counter-UAS-Systemen genannt. Daneben rückt auch die Verwendung unbemannter Bodensysteme in den Fokus – ein Hinweis darauf, dass die Ausbildung nicht bei der „Drohne oben“ stehen bleiben soll, sondern das Gefüge am Boden und in der Nahzone mitdenkt. Ein weiterer Bestandteil ist die Tarnung in Bezug auf elektromagnetische Signaturen: Soldaten sollen verstehen, wie sie ihre eigene Wahrnehmbarkeit über den Spektralbereich gezielt beeinflussen. Damit verschiebt sich Counter-UAS-Ausbildung vom reinen Abwehrmodus hin zu einem Zusammenspiel aus Mobilität, offensiver Überlebensfähigkeit und eigener taktischer Unauffälligkeit.

Diese Ausrichtung passt zu der wiederkehrenden Kritik, statische Verteidigung sei gegen realitätsnahe Drohnenschwärme kaum ausreichend. Ein Kernargument aus der 2nd Cavalry-Einheit lautet, dass Counter-UAS nicht an festen Strukturen „hängen“ darf, sondern mit der Manövrierfähigkeit einer Formation Schritt halten muss. Der Blick richtet sich damit auf eine sehr praktische Frage: Wenn eine Einheit vorrücken will, wie bleibt sie dennoch handlungsfähig, während Drohnenbild, Funkumfeld und Entscheidungszyklen unter Druck stehen? Aus genau dieser Perspektive wird Project Flytrap vom Feldversuch kleiner Gruppen hin zu einer battalion-level operativen Fähigkeit erweitert. Ziel ist, taktische Beschäftigung stärker mit operativen Zielsetzungen zu verknüpfen, um in einem Europa-Szenario mit einem stark drohnendichten Gegner, insbesondere an der östlichen Flanke, Durchbrüche überhaupt erst zu ermöglichen.

Auch die Ausbildungsorganisation wird dabei als eigenständiges Thema behandelt. Der senior enlisted leader des 2nd Cavalry Regiment beschreibt, dass die Armee eine disziplinierte Trainingssteuerung benötigt, bei der Personal, Zeit und Ausrüstung fest eingeplant sind, damit Soldaten die neuen Grundlagen wirklich beherrschen. Als organisatorisches Mittel nennt er Serien von „expert badges“ – also gestaffelte Qualifikationsmarken, die Wissen nicht nur vermitteln, sondern überprüfbar machen sollen. Im Unterschied zu klassischen Lehrgängen wirkt dieses Modell wie eine Brücke zwischen individueller Zertifizierung und kollektivem Einsatzstandard: Wer die Basics in mehreren Badge-Stufen nachweisen kann, wird in wechselnden Rollen schneller „einschwingbar“.

Historisch ist das kein völlig neuer Trend. Die US-Streitkräfte haben über die Jahre hinweg versucht, Training für unbemannte Luftfahrzeuge und Gegenmaßnahmen in verschiedenen Zweigen zu verankern. In dem vorliegenden Zusammenhang werden neue Einheiten im Marine Corps genannt sowie Initiativen, die gezielt Service-Mitglieder mit First-Person-View-Drohnen-Erfahrung ansprechen und für Programme zur „Drone Dominance“-Ausrichtung gewinnen sollen. Für die IT- und Technikseite der Umsetzung bedeutet das: Die Ausbildung muss mit einer wachsenden Vielfalt an Sensoren, Funk-/Jamming-Szenarien und Plattformen umgehen können, ohne dass jede neue Generation wieder eine komplett neue Trainingslogik erfordert. Genau deshalb wirkt die Betonung auf standardisierte Grundlagen und auf den Umgang mit elektromagnetischer Tarnung so relevant – denn sie zwingt das Training, die Systemgrenzen (und die Grenzen des Menschen) in reproduzierbare Abläufe zu übersetzen.

Für Unternehmen und Entwickler, die im Umfeld von Drohnen- und Counter-UAS-Technologien arbeiten, liegt die Marktrelevanz vor allem in der beschriebenen Kopplung von „mehr als 50“ integrierten Technologietriggern und der Prüfung gegen eine lebende gegnerische Kraft. Das ist eine konkrete Einladung, nicht nur Komponenten zu liefern, sondern sich in interoperable Trainings- und Bewertungsprozesse hineinzuverkabeln. Gleichzeitig zeigt die geplante Ausweitung auf battalion-level, dass künftig nicht nur Pilotteams, sondern breitere Formationen mit den Ergebnissen arbeiten werden. Wer entsprechende Lösungen bereitstellt, sollte deshalb stärker darauf achten, wie Systeme in standardisierte „Basics“ eingepasst werden können – also wie schnell sich reale Bedienbarkeit, Latenz, Funkverhalten und Taktikverständnis in überprüfbare Ausbildungsziele übersetzen lassen.

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