WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Verbraucherpreise dürften im Juli moderat gestiegen sein, während Benzinpreise laut Datengrundlage spürbar nachgaben. Für den Monat erwarten Marktanalysten einen Anstieg des CPI um rund 0,1%, getragen vor allem von Energie und nur begrenzt von Lebensmitteln. Die Kerninflation dürfte dagegen weiter zulegen und damit die Diskussion um eine mögliche Zinsentscheidung im September weiter anheizen. Für Konsumenten bleibt das Bild vor allem wegen hoher Preisniveaus und unzureichender Lohnentwicklung schwierig.

Die nächsten CPI-Zahlen aus den USA dürften vor allem deshalb Aufmerksamkeit bekommen, weil sie direkt in die Erwartungsschleife der Geldpolitik wirken. Für Juli wird ein Anstieg des Consumer Price Index um etwa 0,1% im Monatsvergleich erwartet, nachdem der Wert im Juni überraschend um 0,4% gesunken war – der erste Rückgang seit sechs Jahren. Gleichzeitig wird für die 12 Monate bis Juli eine Inflationsrate von 3,4% erwartet, nach 3,5% im Juni. Auch wenn das nach einer Entspannung klingt: Entscheidend ist die Richtung bei der Kernkomponente, weil sie weniger von kurzfristigen Preissprüngen beeinflusst wird und damit oft stärker als „Trendindikator“ in Zinsdebatten genutzt wird.
Technisch betrachtet entsteht die erwartete CPI-Veränderung aus einem Mix aus Energieeffekten und einem weiterhin zähen Dienstleistungs- bzw. Güterblock. Der Berichtskontext macht klar, dass sinkende Benzinpreise den größten Hebel liefern könnten: Im Juli lag der durchschnittliche Benzinpreis bei 4,064 US-Dollar je Gallone, im Juni bei 4,184 US-Dollar. Damit setzt sich eine bereits im Frühjahr begonnene Entlastung fort, denn von Mai an betrug der durchschnittliche Wert 4,609 US-Dollar je Gallone. Parallel dazu sollen Lebensmittelpreise nur marginal steigen. Diese Entkopplung ist nicht trivial, weil Energie in der Vergangenheit häufig als „Volatilitätsquelle“ fungierte und kurzfristige Schwankungen die Gesamtzahl verwischen können.
Unterm Strich bleibt die Kerninflation der Knackpunkt. Für den Monat wird ein Plus von 0,2% beim Core CPI erwartet, was einer Jahresrate von 2,5% entsprechen würde. Genau hier setzen auch die Aussagen der Ökonomen an: Sung Won Sohn, Professor für Finanzen und Volkswirtschaftslehre an der Loyola Marymount University, ordnet die Lage so ein, dass es bei einer Veröffentlichung „keine nennenswerten Überraschungen“ geben dürfte und die Fed Zinsentscheidungen voraussichtlich nicht deutlich umdrehen würde – es sei denn, Arbeitslosigkeit und CPI liefen in eine deutlich ungünstige Richtung. Für die Kommunikation der Notenbank ist das bedeutsam, weil sie üblicherweise nicht nur den aktuellen Wert, sondern die Konsistenz über mehrere Messpunkte betrachtet.
Für die Marktlogik ist außerdem wichtig, wie der CPI in Beziehung zu den Zielen der Fed gesetzt wird. Die Notenbank nutzt für ihr 2%-Inflationsziel die Personal Consumption Expenditures (PCE)-Preisindizes, während der CPI als öffentlich schneller beobachteter und politisch stärker wahrgenommener Indikator dient. „Kühler“ fallende Zahlen können die Erwartungen an eine weitere Anhebung der Zinsen dämpfen, allerdings bleibt die Wirkung auf Konsumenten begrenzt, wenn Löhne Preissteigerungen nicht ausgleichen. Tani Fukui, Ökonomin bei MetLife Investment Management, bringt es auf den Punkt: Es handle sich zwar um eine Verbesserung, aber die Werte seien weiterhin „extrem hoch“ und für Verbraucher spürbar belastend. Das ist auch deshalb relevant, weil hohe Lebenshaltungskosten die Zustimmung in der Bevölkerung gegenüber der Regierung drücken und damit indirekt politisch auf die Chancen der Republikaner in den bevorstehenden Midterm-Wahlen wirken können.
Auch innerhalb des „Core“-Körpers gibt es Treiber, die nicht überall gleich wirken. Der Text nennt als mögliche Quellen für einen höheren Core CPI insbesondere Rückprünge bei Preisen für gebrauchte Autos und Pick-ups sowie Preisanstiege bei Bildung- und Kommunikationsgütern. Daneben werden steigende Flugpreise erwartet. Bei Mieten rechnen Ökonomen mit einer milden Belebung; gleichzeitig wird aber diskutiert, ob Hotel- und Motelzimmerpreise ihren Abwärtstrend fortsetzen. Interessant ist zudem der Abgleich mit der Kern-PCE-Messung: Es wird argumentiert, dass ein „benignes“ Core-CPI-Profil sich im Kern-PCE-Index nicht eins-zu-eins wiederholen müsse, da die Gewichte der enthaltenen Komponenten unterschiedlich sind. Das führt in der Folge dazu, dass manche Marktteilnehmer trotz freundlicher Kern-CPI-Signale im September eher eine Straffung für möglich halten.
Genau an dieser Stelle wird Stephen Juneau von Bank of America Securities zum Entscheidungsnarrativ: Er sagt sinngemäß, dass ein Bericht im Rahmen der Erwartungen den Fall für eine Zinserhöhung im September stützen würde. Praktisch heißt das: Selbst wenn Energie kurzfristig günstiger wird, kann eine hartnäckige Kerninflation über das gewogene PCE-Profil der Fed weiterhin Spielraum für restriktivere Politik lassen. Für Unternehmen liegt die operative Bedeutung vor allem in der Planung von Finanzierungskosten, Preissetzung und Lohnbudgetierung. Wer in den kommenden Monaten Investitionen, CAPEX-Ausgaben oder langfristige Verträge an kurzfristige Finanzierungskosten koppelt, bekommt durch CPI- und PCE-Signale einen zusätzlichen Impuls – nicht als einzelne Zahl, sondern als Entwicklungslinie, die in den Erwartungsmarkt für Zinsen übersetzt wird.
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