BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Start des elektronischen Medikationsplans (eMP) in Deutschland wird auf Oktober 2026 verschoben. Diese Entscheidung folgt auf technische Herausforderungen und eine Pilotphase, die im Juli beginnt. Die geringe Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) und notwendige Updates der Telematikinfrastruktur zeigen, dass die digitale Gesundheitsinfrastruktur weiterhin eine Baustelle bleibt.

Die Einführung des elektronischen Medikationsplans (eMP) in Deutschland steht vor einer weiteren Verzögerung. Ursprünglich für März geplant, wird der bundesweite Rollout nun auf Oktober 2026 verschoben. Diese Entscheidung folgt auf eine Pilotphase, die im Juli in ausgewählten Modellregionen beginnt. Die gematik und die Kassenärztliche Bundesvereinigung haben diesen neuen Zeitplan bestätigt, um die technische Stabilität der Telematikinfrastruktur zu gewährleisten.
Die Verschiebung des eMP fällt in eine Zeit, in der die Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) ernüchternd gering ist. Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass nur etwa 3,6 Prozent der Versicherten die ePA aktiv nutzen. Kritiker wie Ramona Pop vom Verbraucherzentrale Bundesverband bemängeln die komplizierten Freischaltungsprozesse. Um die Attraktivität der ePA zu steigern, sind neue Funktionen wie Push-Benachrichtigungen geplant, die noch in diesem Jahr eingeführt werden sollen.
Ein weiteres technisches Hindernis stellt das kritische Firmware-Update für bestimmte Konnektoren dar, das bis zum 17. Februar abgeschlossen sein musste. Nicht aktualisierte Geräte verlieren die Verbindung zur Telematikinfrastruktur, was die Diskussion um die TI 2.0 beschleunigt. Ziel ist es, von physischen Konnektoren in den Praxen zu Rechenzentrumslösungen zu wechseln, um die Ausfallrisiken zu minimieren.
Die Reaktionen der Leistungserbringer auf die Verschiebung des eMP sind gemischt. Während die Kassenärztliche Bundesvereinigung die Entscheidung als notwendige Qualitätssicherung begrüßt, bedauern Apotheker die Verzögerung der OTC-Erfassung im eMP. Diese Funktion ist entscheidend, um Wechselwirkungen mit selbstgekauften Medikamenten zu erkennen, wird jedoch erst Ende 2026 flächendeckend verfügbar sein.
Das Jahr 2026 entwickelt sich somit zum Jahr der technischen Sanierung im Gesundheitswesen. Der Fokus liegt nicht mehr auf der schnellen Einführung neuer Anwendungen, sondern auf der Entrümpelung der bestehenden Infrastruktur und der Verbesserung der Bedienbarkeit. Für Patienten bedeutet dies, dass der volle Nutzen der ePA als Steuerungsinstrument für die Medikation erst im Herbst realisiert wird.
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