LONDON (IT BOLTWISE) – WhatsApp erlaubt künftig, mehrere Passkeys in einem Konto zu hinterlegen und damit geräteübergreifend konsistent anzumelden. Gleichzeitig ersetzt der Messenger bei der zweistufigen Verifizierung den bisherigen sechsstelligen Code durch ein vollwertiges Passwort mit längeren und komplexen Zeichenfolgen. Für Android kündigt WhatsApp außerdem erweiterte Rückinformationen bei Anrufen von unbekannten Nummern an. Damit verdichtet sich die Sicherheitsstrategie: weniger Angriffsfläche bei Logins, mehr Kontext vor dem Abheben.

WhatsApp baut seine Kontosicherheit Schritt für Schritt aus – und die neuen Funktionen zielen genau auf zwei häufige Schwachstellen: unsichere Authentifizierung und unklare Identitäten im Kontaktweg. Konkret erweitert der Messenger die Passkey-Unterstützung so, dass Nutzer nicht nur einen einzelnen zweiten Faktor verwenden, sondern mehrere Passkeys gleichzeitig im Konto hinterlegen können. Das adressiert ein typisches Alltagsproblem: Viele Menschen nutzen WhatsApp sowohl auf einem iOS- als auch auf einem Android-Gerät und möchten dabei nicht jedes Mal manuell umschalten oder sich auf einen einzigen Backup-Mechanismus verlassen.
Technisch betrachtet verschiebt diese Änderung den Fokus von der reinen Bequemlichkeit hin zu stabileren Login-Flows. Passkeys basieren auf kryptografischen, gerätegebundenen Anmeldeinformationen statt auf wiederverwendbaren Geheimnissen oder zeitlich begrenzten Einmalcodes. Wenn WhatsApp mehrere Passkeys zulässt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wechsel des Geräts oder das Zurücksetzen eines mobilen Systems den Zugang unnötig blockiert. Außerdem eröffnet die Parallelität mehrere praktische Szenarien: Ein Hauptgerät kann mit einem Passkey arbeiten, während ein zweites Gerät oder ein zusätzlich eingerichtetes Tablet denselben Kontozugriff über einen eigenen Passkey abbildet.
Noch unmittelbarer spürbar für Nutzer ist die Anpassung der zweistufigen Verifizierung. WhatsApp ersetzt dabei laut Mitteilung den bisherigen sechsstelligen numerischen Code durch ein vollwertiges Passwort, das länger sein kann und Buchstaben, Zahlen sowie Sonderzeichen umfasst. Das ist sicherheitstechnisch logisch: Ein reiner Zahlencode ist zwar schnell eingegeben, bietet aber bei begrenzter Länge eine kleinere Suchraum-Varianz. Durch die Passwort-Option mit mehr Zeichentypen steigt die Komplexität gegen klassische Rate-Ansätze, zudem lassen sich Passwort-Manager in der Regel konsistenter in den Eingabeprozess einbinden als bei kurzfristigen Codes.
Daneben erweitert WhatsApp für Android vorerst eine dritte Komponente, die weniger mit Login-Sicherheit zu tun hat und stärker den menschlichen Entscheidungsprozess im Moment des Kontakts absichert. Bei einem Anruf von einer nicht gespeicherten Nummer sollen zusätzliche Informationen angezeigt werden – etwa das Land des Anrufers und ob eine gemeinsame WhatsApp-Gruppenmitgliedschaft existiert. Das reduziert den „Blind Call“-Effekt, bei dem Nutzer allein anhand von Nummernvergleichen entscheiden. WhatsApp begründete die Funktion mit den Worten: „Betrüger setzen auf Dringlichkeit, jetzt könnt ihr euch vor der Annahme erst zusätzliche Informationen ansehen.“
In der Summe ordnet sich das Paket in eine breitere Sicherheitslinie ein, die bereits durch frühere Updates vorbereitet wurde. Vor wenigen Wochen führte WhatsApp eine optionale, KI-gestützte Funktion namens „Scam Alert“ ein, die verdächtige Nachrichten von unbekannten Kontakten automatisch kennzeichnet. Dazu kommen weitere Maßnahmen wie Nutzernamen zum Schutz der eigenen Telefonnummer sowie passkey-verschlüsselte Chat-Backups. Für IT-Leiter und Sicherheitsverantwortliche ist dabei vor allem die Konsequenz wichtig: Der Messenger kombiniert kryptografische Verbesserungen in der Authentifizierung mit Surfacing-Logik im Kommunikationsalltag – vom Login bis zur Interaktion mit unbekannten Absendern oder Anrufern.
Für Unternehmen mit mobilen Workforce-Setups und für Betreiber von Produktiv-Communities bedeutet das auch organisatorische Konsequenzen. Wer WhatsApp etwa für interne Abstimmungen, Support-Gruppen oder Kundengruppen nutzt, kann Passkey-Strategien stärker in die Gerätestandardisierung einbauen: mehrere Passkeys erlauben einen saubereren Rollen- und Gerätewechsel, solange Teams die Einrichtung und die Wiederherstellung verständlich dokumentieren. Gleichzeitig reduziert die Passwort-Variante der zweistufigen Verifizierung den Bedarf an codebasierten Workarounds, etwa bei Notfallzugängen. In der Praxis dürfte damit vor allem die Support-Last sinken, weil weniger Fälle entstehen, in denen Nutzer wegen abgelaufener Codes oder unpassender Geräte in die Wiederherstellung geraten.
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