LONDON (IT BOLTWISE) – Die Anpassung von Astronauten an die Schwerelosigkeit ist nicht nur eine physische, sondern auch eine neurologische Herausforderung. Eine neue Studie zeigt, dass das Gehirn lange Zeit benötigt, um sich von der Erdanziehungskraft zu lösen und die richtige Griffkraft in der Schwerelosigkeit zu finden.

Die Anpassung von Astronauten an die Bedingungen im Weltraum ist eine komplexe Herausforderung, die weit über das Physische hinausgeht. Eine aktuelle Studie zeigt, dass das menschliche Gehirn auch in der Schwerelosigkeit weiterhin die Erdanziehungskraft antizipiert, was zu einer übermäßigen Griffkraft führt. Diese Anpassung kann Monate dauern, da das Gehirn seine Risikovorhersagen für Unfälle langsam aktualisiert.
Auf der Erde greifen wir Objekte, um zu verhindern, dass sie fallen. In der Mikrogravitation des Weltraums bleibt ein losgelassenes Objekt jedoch in der Schwebe. Dennoch erfordert die Trägheit, dass jede Bewegung – ob nach oben, unten, links oder rechts – eine stabile Griffkraft benötigt, um das Objekt in der Hand zu halten. Die Studie zeigt, dass Astronauten in den ersten Monaten im All dazu neigen, Objekte viel fester zu greifen als nötig, da ihr Gehirn weiterhin eine nicht vorhandene Schwerkraft erwartet.
Die Rückkehr zur Erde stellt eine weitere Herausforderung dar. Anfangs machen die Gehirne der Astronauten falsche Vorhersagen über das Gewicht und die Handhabung von Objekten, was oft zu ungeschickten Bewegungen oder unzureichender Griffkraft führt. Die Studie legt nahe, dass die Kontrollstrategie des Gehirns nicht sofort erfolgt, sondern auf einem allmählichen Fehlerkorrekturprozess basiert.
Diese Forschung ist das Ergebnis von fast zwei Jahrzehnten Arbeit und zeigt, wie wichtig das Verständnis dieser neurologischen Anpassungen für die Sicherheit bei Langzeitraumflügen ist. Besonders bei Missionen zum Mond oder Mars, wo Astronauten zwischen Erdanziehung, Mikrogravitation und teilweiser Gravitation wechseln müssen, ist dieses Wissen entscheidend.
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