NEW YORK/WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Armee hat im Verlauf ihres Iran-Kriegs offenbar den Großteil ihrer Bestände an ATACMS- und PrSM-Langstreckenmunition verbraucht. Mehrere Quellen nennen „virtually all“ der präzisen Boden-Boden-Systeme als Maßstab der Aufzehrung. Zugleich ist auch die Versorgung mit anderen Verteidigungs- und Marschflugkörpern unter Druck geraten. Für die Einsatzbereitschaft bei einem möglichen weiteren Konflikt wächst damit die Sorge um Nachschub und Reichweite.

US nutzt fast alle Langstrecken-Pikemissile ATACMS und PrSM in Iran-Krieg
US nutzt fast alle Langstrecken-Pikemissile ATACMS und PrSM in Iran-Krieg (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Druck auf die US-Rüstungs- und Munitionslogistik wird in den Daten zur laufenden Auseinandersetzung mit dem Iran besonders sichtbar: Laut Angaben mehrerer mit den Bestandszahlen vertrauter Personen hat die US-Armee in den fünf Monaten seit Kriegsbeginn einen sehr großen Teil ihrer Bestände an hochpräzisen Langstreckenwaffen aufgebraucht. Im Zentrum stehen dabei zwei Boden-Boden-Systeme: das Army Tactical Missile System (ATACMS) und die neuere Precision Strike Missile (PrSM). Zwei der genannten Quellen sprechen dabei ausdrücklich von einem Verbrauch von „virtually all“ dieser Waffen, womit der Abbau nicht als graduell, sondern als weit fortgeschritten dargestellt wird.

Technisch betrachtet erfüllt diese Kategorie eine Schlüsselrolle in Doktrinen für weitreichende, zeitkritische Angriffe: ATACMS und PrSM ermöglichen präzise Schläge aus größerer Distanz, ohne dass die eingesetzten Flugplattformen unmittelbar in die Gefahrenzone stark verteidigter Gebiete müssen. Die Reichweite und die Zielgenauigkeit sind dabei nicht nur für die taktische Wirkung relevant, sondern auch für das Abwägen von Risiken. Im Text der vorliegenden Berichte wird zudem ein Zusammenhang hergestellt, dass die Verwaltung offenbar weniger „riskante“ Angriffsoptionen gewählt habe, etwa im Vergleich zur Nutzung bemannter Luftfahrzeuge zum Abwurf von Bomben. Damit verschiebt sich die Debatte von der reinen Effektivität einzelner Einsätze hin zur Frage, wie lange ein bestimmtes Waffenprofil ohne Nachschubstrategie durchhält.

Die Lage wird dadurch umso komplexer, dass ATACMS als Vorgängergeneration ohnehin ausläuft und die Produktion auf PrSM umgestellt werden soll. Das bedeutet: Selbst wenn Nachlieferungen grundsätzlich geplant sind, kann der Übergang in der Praxis eine Lücke erzeugen, weil neue Munition erst in größeren Stückzahlen und mit passenden Verfügbarkeiten verfügbar sein muss. Eine von CSIS im März erwähnte Einordnung ordnet PrSM in die Ausstattung ein, die bereits in früheren Phasen der Auseinandersetzung eingesetzt werden konnte, und verweist gleichzeitig darauf, dass die Bestände zu Beginn relativ niedrig gewesen seien, weil PrSM noch vergleichsweise neu ist. Für 2027 wird dabei zudem eine große Bestellmenge genannt, was wiederum zeigt, dass der Engpass zeitlich vor allem in die Gegenwart fällt, während die strukturelle Auffüllung in der Planungslogik nach vorn verlagert ist.

Nicht nur ATACMS und PrSM, auch andere Bestände werden im Umfeld der Iran-Kampagne als aufgebraucht oder reduziert beschrieben. So heißt es, die USA hätten seit Kriegsbeginn weniger als die Hälfte ihres weltweiten Tomahawk-Kreuzerflugkörperbestands verbraucht, wobei diese Angabe laut Bericht nicht unabhängig verifiziert werden konnte. Tomahawk ist dabei als Navy-Waffe beschrieben, die von Zerstörern, Kreuzern und U-Booten gestartet wird und seit Jahren als Mittel dient, um stark verteidigte Ziele aus See heraus anzugreifen, ohne Piloten direkt einzusetzen. Parallel dazu wird auf Defensive hingewiesen: Laut den genannten Quellen hätten Warnungen aus dem Militärumfeld über sinkende Bestände an Abfangsystemen, darunter Patriot-Interceptoren, über Wochen an die politische Führung adressiert werden müssen.

Die Debatte um Patriot und THAAD lässt sich auch an den konkreten Zahlen aus einem CSIS-Bericht festmachen: Zwischen Februar und Juli seien demnach rund 65% der Patriot-Interceptoren expended worden; bei THAAD wird eine mindestens 38% niedrigere Zahl der Abfangmunition in US-Beständen gegenüber dem Kriegsbeginn genannt. Solche Systeme haben eine klare technische Funktion, aber auch einen klaren „Durchsatz“: Sie werden im Ernstfall im Verhältnis zu eingehenden Angriffen aufgebraucht, und die Wirkungskette hängt nicht nur von Sensorik und Interzeptionsalgorithmen ab, sondern ebenso von der Menge der tatsächlich einsatzfähigen Abfangkörper. Wenn also gleichzeitig Präzisionswaffen für offensive Schläge und Abfangmunition für die Verteidigung unter Druck geraten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Einsatzplanung stärker auf Schutz- und Priorisierungslogik umstellt, statt nur auf maximale Schlagdistanz zu setzen.

Bemerkenswert ist zudem, wie der Text den Versuch beschreibt, lokale Engpässe zu kaschieren: Ein vierter mit der Lage vertrauter Ansprechpartner soll ausgeführt haben, dass Central Command – zuständig für US-Kräfte im Nahen Osten – die dort vor Kriegsbeginn vorhandenen landgestützten Landbasen für solche Waffen nahezu aufgebraucht habe, zugleich aber aus weiteren US-Munitionsquellen weltweit wieder habe „nachladen“ können. Das verweist auf einen entscheidenden Unterschied zwischen der politischen Wahrnehmung von „Kapazität“ und der operativen Realität von „Verfügbarkeit an einem bestimmten Ort, zur richtigen Zeit“. In der Praxis bestimmt nicht nur die Gesamtmenge im Bestand, sondern vor allem die Logistikgeschwindigkeit, die Transportpfade sowie die Umrüst- und Wartungszyklen, wie schnell ein System tatsächlich wieder schlagbereit wird.

Während die Bestandszahlen intern zirkuliert hätten und in Gesprächen innerhalb der politischen Führung die Frage „wie lange ohne kritische Reduzierung“ im Raum stand, entgegnet die politische Darstellung vor allem mit Produktivitäts- und Überlegenheitsargumenten. In der genannten Stellungnahme wird betont, die USA hätten „far more munitions than anyone in the world“ und „far more than we need“, außerdem würden Verteidigungsunternehmen gerade mehr Munition produzieren als je zuvor, während Fabriken und Anlagen auf Rekordniveaus ausgebaut würden. Diese Aussagen stehen jedoch im Spannungsfeld zu analytischen Einordnungen, die gerade bei langlebigen Kriegsressourcen typischerweise darauf hinweisen, dass selbst Rekordproduktion bei längeren Konflikten nicht automatisch mit dem tatsächlichen Verbrauchstempo Schritt hält. Für Unternehmen in der Lieferkette bedeutet das: Nicht nur Kapazitäten, sondern auch Qualifizierung, Testzyklen, Qualitätsfreigaben und die Verfügbarkeit einzelner Komponenten werden zum Engpass, sobald die Nachfrage über längere Zeit konstant hoch bleibt.

Aus Industrie- und Planungs-Sicht ist außerdem relevant, dass mehrere Hersteller im Bericht direkt oder indirekt genannt werden. Lockheed Martin wird als Produzent von ATACMS und PrSM sowie des THAAD-Systems genannt, Raytheon als Hersteller von Tomahawk und Patriot. Beide hätten auf konkrete Fragen zu den Bestandsniveaus oder zu den Aussagen der politischen Führung zunächst nicht unmittelbar reagiert; im Bericht wird jedoch für Tomahawk erwähnt, dass Raytheon mit dem Pentagon eine vorsichtige Mehrjahresvereinbarung zur Steigerung der Produktion ausgearbeitet habe. Das ordnet die Lage zugleich in einen Markttrend ein: Wiederaufbau von Lagerbeständen wird zunehmend als zweites Ziel neben der rein leistungsorientierten Waffenentwicklung verstanden. Für die betroffenen Streitkräfte hängt der Nutzen solcher Verträge dann direkt davon ab, wie schnell die zusätzlichen Stückzahlen nicht nur produziert, sondern auch einsatzbereit in die richtigen Regionen gebracht und in bestehende Einsatzpläne eingewoben werden können.


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