LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Verteidigungsbehörde richtet eine neue Task Force namens Task Force Easy ein, um bewaffnete Drohnen und kleine unbemannte Bodenfahrzeuge schneller weiterzuentwickeln. Der beauftragte Armeekommandeur Michael Penn kritisiert, dass die Streitkräfte zu langsam an neue Technologie herankommen. Im Fokus stehen besonders Small Unmanned Aerial Systems sowie „one-way attack“-Drohnen mit First-Person-Viewer. Ziel ist, nicht nur mehr Systeme zu beschaffen, sondern eine institutionelle und industrielle Lern- und Update-Engine aufzubauen.

Die neue Task Force Easy zeigt vor allem eines: Der Schwerpunkt im US-Militär verschiebt sich weg von einzelnen Beschaffungswellen hin zu einer dauerhaften Innovationsschleife für unbemannte Systeme. Während viele Programme in der Praxis an Beschaffungszyklen, Testkapazitäten und der Einbindung in Taktik, Training sowie Betriebsvorgaben scheitern, soll die Task Force als militärische „Iteratorschmiede“ fungieren. Das Ziel lautet nicht nur mehr Drohnen in den Bestand zu bringen, sondern die Fähigkeit zu beschleunigen, neue Technologien schneller als der Gegner zu adaptieren.
Der zuständige Kommandeur Col. Michael Penn hat den Ursprung und die übergreifende Vision während der AUSA-Konferenz erläutert. Zentral ist dabei sein Befund zur eigenen Reaktionsgeschwindigkeit. In seinen Worten: „We’re slower, less effective. We don’t outpace our enemy and our threat in how quickly we adapt new technology. So we’re trying to fix that in our task force, “ erklärte Penn. Damit liefert er den konzeptionellen Unterbau für Task Force Easy: Das Programm soll technische und strukturelle Probleme adressieren, die beim massenhaften Erwerb und beim Einsatz bezahlbarer Drohnen und weiterer unbemannter Fähigkeiten in modernen Kampfoperationen auftreten.
Organisatorisch ist Task Force Easy in eine breitere Architektur für Autonomieeingliederung eingebettet. Ursprünglich arbeitete das Team unter der Defense Autonomy Warfare Group (DAWG), die wiederum aus der Replicator-Initiative hervorgegangen sein soll, die während der Amtszeit der Biden-Administration zur Weiterentwicklung autonomer, unbemannter sowie KI-aktivierter Systeme in mehreren Einsatzdomänen vorangetrieben wurde. Penn beschrieb zudem, dass die DAWG in die Joint Task Force-Autonomous Warfare übergegangen sei und diese nun direkt dem DRPM-UxS (Direct Reporting Portfolio Manager for Unmanned Systems) unterstellt sei. Neu ist damit weniger die Idee von Autonomie, sondern die Logik der Verantwortungs- und Umsetzungswege: Von der strategischen Portfolio-Steuerung bis zur operativen Iteration an der Front.
Technisch konkretisiert sich das Vorhaben über mehrere Arbeitspakete. Penn nennt als Schwerpunkt small unmanned aerial systems und unmanned ground vehicles, wobei „first-person viewer“ sowie „one-way attack“-Drohnen besonders hervorgehoben werden. Solche Systeme hängen stark davon ab, wie schnell Software- und Missionsparameter angepasst, Trainingsdaten aktualisiert und neue Verfahren in die Nutzungsketten gebracht werden. Genau dafür soll die Task Force als „lead for pacesetter work“ für das Projekt Swarm Forge des Chief Digital and AI Office dienen, mit dem kollaborative Autonomie „at the edge“ realisiert werden soll. „At the edge“ bedeutet hier im Kern: Entscheidungs- und Steuerlogik möglichst nah am Einsatzort, um Latenzen zu reduzieren und Funkabhängigkeiten zu verringern.
Auch die Rolle im Trainings- und Evaluationsbetrieb wirkt wie ein Hebel gegen den typischen Zeitverlust zwischen Entwicklung und Anwendung. Task Force Easy soll demnach ein Drohnenteam aufbauen, das Training vorbereitet, die neuesten Taktiken, Trainings- und Prozeduren sowie Standardsentwicklung vorantreibt und außerdem die Combat Training Centers bei Ausbildung und Gefechtsevaluierungen für die neuen Ausrüstungen unterstützt. Diese Verzahnung ist in der Praxis oft der Engpass: Ein System kann technologisch funktionieren, aber wenn die Standards, die Ausbilder und die Bewertungslogik nicht im gleichen Rhythmus iterieren, bleibt der Mehrwert hinter den Möglichkeiten zurück. Penn beschreibt diesen Zusammenhang in einem zweiten Satz, der die Ausrichtung noch einmal deutlich macht: „It’s not just drone dominance – it’s that adaptation dominance, “ sagte er.
Für den Markt und für Entwickler bedeutet das Signal vor allem eine veränderte Erwartung an Lieferfähigkeit: Nicht nur Sensorik, Flug-/Fahrplattformen oder Antriebe zählen, sondern vor allem die Fähigkeit, Missionslogik, Autonomiekomponenten und Integrationsschnittstellen zügig zu aktualisieren. Penn betont außerdem: „It’s not just about buying 1,000 drones, but it’s really about building institutional and industrial engine that’s going to learn, update, and build better capabilities faster than we have in the past, “ so Penn. Diese Formulierung zielt auf Prozesse und Ökosysteme, in denen Lernzyklen aus Feldtests in die nächste Version zurückfließen. Damit werden auch Software- und KI-nahe Anbieter, Systemintegratoren sowie Ausbildungsorganisationen stärker Teil der Wertschöpfungskette, weil sie Einfluss darauf haben, wie schnell aus Daten, Tests und taktischen Erkenntnissen neue Betriebsrealitäten werden.
Unterm Strich lässt sich Task Force Easy als Versuch lesen, eine Lücke zwischen Technologieentwicklung und operativer Wirksamkeit systematisch zu schließen. Der Ansatz ist dabei weniger ein einzelnes technologisches „Feature“, sondern die Kombination aus Zuständigkeitsklarheit, schneller Iteration bei unbemannten Luft- und Bodensystemen sowie einer engen Kopplung an Training und Evaluierung. Gleichzeitig bleibt die praktische Frage offen, wie stabil sich der Update-Takt unter realen Einsatzrandbedingungen durchhalten lässt und wie schnell sich neue Standards in der gesamten Kette durchsetzen. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob „adaptation dominance“ nicht nur ein Leitmotiv bleibt, sondern in der Umsetzung messbar wird.
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