LONDON (IT BOLTWISE) – Allia Mohamed, SIPA-Alumna und Mitgründerin von Openigloo, zeigt, wie sich ein Startup aus einem konkreten Problem im New Yorker Wohnungsmarkt heraus entwickeln lässt. Ihre Kernbotschaft: Nicht erst dann netzwerken, wenn man es braucht, sondern frühzeitig über Programm- und Fakultätsgrenzen hinweg. Sie beschreibt außerdem, wie gezielte Outreach-Nachrichten über LinkedIn und der Rückgriff auf Accelerator-Formate wie Almaworks den Aufbau von Mentoren, Advisors und frühen Investoren beschleunigen. Für Studierende geht es am Ende um einen harten, praktischen Perspektivwechsel: Kontakte sind Infrastruktur, keine Nebenbeschäftigung.

Allia Mohamed hat die Entstehung ihres Startups nicht im luftleeren Raum geplant, sondern auf den Gehwegen von New York ausprobiert. Bevor Openigloo zur Plattform wurde, die nach eigenen Angaben inzwischen mehr als drei Millionen Menschen beim Prüfen von Mietobjekten unterstützt, stand sie selbst draußen vor potenziellen Wohnhäusern und wartete darauf, dass Nachbarn aus ihren Apartments kommen. Aus diesen Gesprächen entstand eine zweite, ebenso praktische Idee: Wenn Informationen fehlen oder der Zugang zum richtigen Wissen in der Stadt schwerfällt, wird man im Mietprozess schnell zum Spielball. Mohamed erzählt, wie sie als internationale Studentin ohne inländische Einkommenshistorie und ohne Eltern bzw. Co-Signer die Erfahrung machte, dass besonders Studierende und junge Menschen in einer vulnerablen Position sind.
Technisch und organisatorisch interessant ist dabei weniger die Lebenswelt als die Konsequenz: Aus einem konkreten Problem wurde ein skalierbares Produkt, das später mit Partnern im gesamten Stadtgebiet verknüpft werden konnte. Mohamed und ihr Team starteten während einer Phase, in der COVID-19 den Alltag und auch die üblichen Netzwerkeffekte ausbremste. Laut ihrer Darstellung nutzte sie zusammen mit zwei SIPA-Klassmates die „Reset“-Zeit, um Vollgas zu geben; innerhalb weniger Monate erreichten sie 100.000 Nutzer, obwohl die Schlagzeilen weiterhin davon handelten, dass viele Menschen New York verlassen wollten. Heute, fünf Jahre nach diesem Wendepunkt, arbeitet das Unternehmen mit Vermietern über alle fünf Boroughs hinweg, und es gibt einen Recruiting- und Hiring-„Pipeline“-Ansatz, der teilweise aus dem Startup-Ökosystem der Universität heraus gespeist wird.
Für Studierende ist der wichtigste Teil der Geschichte jedoch der Aufbau des Teams und damit die Frage, wie man aus einer persönlichen Ideenskizze überhaupt ein verlässliches Unternehmen formt. Mohamed sagt explizit, dass sie Openigloo nicht allein gebaut hat und warum: Sie selbst hatte eine klare Ausrichtung, während die beiden Mitgründer komplementäre Stärken mitbrachten. Einer kam als Engineer aus dem Umfeld und der andere brachte laut ihrem Rückblick Erfahrung aus PR, Consulting und Operations mit. Genau an dieser Stelle setzt ihre erste, eher unbequeme Lehrmeinung an: Der „Programmbubble“-Effekt ist real. Wer auf dem Campus zu sehr in denselben Kurs- und Gesprächskreisläufen bleibt, merkt erst später, dass das eigene Netzwerk zwar akademisch dicht, aber fachlich zu eng ist.
„Du musst aus deiner Bubble ausbrechen, bevor du es brauchst“, bringt Mohamed ihre Empfehlung auf den Punkt. Konkret beschreibt sie das Szenario, das viele Studierende irgendwann wiedererkennen: Man ist gut im Lernen und in der Notenlogik, doch sobald man jemanden einstellen will, der ein sehr spezifisches Domänenwissen mitbringt, stellt sich heraus, dass man „von der anderen Seite“ kaum Kontakte hat. Ihre zweite Ebene der Netzwerkarbeit ist deshalb weniger ein Lifestyle-Anspruch als ein Prozess. Für den Alumni- und Karrierezugriff empfiehlt sie, auf LinkedIn gezielt nach Personen zu suchen, die dasselbe studiert haben wie man selbst, und dann nicht mit breiten Floskeln zu starten, sondern mit einer konkreten, sorgfältig formulierten Nachricht, die den gleichen Pfadentwurf sichtbar macht. Als sie sich selbst orientierte, schrieb sie ihrerseits Nachrichten an Leute, die später etwa beim IMF, bei der UN oder bei globalen Geldmanager-Strukturen gelandet sind; für die Zeit im Studium diente das als eine Art Landkarte für alternative Karrierewege.
Dass solche Kontakte nicht nur „nice to have“ sind, zeigt Mohamed am Beispiel, wie sie Openigloo später aufgebaut und abgesichert hat. Sie nennt Almaworks als undergraduate-led Accelerator-Format für Columbia-affilierte Startups, das Mentoren und Advisors zusammenbringt und in ihrem Fall auch zu frühen Investoren führte. Dazu kam der direkte Draht in die Fakultät: Sie reconnected nach der Studienphase mit SIPA-Professoren, mehrere von ihnen wurden laut ihrer Darstellung zu Advisors und beteiligten sich an frühen Finanzierungsrunden. Auch auf den Nachwuchsebenen macht sie den Nutzen fest: Almaworks verfügt über ein Internship-Programm, bei dem Studierende sich bewerben und mit Columbia-nahen Startups gematcht werden; in den vergangenen fünf Jahren habe Openigloo mehrere Praktikantinnen und Praktikanten aus unterschiedlichen Programmen eingestellt, darunter Computer Science, Engineering und auch SIPA, und einige seien sogar in Vollzeit nachgerückt. In Summe wirkt das wie ein wiederholbarer Mechanismus: Netzwerk erzeugt nicht nur Gespräche, sondern liefert eine Pipeline für Talent, Mentoring und Wissenstransfer.
Abseits von Startup-Strategie bleibt Mohamed bei sehr greifbaren Ratschlägen für den Start in die Uni-Realität. Beim Einstieg in SIPA sei das erste Jahr, ihrer Beschreibung nach, stärker vom Kurspensum dominiert gewesen als von aktiver Vernetzung. Im zweiten Jahr habe sie dann „Ja“ gesagt zu fast allem, was organisatorisch und sozial Zeit frisst: studentische Trips, Informationsgespräche und Events über die Stadt verteilt, die andere Studierende aktiv vorbereitet hatten. Gleichzeitig nennt sie als Bedauern, dass sie den Campus zu spät selbst erkundet habe und am Ende des Studiums erst merkte, wie viel Columbia außerhalb der typischen Routen zwischen Butler Library und den Untergeschossen der Schule noch zu sehen gibt. Bei der Orientierung fürs Leben in New York setzt sie zusätzlich auf konkrete Ideen: Für neue Ankömmlinge nennt sie Roosevelt Island als unterschätzten Shortcut, inklusive „wow“-Moment beim Rundweg mit dem Citi Bike, Eis und einem Bier sowie der Tram. Und wenn es ums Miet-Setup geht, wechselt sie wieder in die Realität des Marktes: Ein einjähriger Mietvertrag sei in New York keine spontane Entscheidung, weil Menschen laut ihrer Aussage „tens of thousands“ pro Jahr ausgeben.
Ihre letzte Metrik ist weniger romantisch als kaufmännisch: Nicht nur auf den Trendstadtteil optimieren, nicht jedes Jahr umziehen, und vor allem recherchieren. Mohamed rät dazu, unterschiedliche Nachbarschaften offen zu prüfen und Priorität auf eine rent-stabilisierte Wohnung zu legen, nicht auf den Komfort im Apartment wie In-Unit-Washer-and-Dryer-Features. Dass sie dabei Openigloo als weiteres Informationsnetz mitführt, passt zur Grundidee ihres Unternehmens: Auch wenn es im Alltag um Wohnungen geht, ist das eigentliche Produkt das Entmystifizieren von Marktinformationen. Für Studierende ist das deshalb auch eine Einladung, das eigene „Mentoring- und Netzwerkbudget“ früh auszugeben: Es entscheidet nicht nur über den nächsten Praktikumsplatz, sondern darüber, wie schnell man später überhaupt die richtigen Ansprechpartner für das eigene Fach, das eigene Team und das eigene Tempo findet.
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