LONDON (IT BOLTWISE) – WhatsApp erlaubt ab sofort, einem Konto mehrere Passkeys zuzuordnen, sodass sich Nutzer auf iOS und Android mit derselben Identität anmelden. Zusätzlich ersetzt der Messenger bei der Zwei-Faktor-Authentifizierung die bisherige sechsstellige PIN durch ein vollwertigeres Passwort. Auf Android ergänzt WhatsApp die Anzeige von Details zu unbekannten Anrufern, bevor ein Gespräch angenommen wird. Ziel ist, sowohl das Risiko beim Login als auch bei typischen Betrugsmaschen im Alltag zu senken.

WhatsApp erweitert seinen Kontoschutz in mehreren Schritten, und der Kern der Neuerung klingt zunächst nach Komfort – ist aber vor allem sicherheitstechnisch relevant. Bisher mussten Nutzer, die sowohl ein iOS- als auch ein Android-Gerät nutzen, sich stärker an ein einzelnes Authentifizierungsziel klammern. Mit der neuen Option können sie jetzt mehrere Passkeys gleichzeitig einem Konto zuordnen. Das reduziert Reibungsverluste im Alltag, ohne den Sicherheitsanspruch der passkey-basierten Anmeldung zu verwässern.
Passkeys ersetzen klassische Codes und PINs durch eine kryptografisch verankerte Anmeldung, die an das jeweilige Gerät gebunden ist. WhatsApp stützt sich dabei auf biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung, alternativ lässt sich weiterhin der Sperrcode des Geräts verwenden. Meta nennt für WhatsApp-Nutzer eine wachsende Verbreitung: Über eine Milliarde Menschen verwenden laut Angaben mittlerweile einen Passkey, um sich bei WhatsApp einzuloggen. Technisch betrachtet verschiebt sich damit der Angriffsschwerpunkt weg von erratbaren Geheimnissen hin zu einer vertrauenswürdigen Gerätebindung und gegen Phishing resilienteren Signaturen.
Für Nutzer, die mehrere Smartphones oder ein Tablet im Wechsel verwenden, ist die entscheidende Veränderung die Verwaltung: Sie erfolgt über die Einstellungen im Bereich Konto und Passkeys, anschließend lassen sich weitere Passkeys hinzufügen. WhatsApp hatte die Passkey-Unterstützung zunächst für Android eingeführt (Oktober 2023), später folgte iOS (Anfang 2024). Meta hat die zugrunde liegende Technologie zudem im Laufe der Zeit in den Facebook-Login integriert (Juni 2025). Das zeigt auch strategisch, dass Passkeys nicht als Einzellösung gedacht sind, sondern als wiederverwendbares Authentifizierungsbaustein über Plattformgrenzen hinweg.
Parallel zu den Passkeys rückt WhatsApp die zweite Verteidigungslinie neu zurecht: die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Die Funktion soll verhindern, dass Unbefugte ein Konto übernehmen, selbst wenn sie an einen Einmalcode gelangen. In der bisherigen Ausprägung bestand der zweite Faktor aus einer sechsstelligen PIN; nun ersetzt WhatsApp diese durch ein vollwertiges Passwort. Es soll länger sein, Buchstaben und Zahlen kombinieren und auch Sonderzeichen zulassen – genau diese Mischung zielt darauf, das Erraten deutlich zu erschweren und die Angriffsoberfläche zu vergrößern. Wer noch eine einfache Zahlenfolge wie „123456“ als PIN verwendet, sollte den zweiten Faktor zeitnah aktualisieren, da triviale Muster in der Praxis ein bekanntes Risikoprofil darstellen.
Die dritte Säule der Aktualisierung betrifft nicht die Anmeldung selbst, sondern den Umgang mit typischen Betrugsversuchen im Kommunikationsalltag. Konkret geht es um eingehende Anrufe von Nummern, die nicht in den eigenen Kontakten gespeichert sind. Auf Android zeigt WhatsApp künftig zusätzliche Informationen, bevor Nutzer ein Gespräch annehmen. Dazu gehören unter anderem Hinweise darauf, ob die Rufnummer aus dem Ausland stammt und ob Anrufer und Angerufener gemeinsame Gruppen haben. WhatsApp begründet den Schritt damit, dass Betrugsversuche häufig auf schnelles, unüberlegtes Handeln abzielen; die zusätzlichen Angaben sollen Nutzern dagegen eine kurze Entscheidungs- und Einordnungsspanne geben.
Aus Sicherheitssicht ergibt die Kombination aus mehreren Passkeys, einem stärkeren zweiten Faktor und besserer Kontextanzeige bei unbekannten Anrufen ein stimmiges Gesamtbild. Mehrere Passkeys erlauben eine flexiblere, geräteübergreifende Nutzung, während das Passwort-Feature bei der Zwei-Faktor-Authentifizierung die Schwächen einfacher Zahlenmuster adressiert. Daneben wirkt die Anruferkennung als frühe Hürde: Auch wenn ein Betrüger es schafft, die Aufmerksamkeit zu gewinnen, wird die Entscheidungssituation durch Kontextdaten kontrollierbarer. Für Unternehmen und IT-Verantwortliche in der Praxis ist das vor allem deshalb spannend, weil sich dadurch die Sicherheitslogik in Richtung „weniger manuelle Geheimnisse, mehr systemseitige Schutzmechanismen“ verschiebt.
Für die weitere Entwicklung dürfte relevant sein, wie konsequent sich diese Muster auf andere Bereiche ausweiten lassen: Passkeys sind bereits für verschiedene Geräte möglich, jetzt stellt WhatsApp auch die zweite Faktor-Variante stärker auf langlebigere, nicht nur zahlenbasierte Geheimnisse um. Gleichzeitig zeigt die Anruferinformation, dass Schutz nicht nur auf Authentifizierungsebene stattfindet, sondern auch in der Interaktionsphase. Wer WhatsApp in Teams oder im privaten Umfeld verantwortet, sollte die Änderungen als Anlass nehmen, Nutzer zu sensibilisieren: Sicherheit ist dann am effektivsten, wenn sie nicht nur aktiviert wird, sondern auch im Alltag verstanden und richtig angewendet wird.
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