LONDON (IT BOLTWISE) – Wells Fargo-Strategie Ohsung Kwon sieht Gold weiterhin als sinnvolle Beimischung für Portfolios. Ausschlaggebend sind laut Analyse fünf Faktoren, die gleichzeitig auf den Goldpreis wirken sollen. Dazu zählen unter anderem Zentralbank-Goldkäufe, strukturelle Inflation und steigende Staatsverschuldung. Gleichzeitig nennt die Einordnung Risiken wie eine nachhaltige Dollar-Stärke und eine Normalisierung der Realzinsen.

Wells Fargo steht in dieser Phase erneut im Fokus der Rohstoffmärkte, weil Chefaktienstratege Ohsung Kwon Gold nicht als kurzfristige Wette, sondern als planbare Portfoliokomponente einordnet. Seine Argumentation zielt dabei weniger auf einen einzelnen Auslöser, sondern auf ein Bündel makroökonomischer Kräfte, das nach seiner Lesart länger trägt. Konkret verweist Kwon darauf, dass für 2026 keine Leitzinserhöhung der US-Notenbank erwartet werde. In Kombination mit seiner seit April 2026 verfolgten Debasement-These ordnet er Gold als Absicherung gegen Geldentwertung ein.
Der historische Unterbau der These greift auf ein Zyklenmodell zurück, in dem Goldbewegungen mit Phasen relativer Geldmengen-Dynamik korreliert werden. Kwon hatte bereits im April 2026 erklärt, dass sich die Welt im vierten Entwertungszyklus seit 2022 befinde. Für seine Einschätzung nutzt er das Verhältnis der US-Geldmenge M2 zum Goldpreis als Einordnung, weil frühere Phasen seiner Darstellung nach unter anderem mit der Weltwirtschaftskrise, dem Nixon-Schock inklusive Stagflation sowie der Zeit nach dem 11. September und schließlich der Finanzkrise zusammenfielen. Diese Zyklen hätten im Schnitt rund 8,5 Jahre gedauert.
Aus dem Modell leitet Kwon auch eine Bewertungsrichtung ab: Nach einem Rückschlag nähere sich Gold wieder dem fairen Wert, den das Wells-Fargo-Modell errechnet, und dieser liegt bei 4.500 US-Dollar je Feinunze. Für die praktische Lesart sind in der Argumentation außerdem drei von seinem Team beobachtete Treiber enthalten, die allesamt auf eine fortgesetzte Geldentwertung hindeuten sollen. Parallel dazu wird im Umfeld der Analyse ein Vergleich zur Stagflationsphase der 1970er-Jahre gezogen: Von Beginn des Jahrzehnts bis zum Hochstand 1980 habe Gold um mehr als 2.000 Prozent zugelegt. Gerade dieses Muster dient als Referenz, um die Plausibilität eines Inflations- und Entwertungsnarrativs zu untermauern.
Technisch betrachtet liegt der Kern der aktuellen Einordnung in einem Fünf-Faktoren-Modell, das die Wirkung verschiedener Variablen gleichzeitig berücksichtigt. Neben der Staatsverschuldung und einer strukturellen Inflation werden auch eine geopolitische Fragmentierung, Zentralbank-Goldkäufe sowie sinkende Opportunitätskosten genannt. Ungewöhnlich sei dabei, dass laut Analyse mehrere dieser Treiber nicht nacheinander, sondern parallel wirken würden. Dazu passt, dass Zentralbanken nach dieser Darstellung seit mehr als einem Jahrzehnt Netto-Käufer sind und dabei mehrjährige Höchststände erreicht hätten. Die Begründung lautet in diesem Kontext vor allem Reservediversifizierung und der Wunsch, die Abhängigkeit von auf US-Dollar lautenden Vermögenswerten zu verringern.
Für Anleger ist entscheidend, dass die Argumentation trotz der positiven Grundrichtung auch konkrete Gegenpunkte benennt. Als Risiko gilt beispielsweise, wenn sich Staatshaushalte glaubwürdig und über mehrere Jahre hinweg konsolidieren, weil dann der Entwertungsdruck nachlassen könnte. Ebenso wird eine nachhaltige Dollar-Stärke als belastend genannt. Daneben könnte eine Normalisierung der Realzinsen den Goldpreis schwächen, weil die Opportunitätskosten gegenüber zinslosen Anlagen steigen würden. Als historisches Gegenbeispiel führt die Einordnung die Phase der US-Haushaltsüberschüsse in den 1990er-Jahren an, die mit einer anhaltenden Gold-Schwäche einhergegangen sei.
In der Portfoliopraxis wird die Rolle von Gold in der Regel nicht als Ersatz für Aktien oder Anleihen verstanden, sondern als makroökonomische Absicherung gegen bestimmte Risiken. Die hier zitierte Einordnung verweist dabei auf gängige Rahmenkonzepte, nach denen eine strategische Goldallokation von 5 bis 15 Prozent diskutiert wird. Wichtig ist: Das stellt keine konkrete Empfehlung von Wells Fargo für einzelne Privatanleger dar, sondern beschreibt ein verbreitetes Denkmodell. Für Unternehmen und professionell verwaltete Mandate bleibt damit vor allem die Frage, wie stark die Annahmen zur Geldpolitik, zu Realzinsen und zu Zentralbankkäufen in die eigene Risikosteuerung einfließen. In diesem Spannungsfeld kann Gold als Bewertungs- und Absicherungskomponente dann besonders relevant werden, wenn mehrere Treiber gleichzeitig wirken, statt nur zeitweise.
Unabhängig davon, ob man das Zyklenmodell im Detail teilt, zeigt die Argumentation vor allem eines: Gold wird zunehmend in eine breitere Makro-Logik eingebettet, die Geldmengenentwicklung, Zinsrealitäten und die Käuferseite Zentralbanken zusammenführt. Genau hier liegt der Marktimpuls, der den aktuellen Gesprächsstand erklärt. Wenn die erwartete Zinsspur ausbleibt oder wenn sich die Dollar-Stärke entgegen der These stabilisiert, dürften sich die Bewertungsprämissen schnell verschieben. Umgekehrt spricht viel dafür, dass Investoren bei anhaltenden Käufen der Zentralbanken und einer fragilen Realzinslandschaft nach Alternativen suchen, die nicht an eine einzelne Währung oder Anlageklasse gebunden sind. So bleibt Gold in der Debatte vor allem dann relevant, wenn klassische Portfolios gegen mehrere Makro-Risiken gleichzeitig gepuffert werden müssen.
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