LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Armee hat eine Beschaffungsausschreibung veröffentlicht, um die Produktion von GMLRS-Raketen deutlich hochzufahren. Bis 2034 sollen 133.014 Stück geliefert werden, mit dem Schwerpunkt auf 19.002 Raketen pro Jahr ab 2028. Erste Lieferungen sind ab Februar 2030 geplant. In der Begründung verweist die Armee auf Produktions-, Engineering- und Rüstungsänderungsaktivitäten – und auf knappe Kapazitäten bei wichtigen Zulieferteilen wie Raketenmotoren.

US-Armee will bis 2034 rund 133.000 GMLRS-Raketen einkaufen
US-Armee will bis 2034 rund 133.000 GMLRS-Raketen einkaufen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die US-Armee will die Versorgung mit bodenstartfähigen Präzisionsraketen wieder auf eine belastbarere Grundlage stellen: In dieser Woche ist eine Sources Sought notice veröffentlicht worden, in der sie den Herstellern eine massive Aufskalierung der Produktion des Guided Multiple Launch Rocket System (GMLRS) bis 2034 abfragt. Konkret geht es um 133.014 GMLRS-Raketen, wobei die Anbieter ihre Pläne in Form von White Papers bis zum 1. September einreichen sollen. Der Zeitpunkt der ersten tatsächlichen Lieferungen liegt bei Februar 2030, während ab 2028 eine Zielrate von 19.002 Raketen pro Jahr genannt wird.

Damit verknüpft die Ausschreibung nicht nur eine Stückzahl, sondern auch den industriellen „Bauplan“ dahinter: Der angegebene Vertragsumfang umfasst Produktion, Werkzeugbau (Tooling), Engineering Change Proposals sowie unterstützende Aktivitäten für GMLRS-Raketen. Das schließt Varianten ein – darunter Unitarmunition, die Alternative Warhead (AW) sowie die Extended-Range (ER) Ausführung. Für die Fertigung bedeutet das vor allem, dass Prozesse über mehrere Konfigurationsstände hinweg stabil laufen müssen: Geänderte Zielprofile, unterschiedliche Reichweiten und ergänzende Gefechtskopfszenarien wirken direkt auf Validierung, Qualitätsprüfung und Logistik der Komponenten.

Im Wettbewerb um zusätzliche Kapazitäten wird besonders sichtbar, wie ambitioniert die geplante Steigerung gegenüber dem Status quo ausfällt. Ein bestehender Hersteller ist Lockheed Martin, das bereits angekündigt hat, seine Produktionskapazität auf 14.000 Raketen pro Jahr hochzufahren. Die neue Planung würde damit eine nahezu 36-prozentige Zusatzkapazität „auf top“ verlangen. Genau an dieser Stelle will die Armee Antworten auf Effizienz- und Kostentreiber sehen: In der notice fordert sie, die „most efficient and cost-effective methods“ zur Erreichung der Produktionsrate darzustellen. Diese Formulierung ist in der Praxis ein Hinweis, dass nicht allein mehr Schichten oder mehr Linien zählen, sondern auch Engineering-Optimierungen, beschleunigte Rüstzyklen und eine Fertigungsarchitektur, die Ausfallzeiten reduziert.

Technisch betrachtet hängt GMLRS-Fähigkeit nicht nur an der Rakete selbst, sondern an einem ganzen Kettenverbund aus Startplattform, Führungsfunktion und Antrieb. GMLRS wird typischerweise vom M270 Multiple Launch Rocket System (MLRS) gestartet; alternativ kann das System auch mit dem kleineren, truckbasierten M142 High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) genutzt werden. Während die Basisversion eine Reichweite von 70 Kilometern abbildet, kann die Extended-Range-Variante bis zu 150 Kilometer erreichen. Solche Distanzen machen die Logik der Zielerfassung und die Stabilität der Guidance besonders relevant, denn jede Abweichung wirkt sich über die Flugzeit stärker aus als bei kürzeren Profilen.

Die Dringlichkeit der Aufskalierung wird in der Ausschreibung indirekt durch den bisherigen Bedarf und die Herausforderungen in der Lieferkette untermauert. Es heißt, Lockheed Martin habe bis 2024 75.000 GMLRS-Raketen an die US-Armee geliefert, doch das habe die Nachfrage nicht vollständig gedeckt. Zusätzlich nennt die Quelle, dass US-Bestände an GMLRS und anderen gelenkten Munitionssystemen durch Lieferungen in laufende Konflikte sowie durch den langwierigen Einsatzkontext mit dem Iran spürbar „depleted“ seien. Auch andere Bemühungen zur Munitionsproduktion seien ins Stocken geraten, etwa bei einer Anlage zur Herstellung von Komponenten für 155-mm-Granaten, die offenbar nicht die erwarteten Teile geliefert habe – ein Signal dafür, wie empfindlich solche Projekte gegenüber Engpässen, Ramp-up-Risiken und Prozessreife sind.

Dass GMLRS in der realen Einsatzhistorie eine große Rolle spielt, wird im Text ebenfalls aufgegriffen. Mehrfachraketenwerfer wie M270 und HIMARS seien zu einem prominenten Element des Kriegsbilds in der Ukraine geworden; dort wurden Ziele wie Kommandoposten, Munitions- und Versorgungseinrichtungen sowie Truppenansammlungen getroffen. Zugleich wird ein technisches Risiko adressiert: Im vergangenen September sei HIMARS genutzt worden, um eine Energieinfrastruktur in Russland zu treffen; später habe jedoch starkes „jamming“ der GPS-Führung die Wirksamkeit einzelner Raketen beeinträchtigt. In diesem Zusammenhang zeigt sich auch der Supply-Chain-Teil der Entscheidung: Die Lieferung präziser Antriebs- und Steuerkomponenten lässt sich nicht beliebig „über Nacht“ hochfahren. Eine verknappte Situation bei Raketenmotoren wird deshalb als mitentscheidender Engpass genannt.

Für die Industrie und den Markt bedeutet die notice damit weniger eine einzelne Beschaffungsentscheidung als vielmehr eine klar sichtbare Produktionsagenda. Wer als Contractor künftig liefern will, muss Kapazitäten nicht nur in der Endmontage nachweisen, sondern auch in angrenzenden Bereichen wie Tooling, Engineering-Change-Management und Qualitätsprozessen, die über Varianten hinweg funktionieren. Gleichzeitig wird deutlich, warum 2030 als erstes Delivery-Fenster genannt wird: Ein solcher Ramp-up verlangt typischerweise Zeit für Lieferanten-Qualifizierung, Prozessstabilisierung und das koordinierte Hochfahren von mehreren Teilströmen. Ob die Zielkurve ab 2028 tatsächlich so sauber durchgezogen werden kann, hängt damit an der Fähigkeit, Antriebskomponenten und übrige Schlüsselteile im gleichen Takt zu beschaffen – und nicht zuletzt daran, dass Guidance- und Integrationsanforderungen auch unter den Bedingungen eines angespannten Zuliefermarkts konsistent bleiben.


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