LONDON (IT BOLTWISE) – Der VanEck Seltene Erden ETF steht unter starkem Abgabedruck: Der Kurs fällt am Donnerstag auf 11,10 Euro. Auf 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 26,37 Prozent, womit der Fonds inzwischen mehr als 40 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch aus dem Mai liegt. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage aus der verarbeitenden Industrie aus Sicht des chinesischen Markts schwach, was die Lieferanten nicht von Preisfestigkeit überzeugt. Parallel dazu rückt der 24. September in den Fokus, wenn Trump und Xi voraussichtlich zu einem Gipfel zusammenkommen.

Der VanEck Seltene Erden ETF gerät in eine Phase, in der sich Kursstress und Fundamentaldaten gegenseitig überlagern. Am Donnerstag schloss der Fonds bei 11,10 Euro und gab damit 0,48 Prozent gegenüber dem Vortag nach. Besonders spürbar ist jedoch der Blick auf die Geschwindigkeit des Abwärtslaufs: Über 30 Tage summiert sich der Verlust auf 26,37 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 21,9 wird dabei als Indikator für eine deutlich überverkaufte Marktlage beschrieben – bislang ohne Bremswirkung für Verkäufer.
Technisch betrachtet verschiebt sich damit der Fokus von kurzfristigen Trading-Signalen hin zu dem, was in der Lieferkette physisch ankommt. Laut Marktbeobachtung im chinesischen physischen Handel befindet sich die Branche in einer Stallhalte-Situation: Anbieter halten demnach an ihren Preisen fest, während die Nachfrage aus der verarbeitenden Industrie schwach bleibt. Konkrete Produktionszahlen stützen diese Einschätzung. Die Produktion von Neodym-Eisen-Bor-Magneten sank im Juli auf 32.017 Tonnen, die Auslastung fiel um drei Prozentpunkte auf 74,9 Prozent. Als Treiber werden saisonale Werksschließungen wegen Sommerhitze genannt, die die Motorenfertigung und damit die Magnetnachfrage belasten.
Auch bei den Preis- und Produktkomponenten zeigt sich ein gemischtes Bild, das für die Bewertung vieler ETF-bestimmender Werte relevant ist. Während sich die Preise für Praseodym-Neodym-Oxid zuletzt nur leicht nach oben bewegten, stagnierten Dysprosium, Terbium und weitere Schwermetalle. Das passt zu einer Marktlogik, in der einzelne Engpassstoffe nicht automatisch mitziehen, wenn die Endnachfrage nachlässt. Parallel geriet MP Materials, der größte börsennotierte reine Seltene-Erden-Produzent, unter Druck. Die Aktie fiel am Donnerstag um 4,3 Prozent; JPMorgan bestätigte zwar die Einstufung Overweight, senkte aber das Kursziel von 75 auf 60 Dollar. Die Deutsche Bank blieb mit Kaufrating und 61 Dollar zuversichtlicher. Zusätzlich lastet Berichtsangaben zufolge auf der Aktie, dass Insider in den vorangegangenen 90 Tagen rund 60 Millionen Dollar an Aktien verkauft haben, was kurzfristig Unsicherheit erzeugt.
Im Hintergrund verschiebt sich der geopolitische Rahmen ebenfalls – und zwar nicht nur als Schlagwort, sondern über konkrete Maßnahmen zur Versorgungssicherung. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete eine Anordnung, die dem Handelsministerium erlaubt, Exporte von Industrieabfällen mit verwertbaren kritischen Mineralien einzuschränken. Solche Schritte zielen typischerweise auf die Verfügbarkeit heimischer Rohstoffquellen ab, während die Industrie gleichzeitig versucht, Produktionsrisiken aus Importabhängigkeiten zu reduzieren. Daneben wurde im Rahmen des sogenannten „Project Vault“ ein strategisches Mineralien-Vorratsprogramm mit 12 Milliarden Dollar Volumen bekannt. In den Angaben werden dabei Beteiligungen genannt: 15 Prozent an MP Materials und 10 Prozent an USA Rare Earth.
Zur gleichen Zeit läuft die politische Verhandlung zwischen Washington und Peking weiter, und damit auch das Risiko kurzfristiger Marktreaktionen auf jede Interpretation von Zusagen. Finanzminister Scott Bessent traf sich demnach mit dem chinesischen Vizepremier He Lifeng, um über die Erfüllung chinesischer Verpflichtungen bei Seltenen Erden sowie Agrarprodukten zu sprechen. Aus den Berichten ergibt sich außerdem, dass China zugesagt habe, Exportkontrollen für Seltene Erden zurückzufahren. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer wird dabei mit einer Kritik zitiert, der tatsächliche Mineralienfluss reiche bislang nicht aus. Für den 24. September wird außerdem ein Gipfeltreffen zwischen Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping erwartet – ein Datum, das Anleger als potenziellen Katalysator für Erwartungen an Lieferwege und Handelspolitik einordnen.
Damit entsteht für Anleger im VanEck Seltene Erden ETF ein zweigeteiltes Bild. Kurzfristig drückt die schwache chinesische Nachfrage zusammen mit gesenkten Kurszielen für Schlüsseleinsätze wie bei MP Materials auf die Stimmung. Mittelfristig könnte jedoch genau das Gegenmodell wirken, das aus den USA und aus Projekten außerhalb Chinas auf den Plan tritt. St George Mining meldete etwa starke Bohrergebnisse vom Araxá-Projekt in Brasilien, darunter 207 Meter mit 2,60 Prozent Gesamtseltenerdoxiden direkt ab der Oberfläche. Das Unternehmen beauftragte Worley mit einer Machbarkeitsstudie und plant ein aktualisiertes Ressourcen-Update im dritten Quartal. In Australien legte Meteoric Resources zudem eine finale Machbarkeitsstudie für das Caldeira-Projekt vor, die bei aktuellen Preisen einen Kapitalwert von 847 Millionen Dollar sowie eine interne Verzinsung von 24 Prozent ausweist; bei prognostizierten Preisen steigt der Kapitalwert sogar auf 2,721 Milliarden Dollar. Der Baubeginn soll im vierten Quartal 2026 erfolgen.
Auch in den USA wird der Ausbau der Verarbeitung adressiert, was aus Branchenperspektive häufig mindestens genauso entscheidend ist wie die Förderung. REalloys erhielt demnach einen Auftrag des US-Heeres zum Aufbau einer Verarbeitungsanlage für Dysprosium und Terbium im Wert von 130 Millionen Dollar. Für den ETF bedeutet das: Wenn die Angebotsbasis außerhalb Chinas breiter wird, kann der aktuelle Ausverkauf zwar kurzfristig nicht automatisch „weggehandelt“ werden, aber die strukturelle Neubewertung der Abhängigkeitsrisiken rückt näher. Für Unternehmen in der Lieferkette heißt das konkret, dass Beschaffungs- und Produktionsplanungen zunehmend darauf achten müssen, welche Teile der Wertschöpfungskette (Rohstoff, Zwischenprodukt, Magnetmaterial, Legierungen) regional stabiler werden. Unterm Strich bleibt der 24. September als politischer Fixpunkt wahrscheinlich ein Markttreiber, während Projektfortschritte die mittel- bis langfristige Erwartungshaltung überlagern.
Hinweis: Keine Anlageberatung; keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen.
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