LONDON (IT BOLTWISE) – Der Warehub-Gründer James Holbrook beschreibt, warum Logistiknutzer nach der Pandemie weg von starren Mietlaufzeiten wollen. Laut CBRE ist das Leasing über Drittanbieter (3PL) für Logistikdienstleistungen im Mid-Year Industrial Outlook 2026 um 19 Prozent gestiegen. Gleichzeitig machen Transportkosten mit 45 bis 70 Prozent den größten Anteil an den Logistikkosten aus, wodurch zusätzliche, kurzfristig zugängliche Lagerflächen wirtschaftlich werden können. Die Plattform standardisiert Mietverträge für Industrieflächen bis zu einem Jahr und richtet sich damit gezielt an saisonale und regionale Schwankungen.

Im US-Industriesektor hat sich während der Pandemie ein klares Verhaltensmuster verfestigt: Viele Mieter suchten so viel Lagerfläche wie möglich, um die eigene Versorgung möglichst lange abzusichern. Dieses Sicherheitsdenken ist zwar abgeflaut, doch die Rückkehr in den alten Rhythmus fällt vielen Unternehmen offenbar schwer. Warehub setzt genau dort an und macht aus der bisherigen Ausnahme eine planbare Option: kurzfristige Anmietungen von Industrieflächen mit Laufzeiten bis zu einem Jahr, damit Distributionskapazität schneller dorthin wandert, wo sie gerade gebraucht wird.
Die Marktdaten liefern dafür einen realistischen Unterbau. Im Mid-Year Industrial Outlook 2026 von CBRE wird berichtet, dass das Leasing von Drittanbietern für Logistikdienstleistungen (3PL) im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent zulegte. Für 2026 wird außerdem erwartet, dass 3PLs mehr als 35 Prozent des US-Industrieleasings ausmachen könnten. Auch eine separate Mieterbefragung kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Mietflexibilität landet bei der Gebäudeauswahl weit oben. Das bedeutet praktisch, dass nicht nur die reine Quadratmeterzahl zählt, sondern auch, wie gut sich Standort und Zeitachse an nachgelagerte Anforderungen anpassen lassen.
Technisch betrachtet liegt der Hebel weniger in der Immobilie selbst als in der Logistikkette, in die sie eingebettet ist. CBRE beziffert Transportkosten typischerweise auf 45 bis 70 Prozent der gesamten Logistikkosten, während feste Einrichtungskosten wie etwa Miete lediglich 3 bis 6 Prozent ausmachen. Diese Relation verschiebt den wirtschaftlichen Fokus: Wenn ein Unternehmen durch ein zusätzlich angemietetes Lager die Frachtwege verkürzt und die Lieferzeiten verbessert, kann sich eine temporäre Kapazität auch dann rechnen, wenn sie nicht dauerhaft genutzt wird. On-Demand-Warehousing bleibt zwar insgesamt ein kleiner Teil des Marktes, doch eine Marktstudie von Mordor Intelligence schätzt, dass Lagervereinbarungen von weniger als einem Monat im Jahr 2025 bereits mehr als die Hälfte des On-Demand-Sektors abdecken.
Warehub greift dieses Spannungsfeld aus starrer Infrastruktur und dynamischem Warenfluss mit einem standardisierten Mietansatz auf. Der Gründer James Holbrook beschreibt, dass die Plattform während der Forschungs- und Entwicklungsphase aus über 2.500 Transaktionen entstanden sei. Nach Unternehmensangaben hat Warehub landesweit mehr als 52 Millionen Quadratfuß Industriefläche in sein System integriert. Im Kern geht es darum, Eigentümer dabei zu unterstützen, Flächen zwischen Langzeitmietern monetarisieren zu können, während Mieter temporäre Distributionskapazitäten erhalten, ohne sofort in eine langfristige Verpflichtung zu geraten.
Die Idee dahinter lässt sich an typischen Logistikszenarien erklären: Saisonale Spitzen, kurzfristige Nachfragesprünge oder regionale Engpässe. Anstatt Bestände komplett über dieselben festen Standorte zu schleusen, kann ein Mieter den Bestand vorübergehend näher an die Kundschaft verlagern. Das stabilisiert oft die Transportkosten und verbessert parallel die Nachschubfähigkeit. Genau deshalb ist nicht nur die Dauer einer Anmietung relevant, sondern auch die geografische Position. Holbrook verweist zudem auf mehrere Treiber, darunter die Beschleunigung des E-Commerce sowie Instabilitäten bei Zöllen und saisonale Schwankungen, die Planungshorizonte verkürzen und kurzfristige Anpassungen wahrscheinlicher machen.
Für die Plattformseite entsteht daraus eine Marktlogik, die mehr ist als ein Marktplatz für Quadratmeter. Warehub beschreibt ein strukturiertes Mietumfeld, in dem die Anforderungen der Mieter die Angebotsseite speisen. Eigentümer sehen dadurch, wo aktive Nachfrage existiert, und können Flächen bereitstellen, sobald der Zeitpunkt passt, ohne die eigene langfristige Vermietungsstrategie zu beschädigen. Damit werden die Anreize beider Seiten stärker aufeinander ausgerichtet: Mieter erhalten kurzfristige Optionen, Eigentümer reduzieren ungenutzte Zeitfenster, und gleichzeitig entsteht eine Datenbasis, die Nachfragehäufungen sichtbar macht.
Nach Angaben zur bisherigen Inanspruchnahme verteilt sich diese Nachfrage nicht gleichmäßig, sondern konzentriert sich vor allem auf den Nordosten und Südosten der USA, ergänzt durch Regionen in Texas und Kalifornien. Häufig steckt dahinter der Bedarf an zusätzlicher regionaler Kapazität: In der Nähe der bestehenden Distributionsknoten fehlt in Spitzenphasen schlicht der Platz. Temporäre Flächen bieten dann eine Möglichkeit, den Engpass zu entschärfen, ohne das Netzwerk dauerhaft erweitern zu müssen. Für Unternehmen kann das in der Praxis bedeuten, dass sie ihre Logistikplanung stärker als Zusammenspiel aus festen Kernen und flexibel skalierbaren Zusatzstandorten organisieren. Für den Markt heißt das wiederum: Flexibilität wird nicht nur ein Serviceversprechen, sondern ein Entscheidungskriterium, das die Wertschöpfung rund um Industrieimmobilien messbar beeinflussen dürfte.
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