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LONDON (IT BOLTWISE) – US-Bundesbehörden müssen DeepSeek-Produkte aus ihren IT-Systemen entfernen und auch keine neuen Produkte oder Services mehr beschaffen. Die Anweisung erfasst ausdrücklich Produkte, die „using DeepSeek implementations“ entwickelt wurden, sowie die genannten DeepSeek-Gesellschaften und ihre vertraglichen Ableitungen. Das Verfahren stützt sich auf den Federal Acquisition Supply Chain Security Act von 2018 und bindet damit nicht nur Behörden, sondern auch Regierungsauftragnehmer über Standardvertragsklauseln ein.

US ordnet DeepSeek-Entfernung aus Behörden-IT an und stoppt Neuanschaffungen
US ordnet DeepSeek-Entfernung aus Behörden-IT an und stoppt Neuanschaffungen (Foto: IT BOLTWISE)
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US-Zivilbehörden müssen DeepSeek-Produkte aus ihren Informationstechnologie-Systemen entfernen und dürfen gleichzeitig keine neuen IT-Produkte oder -Services mehr vom chinesischen KI-Entwickler beziehen. Die Grundlage ist eine Anordnung des US-Heimatschutzministeriums (Department of Homeland Security, DHS), datiert auf den 24. Juli 2026, die im Bundesregister (Federal Register) am 20. Oktober veröffentlicht wurde. In der Veröffentlichung wird gefordert, sowohl die unmittelbar betroffenen Produkte als auch entsprechende Drittanbieter-Angebote zu entfernen, sofern sie „developed using DeepSeek implementations“ entstanden sind. Das ist für IT-Abteilungen insofern heikel, als die Formulierung nicht definiert, wann genau eine „DeepSeek implementations“-Beziehung vorliegt und wie weit sich die Pflicht auf Komponenten, Libraries oder Dienstbausteine in einer Lieferkette ausdehnt.

Technisch betrachtet zielt die Anordnung damit auf zwei Dinge: den laufenden Betrieb und die künftige Beschaffung. Die Behörden sollen DeepSeek in ihren Systemen „remove“n, also aus produktiven Umgebungen und damit verbundenen technischen Abhängigkeiten herauslösen. Gleichzeitig gilt ab sofort ein Beschaffungsstopp für IT-Produkte und -Services „from the Chinese AI developer or its affiliates“, also nicht nur für die Kernprodukte des Entwicklers, sondern auch für verbundene Einheiten im Sinne der US-Beschaffungsregeln. Interessant ist zudem, dass die Entscheidung ausdrücklich auf die in der Verfügung genannten juristischen Einheiten wie Hangzhou DeepSeek Artificial Intelligence Co., Ltd. verweist und die Abdeckung über „affiliates“ zieht. Dadurch wird die Prüfung in der Praxis zu einem Lieferketten-Compliance-Thema: Teams müssen nicht nur den aktuellen Bestand inventarisieren, sondern auch prüfen, ob ein Anbieter Leistungen erbringt, die auf DeepSeek-Implementierungen basieren könnten.

Der rechtliche Hebel sitzt dabei weniger im eigentlichen KI-Algorithmus als in der Beschaffungs- und Vertragsarchitektur. Die Anordnung stützt sich auf den Federal Acquisition Supply Chain Security Act von 2018, dessen Mechanismus über Empfehlungen des Federal Acquisition Security Council typischerweise zu Ausschluss- und Entfernungsanordnungen führt. In dem konkreten Fall wird die Reichweite auf das begrenzt, was Zivilbehörden kaufen und betreiben: Das Gesetz unterscheidet zwischen Zivilbereich, Verteidigungsbereich und nationalen Sicherheits- sowie Geheimdienstsystemen, die jeweils durch unterschiedliche zuständige Stellen adressiert werden können. Wichtig ist auch die Umsetzung im Vertragsleben: Für Verträge mit der FAR-Klausel 52.204-30 („in performing the contract“) ist ein Auftragnehmer daran gehindert, abgedeckte Produkte oder Services bereitzustellen oder zu nutzen, sofern keine Ausnahmegenehmigung durch die ausstellende Instanz vorliegt. Zusätzlich verlangt die Klausel konkrete Pflichten wie regelmäßige Prüfungen (mindestens einmal alle drei Monate die einschlägige Formulierung zu „FASCSA order“ in SAM.gov nachschlagen), eine „reasonable inquiry“ bei potenziell betroffenen neuen Bestellungen sowie Meldefristen innerhalb von drei bzw. zehn Geschäftstagen, inklusive Mitteilungen an den contracting officer und Maßnahmenplanung.

Damit wirkt die Anordnung auch in die Umsetzungsschicht hinein, in der viele Unternehmen sonst nur indirekt betroffen sind: bei Software-Integrationen, bei Systemlieferungen und bei Managed Services. Ein Auftrag, der nach einer Ausschreibung vergeben wird und eine FASCSA-Anordnung enthält, trägt dann ein fortlaufendes Compliance-Regime in die Lieferbeziehung hinein. Die Meldelogik ist ebenfalls praxisrelevant: Wenn eine Anordnung nach einer konkreten Vergabe ergeht, gilt sie für bereits bestehende Verträge nur dann, wenn der contracting officer sie durch Amendment oder Modification ergänzt. Auch die formale „Sanftheit“ der Veröffentlichung fällt auf: Der Bundesregister-Eintrag enthält laut Text „no reasons for the order“; die unterschriebene Anordnung ist als vier gescannte Seiten beigefügt und unter dem Docket DHS-2026-0628 über regulations.gov abrufbar. Für IT- und Einkaufsverantwortliche bedeutet das: Entscheidungen müssen ohne Begründung technisch und organisatorisch umgesetzt werden, was die Dokumentations- und Reaktionsgeschwindigkeit erhöht.

Historisch fügt sich die Verfügung in eine Entwicklung ein, die in den USA bereits als gestaffelter Geräte-Restriktionsansatz begonnen hatte. Bis Februar 2025 hatten laut Text einzelne Teile des US-Betriebs bereits DeepSeek von Government-Devices ausgeschlossen, darunter unter anderem Congress, NASA, the Navy, das Pentagon und Texas. Gleichzeitig wurden im Februar 2025 auch Gesetzentwürfe eingebracht, um DeepSeek generell in Regierungsgeräten zu verbieten; diese waren bis zum 21. Oktober im Ausschussstadium. Der Unterschied zur jetzt beschriebenen Anordnung: Mit dem 2018er-Mechanismus wird nicht nur der Geräteeinsatz begrenzt, sondern über Ausschluss- und Entfernungsanordnungen eine breitere Lieferkettenwirkung in Gang gesetzt. Als Beispiel nennt der Text, dass der Mechanismus 2025 bereits verwendet wurde, als der Director of National Intelligence Acronis (Schweizer Cybersecurity- und Datenschutzanbieter) von Procurement im Intelligence Community Bereich ausschloss und dessen Produkte aus entsprechenden Systemen entfernt wissen wollte.

Für die Branche sind daneben auch die Datenschutzhinweise relevant, weil sie die internen Risiko- und Bewertungsprozesse beeinflussen können. In der Veröffentlichung wird auf die Privacy Policy von DeepSeek verwiesen, wonach persönliche Nutzerdaten erhoben, verarbeitet und in der Volksrepublik China gespeichert werden. Die Anordnung selbst nennt im Bundesregister jedoch keine Gründe, weshalb solche Aspekte als Kontext für Compliance-Entscheidungen wirken, aber nicht als explizite Begründung der Maßnahme. Medienberichten zufolge ließ zudem eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums über die grundsätzliche Gegnerschaft gegenüber einer ausgedehnten Auslegung des nationalen Sicherheitsbegriffs ausrichten; DeepSeek reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage. Unterm Strich verschiebt sich der Schwerpunkt für Unternehmen: Selbst wenn KI-Modelle in der Softwarearchitektur unsichtbar sind, können vertragliche Klauseln und staatliche Listen die Nutzung in Produktion und Beschaffung unmittelbar einschränken.

Für IT-Organisationen und Systemintegratoren entsteht damit eine klare Handlungslogik: Bestand erfassen, Abhängigkeiten bis zur Lieferkette nachverfolgen, und betroffene Funktionen zeitnah durch Alternativen ersetzen oder so zu entkoppeln, dass keine Nutzung oder Bereitstellung „covered“ ist. Da die Definition von „DeepSeek implementations“ offen bleibt, wird die Bewertung im Zweifel stärker auf technischer Evidenz basieren müssen – etwa darauf, welche Modelle, APIs, vortrainierte Artefakte oder Drittanbieter-Implementierungen tatsächlich eingesetzt werden. Der nächste Engpass ist dann weniger das Modelltraining, sondern das Migrationsprojekt in produktive Umgebungen: Latenzen, Integrationstiefe, Sicherheitsprüfungen und Revalidierung müssen ohne Begründung der staatlichen Anordnung dennoch fristgerecht stattfinden. Gleichzeitig zeigt der Verweis auf den Acronis-Fall, dass solche Maßnahmen zwar punktuell beginnen, aber als Muster in Beschaffungsprozessen fest verankert werden können.


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