LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Untersuchung zur Waffenaufbewahrung in den USA zeigt, dass etwa ein Viertel der Waffenbesitzer zumindest gelegentlich eine Schusswaffe unbeaufsichtigt im Fahrzeug liegen lässt. Besonders häufig landen Pistolen in der Mittelkonsole oder im Handschuhfach, obwohl diese Stellen leicht zugänglich sind. Als Hauptmotive nennen die Befragten Sicherheitsbedenken, Alltagskomfort und Regeln, die den Transport von Waffen in bestimmten öffentlichen Orten untersagen. Die Studie schätzt außerdem, wie viele Erwachsene daraus resultierend in leeren Autos Waffen zurücklassen.

US-Studie: Etwa 1 von 4 Waffenbesitzern lässt Gewehre oder Pistolen im Auto zurück
US-Studie: Etwa 1 von 4 Waffenbesitzern lässt Gewehre oder Pistolen im Auto zurück (Foto: IT BOLTWISE)
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In den USA ist das Auto für viele Waffenbesitzer mehr als nur Fortbewegungsmittel: Es ist im Alltag auch ein Zwischenlager. Eine neue Studie, veröffentlicht in Injury Epidemiology, kommt zu dem Ergebnis, dass etwa ein Viertel der Waffenbesitzer eine Schusswaffe in einem Fahrzeug zumindest gelegentlich unbeaufsichtigt lässt. Damit rückt ein Detail in den Fokus, das im Sicherheitsdiskurs bisher häufig unterbelichtet war: Wie oft passiert das tatsächlich, an welchen konkreten Stellen wird gelagert und welche Gründe werden dafür angeführt?

Die Einordnung wird besonders deutlich, wenn man die Entwicklung der letzten Jahre betrachtet. Laut einer früheren Untersuchung aus dem Jahr 2022 trugen etwa 16 Millionen US-Erwachsene mindestens monatlich eine geladene Handfeuerwaffe, was die Schätzwerte aus den Jahren davor ungefähr verdoppelte (Studie: 2022). Parallel dazu zeigen Daten aus mehreren US-Bundesstaaten, dass sich Sicherheitswahrnehmungen messbar auf Aufbewahrungsentscheidungen auswirken können: Wer sich stärker bedroht fühlt oder Wohnumfelder als unsicher einschätzt, führt Waffen häufiger mit und neigt eher dazu, sie in zugänglichen, unsicheren Orten zu belassen (Studie: 2023). Genau in diesem Spannungsfeld aus „Mitführen“ und „Zwischenlagern“ setzt die neue Arbeit an.

Für die aktuelle Untersuchung werteten die Forschenden Antworten einer Online-Befragung mit 1.856 waffenbesitzenden Erwachsenen aus, erhoben durch YouGov in den Monaten Februar und März 2026. Die Stichprobe wurde demografisch gewichtet, damit sie näherungsweise die Gesamtstruktur der US-Waffenbesitzer widerspiegelt. Entscheidend war die Frage nach dem konkreten Verhalten: Wie häufig lassen Teilnehmende eine Schusswaffe im Fahrzeug, wenn kein Erwachsener vor Ort ist? Wer „ja“ angab, musste anschließend nachlegen – zu Waffentypen, zu den Aufbewahrungsorten im Auto und zu den wichtigsten Motiven.

Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: 73,2 % der Waffenbesitzer gaben an, niemals eine Schusswaffe unbeaufsichtigt im Fahrzeug zu lassen. Weitere 14,7 % berichteten, dies selten zu tun, 5,7 % manchmal und 6,4 % „meistens“ oder „immer“. Hochgerechnet auf nationale Schätzungen zum Waffenbesitz kommen die Autorinnen und Autoren auf rund 21,8 Millionen US-Erwachsene, die mindestens gelegentlich eine Waffe in einem leeren Fahrzeug zurücklassen; davon lag der Wert für „regelmäßig“ bei etwa 4,8 Millionen. In Verbindung mit Diebstahlrisiken ergibt das eine sicherheitspolitisch relevante Größe: Wenn Waffen aus geparkten Autos entwendet werden, können sie in den illegalen Markt gelangen und später bei Gewaltdelikten auftauchen. Alexander Testa, der leitende Autor, brachte diesen Kernpunkt in der Diskussion auf den Punkt: „Each year, tens of thousands of firearms are stolen from vehicles in the United States, and those firearms can enter illicit markets and be used in violent crimes“ („Jedes Jahr werden Zehntausende Waffen aus Fahrzeugen in den USA gestohlen …“), wobei er zugleich betont, dass seine Studie erstmals das Ausmaß dieses „Vorher-Schritts“ quantifiziert.

Technisch und sozial interessant ist außerdem, welche Faktoren mit dem Verhalten zusammenhängen. Männer waren laut Auswertung etwa 48 % häufiger betroffen als Frauen. Bei nicht-hispanischen Black-Waffenbesitzern lagen die Odds ungefähr doppelt so hoch wie bei nicht-hispanischen White-Waffenbesitzern. Auch das Alter spielte eine Rolle: Jüngere Erwachsene neigten eher dazu, Waffen unbeaufsichtigt im Auto zu lassen, während Menschen im Alter von 76 Jahren und älter im Vergleich zu Unter-36-Jährigen deutlich seltener betroffen waren (um 84 % geringere Wahrscheinlichkeit). Zusätzlich wirkte persönliche Erfahrung: Wer zuvor schon einmal einen Waffendiebstahl erlebt hatte, war laut Studie über 2,5-mal häufiger in der Gruppe, die auch im Auto unbeaufsichtigt lagert. Auf der Wahrnehmungsseite zeigten sich ebenfalls Zusammenhänge, etwa über Skalen zur Angst, getroffen zu werden, und über die Einschätzung, wie wahrscheinlich es sei, eine Waffe zur Selbstverteidigung einzusetzen. Politische Selbstauskünfte wurden ebenfalls mit verknüpft: Konservativ eingeordnete Teilnehmende zeigten etwa dreimal höhere Odds als sehr liberal eingeordnete. Schließlich zeichnete sich ein geografisches Muster ab: Ländliche Regionen waren mit mehr als einer Verdopplung der Odds verbunden gegenüber großen Metropolregionen.

Beim Blick auf konkrete Aufbewahrungsorte wird sichtbar, warum das Thema auch aus Sicherheits- und Diebstahlperspektive so hartnäckig ist. Unter den Befragten, die überhaupt angaben, eine Waffe im Fahrzeug zu lassen, waren Pistolen mit 74,5 % die häufigste Kategorie; Longguns allein kamen auf 11,2 %, während 14,3 % sowohl Handfeuerwaffen als auch Longguns nannten. Wo im Auto? Fast ein Viertel nannte die Mittelkonsole, 16,7 % das Handschuhfach. Weitere 12,9 % platzierten die Waffe unter einem Sitz oder einer Fußmatte, 9,2 % im Kofferraum. Alarmierend im Sinne praktischer Resilienz: Nur 19,7 % gaben an, eine dedizierte abschließbare Lockbox oder eine Konsole für die sichere Aufbewahrung zu nutzen. Genau dieses Muster greift Testa in seiner Bewertung auf: „these firearms are often stored in locations like a center console or glove box, which offer little resistance to theft… Someone who breaks into a vehicle can get into even a locked center console or glove box very quickly“. Die Aussage läuft inhaltlich darauf hinaus, dass bereits „schnell erreichbar“ die Hürde für opportunistische Diebstähle stark senkt – und dass selbst Schloss-Varianten je nach Konstruktion nicht automatisch das gleiche Sicherheitsniveau wie echte Fahrzeugsafes erreichen.

Als wichtigste Motive dominieren nicht rein technische Überlegungen, sondern Regeln und Alltagslogik. Am häufigsten wurde angegeben, dass rechtliche Vorgaben den Transport in bestimmte Orte verbieten – etwa an Arbeitsplätzen, in Schulen, in Regierungsgebäuden oder in Betrieben, die Alkohol ausschenken. Weitere Topgründe waren der Wunsch nach unmittelbarem Zugriff für den persönlichen Schutz, das Vorhandensein eines festen Aufbewahrungsplatzes im Fahrzeug sowie schlicht Bequemlichkeit im Tagesablauf. In der Kommunikation versucht die Studie zudem, den Ton nicht als Schuldzuweisung zu setzen: Testa stellt heraus, dass viele Betroffene Waffen deshalb nicht mitnehmen könnten, weil sie sie in „gun-free“ Bereiche nicht transportieren dürfen, und dass entsprechende sichere Vorrichtungen erst in jüngerer Zeit breit verfügbar geworden seien – gleichzeitig aber noch nicht Standard im Fahrzeugbestand sind. Für die Interpretation heißt das: Die untersuchte Verhaltensweise ist weniger eine Frage von Zustimmung zu Risiko als vielmehr von praktischer Zwangslage und vorhandener Infrastruktur.

Die Forschenden nennen selbst wichtige Limitationen. Weil die Daten auf Selbstangaben beruhen, kann es zu Untererfassung kommen – etwa durch soziale Erwünschtheit oder Datenschutzbedenken. Zudem handelt es sich um eine Momentaufnahme (Querschnitt), wodurch die Ergebnisse eher Zusammenhänge als gesicherte Ursache-Wirkung-Beziehungen abbilden. Auch die Zeit der Datenerhebung – späte Winter- und frühe Frühlingsmonate – kann saisonale Effekte überdecken; Jagdsaisons oder Sommer-Roadtrips könnten das Verhalten beeinflussen. Außerdem wird nicht zwischen kurzen Aufenthalten und nächtlichem Verlassen auf öffentlichen Straßen unterschieden, und die politischen Scores erfassen möglicherweise nicht kleinteilige lokale Vorschriften. Dennoch liefert die Arbeit eine lange gesuchte Ausgangsbasis: ein quantifiziertes Profil des „Lassen im Auto“ nach Häufigkeit, Ort und Motiv. Damit rückt auch die nächste Frage in den Vordergrund, wie sich Diebstahlprävention praktisch verbessern lässt – etwa durch wirksamere Messaging-Strategien und durch die Erhöhung der Nutzerquote bei echten Abschließlösungen, die den schnellen Zugriff für Täter erschweren.


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