LONDON (IT BOLTWISE) – Prognosen von JPMorgan und Standard Chartered für XRP-Spot-ETFs lagen teils bei bis zu 8 Milliarden US-Dollar im ersten Jahr. Nach über acht Monaten Handel fließen jedoch kumuliert nur rund 1,5 Milliarden US-Dollar in die Fonds. Besonders deutlich wird der Einbruch, nachdem sich regulatorische Hoffnungen rund um den CLARITY Act im Zeitverlauf wieder verflüchtigt haben. Für viele institutionelle Investoren bleibt damit der Zugang über große Allokationen weiterhin an eine rechtliche Einordnung geknüpft.

Warum XRP-Spot-ETFs die erwarteten Milliarden-Inflows verfehlen
Warum XRP-Spot-ETFs die erwarteten Milliarden-Inflows verfehlen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die anfängliche Erwartung war klar: XRP-Spot-ETFs sollten nach frühen Einschätzungen großer Häuser in der ersten Handelsphase ein Volumen erreichen, das eher an Bitcoin- als an Altcoin-Logiken anknüpft. JPMorgan hatte im Januar 2025 in einer Research-Note für die ersten sechs bis zwölf Monate Inflows von 4 bis 8 Milliarden US-Dollar angesetzt und dabei eine einfache Methodik genutzt: Wie stark hatten die bereits laufenden Bitcoin- bzw. Ethereum-ETFs in ihrem ersten Jahr jeweils Anteile am Marktwert aufgenommen? Aus den genannten Größen – etwa 6% bei Bitcoin rund 108 Milliarden US-Dollar und etwa 3% bei Ethereum – leitete die Bank ähnliche Take-up-Raten für die kleinere XRP-Marktkapitalisierung ab. Ein Monat später konkretisierte JPMorgan die Spanne auf 4,3 bis 8,4 Milliarden US-Dollar und verknüpfte die Annahmen explizit mit der Erwartung, dass die regulatorische Unsicherheit bei Altcoins bis zum Startfenster abnimmt.

Auch Standard Chartered steuerte im April 2025 in dasselbe Zahlenbild ein: Geoffrey Kendrick, Leiter Digital-Assets-Research, nahm für die ersten zwölf Monate ebenfalls Inflows von 4 bis 8 Milliarden US-Dollar an. Von dieser Zielgröße leitete er sogar eine Preis-Roadmap ab, die XRP bis Ende 2025 auf 5,50 US-Dollar, in 2026 auf 8 US-Dollar und bis 2028 auf 12,50 US-Dollar führen sollte – inklusive der Aussage, dass XRP entlang des Weges die Marktkapitalisierung von Ethereum überholen könne. Der zentrale Denkfehler lag allerdings nicht im Rechenweg selbst, sondern in der Annahme über die Käuferstruktur: Diejenigen, die bei Bitcoin-ETFs das Volumen schnell füllten, waren laut Darstellung vor allem Wealth Manager und Institutionen, die genau jenes digitale Asset kauften, das in ihren Compliance-Abteilungen bereits als verständlicher eingeordnet galt. Für XRP gab es dagegen weniger Evidenz, dass dieselben Käufergruppen unmittelbar auch eine zweite, kleinere und rechtlich nicht vollständig geklärte Position nachlegen würden.

Die Realität an den Börsentagen sieht deutlich anders aus. Seit dem Start Mitte November werden die XRP-Spot-ETFs nach mehr als acht Monaten Handel mit kumulierten Zuflüssen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar beziffert. In den Frühphasen waren die Inflows zwar noch hoch: Laut den im Text genannten SoSoValue-Daten kamen im ersten Monat 666,61 Millionen US-Dollar und im Dezember weitere 499,91 Millionen US-Dollar zusammen. Rechnet man das auf ein Jahr hoch, läge man nahe am oberen Prognosekorridor. Danach kippt jedoch das Muster: Im Januar werden nur 15,59 Millionen US-Dollar genannt, im Februar 58,09 Millionen US-Dollar. Im März folgten sogar Netto-Abflüsse von 31,16 Millionen US-Dollar – der einzige rote Monat in der Historie der Fonds – bevor im April wieder 81,59 Millionen US-Dollar zurückkamen.

Technisch und marktseitig ist dieser Verlauf eng mit dem Timing regulatorischer Erwartungen verknüpft. In der Darstellung steigen die Zuflüsse im Mai, als der CLARITY Act – ein Gesetzesvorhaben, das XRP dauerhaft als Commodity unter US-Bundesrecht einordnen würde – die größten Chancen auf eine Verabschiedung hatte. Für diesen Monat werden 131,94 Millionen US-Dollar genannt, der stärkste Zuflussmonat des Jahres; zugleich wird die Korrelation über eine Branchenverknüpfung mit dem Gesetzesfortschritt hergestellt. Als der Gesetzentwurf dann ins Stocken geriet, verlangsamte sich auch die Dynamik: Im Juni werden 59,46 Millionen US-Dollar und im Juli 27,29 Millionen US-Dollar genannt, zudem gab es an 11 von 22 Handelstagen im Juli laut Text „zero flows“. Für Investoren bedeutet das nicht nur weniger frisches Kapital, sondern auch eine neue Wertrealität: Der XRP-Kurs liegt inzwischen etwa bei der Hälfte des Niveaus zum Launch. Dadurch ist der Fondsbestand von eingezahlten 1,51 Milliarden US-Dollar auf 988,78 Millionen US-Dollar gefallen; rund ein Drittel der Investitionssumme sei demnach „auf Papier“ verloren. Ein solcher Rückgang wirkt typischerweise wie ein Bremsklotz für weitere Mittelzuflüsse, weil das Verkaufsargument für neue Käufer – „gleich einsteigen und anschließend nur auf Kurs“ – an Glaubwürdigkeit verliert.

Die Frage, warum „das große Geld“ nicht automatisch kam, lässt sich in der Quelle in zwei große Blöcke teilen. Erstens nennt der Text ein makro- und marktgetriebenes Gegenargument: Der Launch erfolgte fünf Wochen nach dem Zyklus-Hoch von Bitcoin und damit in einem Umfeld, in dem das erste Post-Halving-Jahr offenbar in der Konsolidierung verlief; das habe breite Altcoin-Fonds belastet. Als Vergleich werden Solana-ETFs herangezogen, die mit etwa 1,15 Milliarden US-Dollar Volumen zwar ebenfalls weit hinter manchen Erwartungen zurückgeblieben seien, aber als Anteil am zuvor genannten JPMorgan-Korridor fast spiegelbildlich zum Verlauf von XRP auftreten. Zweitens bleibt die rechtliche Klarheit der zweite Hebel: Die im Text genannten Daten verweisen darauf, dass nur ein kleiner Teil der XRP-ETF-Vermögenswerte am Jahresende 2024 institutionell zugeordnet war; zudem sei der größte ausgewiesene institutionelle Halter laut Darstellung im ersten Quartal vollständig aus der Position ausgestiegen. Selbst als Institutionen „nur für einen Monat“ wieder aktiv wurden, nämlich im Mai rund um den CLARITY Act, sei die Wachstumsdynamik danach erneut eingeschlafen, sobald der Senat das Gesetzesvorhaben beiseitelegte.

Dazu kommt ein struktureller Produktunterschied, der sich für institutionelle Allokationen in der Praxis oft stärker auswirkt als reine Preisfantasie. In der Darstellung wurden in diesem Jahr die Mittel in Altcoin-ETFs, die bei Solana gekauft wurden, stärker in ein einziges Produkt gebündelt: ein Solana-Staking-Fonds, der rund 760 Millionen US-Dollar hält, die Token stakt und auf Ausschüttungen oberhalb von 7% pro Jahr abzielt – zumindest im Zielbild. XRP Ledger biete dagegen kein Staking; folglich kann kein XRP-Fonds eine ähnliche Renditekomponente liefern, während die gehaltenen Vermögensanteile bei XRP im Vergleich geringer ausfallen. Für professionelle Portfolios ist das relevant, weil viele Mandate nicht nur Kapitalzuwachs, sondern auch Ertragsprofile, Liquiditäts- und Risikoparameter in einer Gesamtlogik abbilden.

Ob die von JPMorgan und Standard Chartered genannte Größenordnung von 4 bis 8 Milliarden US-Dollar jemals vollständig erreicht wird, hängt damit nicht allein an der nächsten Kursbewegung. Der Text argumentiert, dass selbst für das „4-Milliarden“-Szenario in den verbleibenden Monaten eine sehr hohe Outperformance gegenüber dem bereits besten Monat (November) nötig wäre. Standard Chartered habe zudem die XRP-Preisannahme für 2026 deutlich nach unten angepasst – von 8 auf 2,80 US-Dollar – nachdem die Inflows ausgetrocknet seien; JPMorgan habe der Quelle zufolge keine erneuerte Schätzung veröffentlicht. Gleichzeitig hält Ripple dem Bericht zufolge dagegen, dass das 8-Milliarden-Szenario noch nicht durch einen kompletten Bull-Cycle „geprüft“ worden sei und dass Allokationen in Abwärtsphasen typischerweise später hochskaliert werden, wenn sich Markt- und Rahmenbedingungen drehen. Der entscheidende Punkt für institutionelle Käufer bleibt aber laut Darstellung der CLARITY Act selbst: Erst die rechtliche Einstufung würde laut Text die Tür für größere Investoren wie Pensionskassen, Versicherer und Asset Manager auf Bankseite weiter öffnen. Damit wird aus einer reinen ETF-Story eine Frage der Kapitalzugänge – und genau dort entscheidet sich, ob XRP-Spot-ETFs langfristig in die gleichen Allokationsrhythmen vorstoßen können, die Bitcoin-ETFs bereits erreicht haben.


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