MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die wirtschaftlichen Herausforderungen setzen Wacker Chemie stark unter Druck. Der Konzern verzeichnete 2025 erhebliche Verluste und plant umfangreiche Sparmaßnahmen, um die finanzielle Stabilität wiederherzustellen. Ein wesentlicher Teil der Einsparungen soll durch den Abbau von über 1.500 Stellen erreicht werden, wobei der Fokus auf den deutschen Standorten liegt.

Die wirtschaftlichen Herausforderungen haben Wacker Chemie im Jahr 2025 stark belastet. Der Konzern musste einen erheblichen Rückgang bei Umsatz und operativem Gewinn hinnehmen. Abschreibungen und Aufwendungen im Zusammenhang mit einem umfassenden Kostensenkungsprogramm führten zu einem Nettoverlust im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Vorstandschef Christian Hartel betonte, dass die chemische Industrie in Deutschland und Europa massiv unter Druck geraten sei.
Um die finanzielle Stabilität wiederherzustellen, plant Wacker Chemie, jährlich mehr als 300 Millionen Euro einzusparen. Diese Maßnahmen sollen bis Ende 2027 umgesetzt werden. Ein wesentlicher Teil der Einsparungen soll durch den Abbau von weltweit über 1.500 Stellen erreicht werden, wobei der Schwerpunkt auf den deutschen Standorten liegt. Der Konzern beschäftigte Ende des ersten Halbjahres 2025 rund 16.700 Mitarbeiter weltweit.
Die Einsparungen betreffen auch die strategische Neuausrichtung des Unternehmens. Wacker Chemie plant, sich stärker auf margenträchtige Spezialitäten zu konzentrieren, insbesondere im Polysilizium-Geschäft für den Halbleitermarkt und in der Life-Science-Sparte auf innovative Biotech-Anwendungen. Vorstandschef Hartel fordert zudem international wettbewerbsfähige Energiepreise und einen konsequenten Bürokratieabbau, um den Industriestandort Deutschland zu stärken.
Die schwache Bauwirtschaft belastet insbesondere die Polymer- und Silikon-Sparte des Unternehmens. Beide Bereiche verzeichneten zum Jahresende 2025 eine schwache Auftragslage. Trotz dieser Herausforderungen konnte Wacker Chemie durch den Abbau von Lagerbeständen in der Silikon-Sparte den Cashflow nahezu ausgleichen. Der Netto-Cashflow betrug im vergangenen Jahr minus 5 Millionen Euro, nachdem 2024 noch ein Minus von 326 Millionen Euro verzeichnet worden war.
Das Geschäft mit Polysilizium zeigte unterschiedliche Trends. Während die Nachfrage nach hochreinem Polysilizium für Computer-Chips stark blieb, belasteten regulatorische Unsicherheiten in den USA das Geschäft mit Polysilizium für Solarpaneele. Eine Untersuchung der US-Regierung zu den Auswirkungen von Materialimporten auf die nationale Sicherheit sorgte für Unsicherheit in der Branche. Dies beeinträchtigte die Auslastung der Produktionsanlagen und den operativen Gewinn von Wacker Chemie.
Insgesamt sank das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 2025 bei einem Umsatzrückgang um 4 Prozent auf 5,49 Milliarden Euro um 42 Prozent auf 430 Millionen Euro. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem ähnlichen Umsatz gerechnet, jedoch ein besseres operatives Ergebnis erwartet. Trotz der Herausforderungen reagierten Anleger an der Börse positiv auf die angekündigten Sparmaßnahmen, was zu einem Anstieg des Aktienkurses um fast zwei Prozent führte.
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