VERNIER / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Touring Club Schweiz hat Velo-Navigations-Apps in zwei Szenarien getestet: eine Stadtfahrt durch Bern und eine Freizeit-Tour rund um Laupen. Im Fokus standen besonders sichere Routen-Vorschläge für weniger routinierte E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrer. Dabei schnitten spezialisierte Anbieter wie Bikemap in mehreren Kriterien klar besser ab als Allzweck-Kartendienste. Apple Maps fiel auf der Stadtroute durch Abschnitte auf stark befahrenen Hauptstraßen und eine Strecke mit Schiebepflicht spürbar zurück.

Velo-Navigation im Test: Spezial-Apps routen sicherer als Allzweck-Karten
Velo-Navigation im Test: Spezial-Apps routen sicherer als Allzweck-Karten (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer mit dem E-Bike längere Strecken plant, steht bei der Routenwahl schnell vor einer konkreten Frage: Soll die App den Weg nur „irgendwie“ finden, oder priorisiert sie tatsächlich die Verkehrssicherheit? Genau an dieser Stelle setzt der Touring Club Schweiz (TCS) an und testet Navigations-Apps in einem Szenario, das bewusst nicht von einem Profi ausgeht. Im Fokus standen Routen-Vorschläge, die weniger stressige Straßenabschnitte erzeugen, statt den kürzesten oder „schnellsten“ Weg blind nach Kartenlogik zu optimieren. Der Test fand auf einer Fahrt durch die Stadt Bern sowie auf einer Freizeit-Tour rund um Laupen statt – beide Strecken dienen damit als praktische Gegenüberstellung von innerörtlichen und ländlich geprägten Anforderungen.

Technisch betrachtet ist der Unterschied zwischen „Velo-Navi“ und Allzweck-Karte weniger eine Frage der Oberfläche als der zugrunde liegenden Datenmodellierung. Der TCS klassierte die Straßenabschnitte anhand der verfügbaren Veloinfrastruktur – von Veloweg bis hin zu Hauptstraße ohne Radinfrastruktur – und vergab daraus eine Sicherheits-Wertung. Diese Bewertungslogik übersetzt Infrastruktur-Merkmale in ein Qualitätsmaß, das für Radfahrende entscheidend ist: Ein Abschnitt auf einer stark befahrenen Hauptstraße oder ein Stück, bei dem das Velo geschoben werden muss, drückt nicht nur den Komfort, sondern auch die wahrgenommene Sicherheit. Neben der Sicherheit flossen außerdem Bedienbarkeit und Kosten der Apps in die Gesamtbetrachtung ein, womit die Bewertung nicht nur die Streckenvorschläge, sondern auch die Nutzung im Alltag adressiert.

Auf der Stadtroute kamen mehrere bekannte Anbieter zum Einsatz, darunter Bikemap, OsmAnd, Komoot sowie Google und Apple. In dieser ersten Runde überzeugte Bikemap am stärksten. Der TCS nennt als ausschlaggebenden Punkt, dass die App fast durchgehend Quartierstraßen und Tempo-30-Zonen vorschlug. Genau solche Elemente sind für viele E-Bike-Fahrende ein Sicherheitsplus, weil sie typischerweise geringere Geschwindigkeiten und weniger Durchgangsverkehr bedeuten. Im Gegenlauf wirkten sich die Probleme von Apple Maps deutlich aus: Viele Abschnitte lagen auf stark befahrenen Hauptstraßen, und zudem gab es einen Teilbereich, in dem man das Velo schieben musste. OsmAnd und Komoot blieben in der Stadtrunde zwar nicht weit weg, die Differenz zeigte sich jedoch später bei der Gewichtung über beide Teststrecken.

Die zweite Testrunde für die Freizeit-Tour rund um Laupen zeigte, wie stark die Routenstrategie vom Einsatzkontext abhängen kann. Apple Maps wurde dabei nicht getestet, weil Zwischenstopps im Velo-Modus nicht möglich waren. Zusätzlich kam es während des Testversuchs zu einem Absturz der App, sodass der Vergleich dort zwangsläufig eine Lücke aufweist. Als Referenz und damit als Alternative wurde SchweizMobil herangezogen; diese Route erreichte im Test die höchste Bewertung. Komoot übernahm anschließend die SchweizMobil-Route vollständig und erreichte damit bei Sicherheit und Bedienung dieselben Werte. Der kleine Rückstand gegenüber SchweizMobil wurde laut TCS allein auf höhere Kosten zurückgeführt – ein Hinweis darauf, dass sich in der Praxis nicht nur algorithmische Routenqualität, sondern auch das Geschäftsmodell unmittelbar in der Nutzererfahrung niederschlagen kann.

Bei Google Maps fiel das Ergebnis in beiden Tests messbar zurück. Der TCS führt dies darauf zurück, dass es offenbar keine für den Veloverkehr spezialisierten Kriterien kennt und häufiger nicht den sichersten Weg wählt. Gleichzeitig ist die Gesamteinschätzung differenziert: Auch Google Maps erreichte noch das Prädikat „sehr empfehlenswert“, zumindest für den konkreten Freizeit-Use-Case im Test. Damit zeichnet sich ein wichtiges Bild ab: Die großen Allzweck-Karten schaffen oft eine solide Basis, aber sie treffen bei der feineren Sicherheitsoptimierung offenbar seltener die passenden Infrastruktur-Details. Gerade diese Details – also Tempo-30-Zonen, Quartierstraßen und velofreundliche Segmente statt Hauptstraßen ohne Radinfrastruktur – entscheiden in der Bewertung am Ende häufig über den Ausschlag.

Für die Gesamtbewertung berechnete der TCS den Mittelwert der Ergebnisse aus beiden Routen. Dabei wurden nur die vier Apps berücksichtigt, die in beiden Testrunden eingesetzt werden konnten. Bikemap lag mit 77,65 Prozent vorne. Auch wenn die Prozentwerte wie eine „Endnote“ wirken, steckt dahinter eine konkrete Mischung aus Sicherheits-Wertung und weiteren Kriterien. OsmAnd erreichte 73,2 Prozent, Komoot kam auf 70,75 Prozent. Interessant ist insbesondere der interne Unterschied bei Komoot: In der Stadtroute lag die Bewertung bei 60,8 Prozent, auf der Freizeit-Tour aber bei 80,7 Prozent. Diese Spanne spricht dafür, dass die Routenqualität nicht für jede Landschaftsform gleich gut skaliert, sondern dass die App-Logik je nach Umfeld unterschiedlich stark „trifft“.

Damit bleibt als übergeordnete Aussage vor allem die Dynamik zwischen spezialisierten und universellen Anbietern. Der TCS stellt heraus, dass spezialisierte Anbieter im Test besser abschneiden als die Allzweck-Apps großer Karten-Dienstleister – nicht zwingend, weil die universellen Dienste „schlecht“ wären, sondern weil sie weniger konsequent Sicherheitsaspekte für den Veloverkehr in den Vordergrund stellen. Für Unternehmen und Produktteams im Umfeld von Mobilitäts-Apps ist das Ergebnis besonders relevant: Wer Rad- und E-Bike-Navigation ernsthaft adressiert, braucht eine Bewertungslogik, die Infrastrukturtypen und reale Nutzerbedingungen abbildet – und nicht nur die Verkehrsmittel-Zuordnung. Genau das zeigt der Test an einer klaren Stellschraube: Eine Route, die Quartierstraßen und Tempo-30-Zonen in den Vordergrund stellt, wird im Sicherheitsmodell messbar besser bewertet als eine Mischung aus Hauptstraßenabschnitten und „push“-abschnitten.

Schließlich liefert der Test auch eine praktische Orientierung für die Auswahl im Alltag. Für Freizeit-Touren mit klaren Zwischenstopps ist das Zusammenspiel aus Routenführung und App-Stabilität entscheidend; der Wegfall von Apple Maps wegen nicht nutzbarer Zwischenstopps und eines Absturzes zeigt, dass Funktionsumfang und Zuverlässigkeit nicht nur „Nice to have“ sind. Gleichzeitig zeigt die Gesamtbewertung, dass Nutzende nicht nur nach „Route vorhanden“ entscheiden sollten, sondern nach der Sicherheitsqualität der vorgeschlagenen Abschnitte. Wer mit einem weniger routinierten Profil startet, profitiert dabei überproportional von Apps, die in städtischen Szenarien gezielt velofreundliche Segmente priorisieren.


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