LONDON (IT BOLTWISE) – Saudi-Arabien verfügt über modernste Waffen und tiefe Finanzreserven, bleibt im Jemenkrieg aber seit über einem Jahrzehnt gegen die Huthi-Organisation erfolglos. Laut dem Bericht gelingt es den Huthi vor allem deshalb, sich mit Gelände, internen Strukturen und iranischer Unterstützung strategisch zu behaupten. Zusätzlich bremst die Abhängigkeit von Bodennetzen aus Stellvertretern und die begrenzte eigene Erfahrung im großangelegten Kampfbetrieb. Die Lage verschärft sich mit Angriffen auf Riyadh und einer Blockade, die den Öl-Exportfluss stört.

Warum Saudi-Arabien im Jemenkrieg gegen die Huthi scheitert
Warum Saudi-Arabien im Jemenkrieg gegen die Huthi scheitert (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diskrepanz zwischen Arsenal und Wirkung wird im Jemenkrieg besonders sichtbar. Saudi-Arabien hat nach der Darstellung über mehr als ein Jahrzehnt hinweg keine durchschlagende militärische Lösung gegen die Huthi erreicht, obwohl das Königreich über „deep pockets“ und cutting-edge weapons verfügt. Der Bericht verweist dabei auf eine Eskalationslinie, die nicht bei der Küste endet: Die Huthi sollen mittlerweile Riyadh mit einem Raketenangriff getroffen haben, sie kontrollieren inzwischen weite Teile der Red-Sea-Küste und behindern offenbar den Export saudi-arabischen Öls durch eine Blockade.

Technisch und organisatorisch spielt dabei nicht nur die Reichweite von Waffen eine Rolle, sondern auch die Fähigkeit, komplexe Operationen im eigenen Verantwortungsbereich zu führen. Laut den im Text genannten Einschätzungen mangelt es Saudi-Arabien an eigener Erfahrung in der „Overseeing“-Ebene großer Gefechtsabläufe, weil das Militär historisch stark durch ausländisches Personal, Auftragnehmer und Trainer ergänzt wurde. Diese Lücke wirkt in Situationen mit hoher Reaktionsgeschwindigkeit besonders schwer, wenn Verteidigung nicht nur „reagieren“, sondern ein geschlossenes System aus Aufklärung, Zielzuweisung, Luftverteidigung und Bodenkoordination tragen muss.

Ein weiterer Faktor liegt in der Struktur des Konflikts selbst. Anfangs, so die Darstellung, traten die Huthi mit vergleichsweise leichter Bewaffnung auf; dennoch ermöglichten ihnen raues Terrain und tribale Bindungen robuste Abwehr- und Rückzugsmechanismen. Über die Jahre soll sich daraus ein erhebliches Fähigkeitsprofil entwickelt haben: Mit iranischer Unterstützung hätten sie ein fortgeschrittenes Arsenal aus Raketen und Drohnen aufgebaut und sich zudem als einheitliche Kraft behauptet – im Gegensatz zur Zersplitterung auf Regierungsseite. Genau diese Kombination aus technisch verbesserten Schlagmitteln und einem im Kern zentral gesteuerten Verbund wird im Text als entscheidender Grund für die anhaltende Widerstandsfähigkeit genannt.

Der Bericht knüpft daran eine beobachtete Wirkungskette, die auch für die Red-Sea-Region bereits messbar war. Seit 2023 sollen die Huthi den Schiffsverkehr in der Region behindert haben, indem sie gegen Schiffe vorgingen, die nach dem Gaza-Konflikt als mit Israel verknüpft betrachtet wurden. Als strategisches Muster wird im Text zudem der Rückgriff auf eine ähnliche Vorgehensweise beschrieben, wie sie später auch von Iran eingesetzt worden sein soll, um die Passage durch die Straße von Hormuz effektiv zu beeinflussen. Wiederholte Angriffe aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Israel in den Jahren 2024 und 2025 hätten zwar offenbar Teile der Huthi-Militärinfrastruktur beschädigt, aber nicht ausgereicht, um die Raketen- und Drohnenfähigkeiten insgesamt zu neutralisieren.

Welche Rolle internationale Beschaffung und Bündnispolitik dabei spielen, zeigt ein konkretes Beispiel: Laut dem Text hat die US-Regierung zuletzt die Lieferung von 48 F-35-Stealth-Kampfflugzeugen an Saudi-Arabien im Volumen von 24,3 Milliarden US-Dollar genehmigt. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein klassischer Hebel zur Modernisierung. Gleichzeitig beschreibt der Text die strategische Logik hinter den Waffenbeschaffungen als prägend für die Verteidigungs- und Diplomatiepolitik des Königreichs – und genau hier entsteht das Spannungsfeld: Moderne Plattformen ersetzen nicht automatisch die Fähigkeit, am Boden unter realen Gefechtsbedingungen konsistent zu integrieren. Bernard Haykel, ein Saudi-Experte an der Princeton University, bringt diese Diskrepanz in einer Online-Diskussion nach den Angaben im Text auf den Punkt: „The Saudis have to build a military that’s willing to fight and a population that’s willing to die to preserve what they have“, sagte er. „And that’s not what they have right now.“

Auch innenpolitisch wird im Bericht eine bewusst gesteuerte Schwäche des Militärs diskutiert. Im Jahr 2015 habe der Middle East scholar Ray Takeyh in einer Anhörung im US-Kongress argumentiert: „Saudi Arabia is the one place where the monarchy has not [been] displaced by [the] military, because they have kept the military weak“. Damit deutet der Text an, dass die Frage der Wirksamkeit nicht losgelöst von Machtarchitektur betrachtet werden kann: Wenn militärische Strukturen kleiner und fragmentierter gehalten werden, kann das zwar als Stabilitätsmechanismus gegen Putschrisiken dienen, aber im Ausmaß eines langwierigen Stellvertreter- und Drohnenkrieges die Handlungsfähigkeit begrenzen.

Der zweite große Strang betrifft die Lage des jemenitischen Regierungslagers und die interne Geometrie der Verbündeten. Saudi-Arabien sei 2015 gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten in den Krieg eingestiegen, um eine Regierung zu stützen, die zuvor aus Sanaa verdrängt worden sein soll. Doch laut der Darstellung sei die Kooperation zwischen Saudi-Arabien und den Emiraten zeitweise zerbrochen: UAE-nahe Kräfte hätten im Dezember zeitweise die staatlichen Bereiche in Aden übernommen, was in Riyadh laut Text auf „Riyadh’s fury“ gestoßen sei; anschließend seien UAE-Kräfte und Ausrüstung, darunter Hubschrauber-Gefechtsplattformen, von Gebieten nahe der Red-Sea-Küste abgezogen worden. Die Folge sei eine Lücke gewesen, die die Saudis nicht schnell genug schließen konnten. Michael Knights habe dazu sinngemäß erläutert, dass „A heavy hit and a weak coordination relationship with the Yemenis is what created this collapse“. Hinzu kommt: Eine 2022 vereinbarte Waffenruhe soll im Juli 2023 zerfallen sein, als die Huthi laut Bericht einen iranischen Flieger direkt nach Sanaa willkommen hießen. Auf der operativen Ebene berichten Kräfte der jemenitischen Regierung zudem über Probleme bei Waffen- und Munitionsnachschub sowie verzögerte Gehaltszahlungen; selbst wenn Verstärkung eintrifft, bleibe sie offenbar nicht ausreichend.

Damit verdichtet sich das Kernproblem zu einem Wechselspiel: Saudi-Arabien kann Waffen beschaffen und Luftwaffenfähigkeiten ausbauen, aber die dauerhafte Wirksamkeit hängt im Jemenkrieg offenbar stark von Integration, Führung und belastbarer Koordination ab. Thomas Juneau, Experte für Iran und Jemen an der University of Ottawa, wird im Text mit einer Aussage zur Einheitlichkeit der Huthi zitiert: „The Houthis have been able to build a united front“, sagte er. „They have a very centralised government that exercises a strong command and control over what initially were the disparate forces that they put together.“ Für die weitere Entwicklung bedeutet das vor allem, dass technische Schadenswirkungen durch Angriffe zwar Zeitfenster öffnen können, die strukturellen Vorteile einer zentral koordinierten Gegenseite jedoch schwerer zu beseitigen sind – gerade dann, wenn Regierungsarmeen auf Unterstützung, Logistik und politische Linien angewiesen sind, die nicht stabil genug zusammenlaufen.


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