LONDON (IT BOLTWISE) – Die USA rücken bei ihrem KI-Data-Center-Boom eine neue Abhängigkeit in den Fokus: kritische Komponenten der Stromkette kommen in großen Mengen aus China. Washington prüft dafür per Executive Order und über Behördenlisten mögliche Verbote oder Auflagen für bestimmte Ausrüstungsteile. Die erwartete Folge sind höhere Kosten und engere Lieferfenster, gerade weil der Ausbau auf 152 GW bis 2030 zielt. Parallel laufen in den USA Re- und Nearshoring-Pläne, etwa mit Investitionen in Transformatoren und Netz-Infrastruktur.

Der KI-Rechenzentrumsboom in den USA wird derzeit nicht nur an Chip-Lieferketten gemessen, sondern zunehmend an dem, was die Anlagen am Laufen hält: Strom. In der Debatte um „AI Supremacy“ geraten damit Komponenten in den Vordergrund, die auf den ersten Blick weit weg vom Trainings-Cluster wirken, aber im Dauerbetrieb über Ausfallzeiten entscheiden. Laut dem Text wurden Washington und Peking deshalb gleichzeitig als strategische Parteien beschrieben, während US-Hyperscaler multibillionenschwere Data-Center-Projekte vorantreiben. Die Kernthese: Während in Amerika fortschrittliche Chips und Hardware entwickelt werden, kann der „Power Stack“ – also die Infrastruktur für Stromverteilung und Notstrom – zur verwundbaren Stelle werden.
Technisch lässt sich die Abhängigkeit gut greifen, weil die Stromkette im Rechenzentrum in klar definierte Baugruppen zerfällt. Transformers senken die Spannung vom Netz auf die für Server und Kühlung benötigten Werte, Switchgear bündelt Schalt- und Schutzfunktionen mit Schaltern, Sicherungen und Leistungsschaltern, und Batteriesysteme puffern als Backup die Stromversorgung bei Störungen. Genau diese Bausteine werden im Artikel als Bereiche genannt, die bei der AI-Infrastruktur zunehmend von Importen aus China abhängen. Als konkrete Größenordnung nennt der Text unter anderem einen Anteil von nahe 30% an bestimmten Transformer- und Switchgear-Kategorien sowie über 40% bei US-Batterieimporten. Daneben wird eine „tiefer liegende Exposition“ beschrieben, etwa über Kupfer, Elektro-Stahl und Batteriekathodenmaterialien, was die Verwundbarkeit über die unmittelbaren Endprodukte hinaus erweitert.
Auch die Datenübertragung selbst bekommt im Machtkampf eine politische Komponente. Optische Technologie über Glasfaserleitungen gilt im Text als Feld, in dem China besonders stark dominiert, weil sie große Datenmengen effizienter transportiert als reine Kupferstrecken. Der Artikel verweist darauf, dass Unternehmen wie Zhongji Innolight und Eoptolink eine führende Rolle bei optischen Transceivern spielen, die in Rechenzentren an Schnittstellen zwischen Switches, Servern und weiteren Netzkomponenten sitzen. Außerdem wird quantifiziert, dass chinesische Firmen zusammen grob zwei Drittel der weltweiten Unit-Liefermenge abdecken. Damit steht nicht nur „Stromversorgung“, sondern auch die schnelle und stabile Datenpfad-Infrastruktur im Blick, die für hohe KI-Lasten und große Bandbreiten im Betrieb entscheidend ist.
Politisch schlägt diese Sichtweise in konkrete Regulierungsschritte durch. Der Text beschreibt, dass Präsident Donald Trump eine Executive Order unterzeichnet hat, die eine nationale Notlage rund um eine „extraordinary foreign threat“ im Zusammenhang mit Bulk-Power-System-Equipment aus dem Ausland festlegt. Das Dokument ermächtigt das Energieministerium, bestimmte Transaktionen zu untersagen oder mit Bedingungen zu belegen, wenn sie Teile betreffen, die für das Stromnetz und für Data-Center-Komponenten relevant sind. Zusätzlich heißt es, dass auch die FCC (Federal Communications Commission) Power-Inverter auf eine „Covered List“ gesetzt hat, die als nationales Sicherheitsrisiko eingestuft werden. Parallel wird im Text berichtet, dass an einer möglichen Beschränkung für neue chinesische optische Transceiver gearbeitet werde; über die konkrete Bewertung durch Behörden soll aber im Rahmen des Artikels keine endgültige Aussage gemacht werden, weil im Text keine Antwort auf Anfragen genannt wird.
Am Markt verschiebt sich damit der Engpass vom reinen Ausbauplan hin zur Material- und Produktionsrealität. Für die US-Data-Center-Kapazität nennt S&P Global im Text eine Prognose von 62 GW im März 2026 bis 152 GW bis 2030, getrieben durch „high-density AI workloads“. Wenn gleichzeitig Teile des Power Stacks und bestimmte Kommunikationsbausteine in einer neuen Risiko-Logik betrachtet werden, steigt die Wahrscheinlichkeit von Lieferverzögerungen oder Preisaufschlägen. Als Beispiel aus dem Text werden Marktknappheiten genannt: für Power Transformers etwa 15% und für Substations 8% im Jahr 2026. Der Artikel verknüpft das zudem mit der Strategie, in der Vergangenheit chinesische Einheiten zu nutzen, um Lead Times zu verkürzen – besonders in dem Segment 100 MVA+, in dem die Knappheit bereits spürbar sein soll.
Um diese Lücke abzufedern, setzen US-Unternehmen laut Text auf Investitionen in heimische Fertigung. Hitachi Energy kündigte im September 2025 Investitionen von 1 Milliarde US-Dollar zur Expansion kritischer Grid-Infrastruktur in den USA an, darunter 457 Millionen US-Dollar für eine neue Anlage für große Leistungstransformatoren, um die Nachfrage aus dem AI-Buildout zu bedienen. Siemens Energy wiederum nannte im Februar 1 Milliarde US-Dollar für US-Produktion für Grid- und Gas-Turbinen-Equipment im Kontext von AI- und Data-Center-Erweiterungen. Entscheidend ist hier weniger der politische Wille als die industrielle Hochlaufkurve: Der Text warnt, dass Skalierung in kurzer Zeit nicht trivial ist, weil fortgeschrittene Photonik-Designs zwar vorhanden sein können, aber Cleanroom-Kapazitäten, automatisierte Packaging-Infrastruktur und Yield-Scale fehlen könnten, um Volumen eines anderen Lieferanten in einem 12- bis 24-Monats-Horizont aufzunehmen.
Für Anbieter und Entscheider bedeutet das: KI-Strategien im Unternehmen müssen künftig stärker „end-to-end“ geplant werden – inklusive Stromverteilung, Notstromlogik, Schalttechnik sowie der Datenpfad-Infrastruktur. Denn wenn der Power Stack und die optischen Transceiver als Teil der Lieferketten- und Sicherheitsarchitektur neu bewertet werden, wirken sich Verzögerungen nicht nur auf die Inbetriebnahme aus, sondern auch auf die Wirtschaftlichkeit pro Standort. Der Artikel ordnet die Dynamik zudem in eine Parallele zum 5G-Rollout ein, bei dem das Entfernen von chinesischem Telecom-Equipment später zu Verzögerungen und höheren Kosten geführt habe. Genau deshalb verschiebt sich der Fokus in Washington: Das Risiko soll reduziert werden, bevor chinesische Technik vollständig in Betrieb, Beschaffung und Betriebsprozesse eingebettet ist – mit erheblichen Konsequenzen für Einkauf, Architekturentscheidungen und Projekt-Timing im gesamten AI-Data-Center-Ökosystem.
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