LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Space Force hat drei neue OTA-Verträge für Satelliten zur Zielverfolgung aus dem Orbit gestartet und dafür insgesamt 615 Millionen US-Dollar zugesagt. Damit geht das SB-AMTI-Programm in die nächste Phase und erweitert die Lieferantenbasis über die erste Auswahl hinaus. Ziel ist, verschiedene Sensing-Technologien zu reifen und nicht nur auf eine einzige technische Lösung zu setzen. Die operativ nutzbare Konstellation soll bis 2028 verfügbar werden.

Die US Space Force setzt beim Ausbau ihres Weltraumsystems zur Erkennung und Verfolgung bewegter Ziele auf ein bewusst breites Technologie-Portfolio. Konkret geht es um das SB-AMTI-Programm (Space-Based Airborne Moving Target Indicator), das aus dem Orbit eine Alternative zum Airborne Warning and Control System schaffen soll, indem es bewegte Objekte wie Flugzeuge, Drohnen und auch Marschflugkörper detektiert und nachführt. Nachdem im Mai bereits eine größere OTA-Vergabe für den Aufbau einer ersten SB-AMTI-Satellitenkonstellation angekündigt wurde, startet nun eine zweite Task-Order-Runde, die mit insgesamt 615 Millionen US-Dollar auf drei Firmenschultern verteilt wird.
Technisch ist der Kern der Initiative weniger eine einzelne Sensorleistung als vielmehr die Fähigkeit, mit geeigneten Verfahren zuverlässig Ziele mit hoher Bewegungsdynamik zu verfolgen. SB-AMTI steht damit für die Weiterentwicklung eines kompletten Sensing- und Datenpfads: Sensoren müssen aus der Umlaufbahn nicht nur Signale erfassen, sondern die relevanten Bahn- und Bewegungsanteile aus komplexen Geometrien ableiten. Die Space Force positioniert das Programm im Rahmen des Space-Based Sensing and Targeting-Portfolios und beschreibt die aktuellen Zusagen als zweiten Task-Order-Schritt für die Reifung und Bündelung mehrerer Sensing-Ansätze. Auffällig ist dabei die Struktur als firm-fixed-price Agreements auf Basis von Other Transaction Authority (OTA), also einem Vertragsmodell, das in der US-Beschaffung besonders für schnellere und experimentorientiertere Technologieentwicklung genutzt wird.
Der finanzielle Rahmen zeigt, wie ernst die Behörde die Skalierungs- und Industriekomponente nimmt: Die aktuelle Runde beläuft sich auf drei initiale firm-fixed-price OTA-Vereinbarungen mit zusammen 615 Millionen US-Dollar. Laut den Angaben der Space Force handelt es sich dabei um den zweiten Task Order für SB-AMTI. Die Verträge folgen auf eine OTA-Vergabe über 4,16 Milliarden US-Dollar, die im Mai an SpaceX für die Entwicklung einer initialen SB-AMTI-Satellitenkonstellation adressiert wurde. Diese erste Vertragslinie soll die Grundlage schaffen, damit die Space Force eine operative airborne moving target indicator-Konstellation bis 2028 in Dienst bringen kann. Damit wird aus einer frühen Entwicklungsphase ein Pfad zur operativen Architektur, bei dem die zweite Task Order die technische und industrielle Belastung von der ersten Ausbaustufe abfedern soll.
Inhaltlich setzt die zweite Task Order zwei Prioritäten: Sie soll erstens die Vendor Base verbreitern und zweitens mehrere Sensing-Technologien voranbringen, statt ausschließlich auf eine einzelne technische Lösung zu vertrauen. Die Space Force beschreibt ausdrücklich, dass der zweite Task-Order-Schritt auf Vielfalt abzielt: Nicht nur unterschiedliche Unternehmen sollen eingebunden werden, sondern auch unterschiedliche technische Realisierungen der „airborne moving target indication“-Mission. Dafür wurden Rocket Lab, STR LLC sowie ein drittes Unternehmen ausgewählt, dessen Identität aus Gründen der operativen Sicherheit zurückgehalten wurde. Die Vergabe erfolgte zudem kompetitiv über ein bereits bestehendes indefinite-delivery, indefinite-quantity-Pool-Modell von SB-AMTI-Industriepartnern. Genau dieses Pooling ist in der Beschaffungslogik entscheidend, weil es neue Leistungsbausteine relativ zügig nachziehen kann, ohne jedes Mal bei null starten zu müssen.
Für die Beschleunigung spielt auch die Argumentationslinie der Space Force eine Rolle: Col. Ryan Frazier, acting portfolio acquisition executive für space-based sensing and targeting, betont in den vorliegenden Aussagen den Zeithorizont und die Notwendigkeit, „aggressiv“ Innovationen aus dem kommerziellen Markt zu nutzen. Wörtlich sagte er: „Our mandate is clear: we must move fast and aggressively harness the innovation of the commercial sector“. Außerdem unterstreicht er, dass die Task Order gerade die Abhängigkeit von einem einzigen technischen Ansatz reduzieren soll: „The core focus of this second task order is diversifying our capabilities and ensuring we don’t rely on a single technical solution“. Und weiter: „With these new partnerships, we are exploring unique innovations and technologies and fundamentally different ways to accomplish the airborne moving target indication mission. Maturing these varied technical solutions now gives us distinct performance advantages for the future and guarantees we are fielding the absolute best technology available.“ Solche Aussagen wirken in der Praxis wie ein Designprinzip: Statt einer Monokultur aus Sensoren und Lieferketten wird eine Architektur anvisiert, die sich aus mehreren Reifegraden und technischen Pfaden zusammensetzt.
Auch der Markt- und Industrieausblick folgt einem klaren Muster: Die Space Force erwartet, dass das erweiterte Partner-Ökosystem den Wettbewerb erhöht, Supply-Chain-Engpässe reduziert, industrielles Risiko mindert und zugleich die Technologiereifung beschleunigt. Gleichzeitig zielt die Strategie auf Survivability und Adaptability ab. Mehrere Sensing-Technologien bedeuten in diesem Kontext nicht nur mehr Varianten im Labor, sondern eine robustere Architektur gegen Ausfälle, geänderte Einsatzszenarien und unterschiedliche Umgebungsbedingungen. Als zusätzliche Einordnung ordnet die Space Force SB-AMTI zudem als space-based Alternative zum AWACS-Flugzeug ein, während sie ihre bestehenden airborne moving target indicator-Fähigkeiten in eine neue Raumkomponente überführt. Für Unternehmen in der Raumfahrt- und Sensorzulieferung heißt das: Die konkreten Schnittstellen werden zunehmend zum Wettbewerbsvorteil, weil nicht nur „Satellit bauen“ zählt, sondern die Fähigkeit, in einem wachsenden, konkurrierenden SB-AMTI-Ökosystem belastbar zu liefern.
Aus Unternehmenssicht verschiebt sich damit der Fokus vom reinen Demonstrator hin zur skalierbaren Integration. Wenn mehrere Task Orders parallel unterschiedliche Technologien reifen, steigen die Anforderungen an Planungssicherheit, Produktionsfähigkeit und standardisierte Systemintegration, damit am Ende ein stimmiges Gesamtsystem entsteht. Gerade bei einer Zielarchitektur, die für 2028 als operative Konstellation ausgegeben wird, wird die Zeitachse knapp: Jede technische Abweichung muss in der Massenfertigung und in der Systemkalibrierung auffangbar sein. Die gegenwärtige zweite Task Order-Runde ist daher auch als Risikosteuerung zu lesen: Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein Technologieweg in Qualität, Liefertempo und Leistungsfähigkeit die operative Reife erreicht, während andere Wege gezielt zur Vergleichsbasis werden. Unterm Strich signalisiert die Vergabe über 615 Millionen US-Dollar, dass die Space Force beim SB-AMTI-Programm eine Mischung aus Tempo und Portfolio-Engineering anstrebt.
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