TROFAIACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Stadt Trofaiach sucht junge Freiwillige, die Seniorinnen und Senioren beim Umgang mit dem Smartphone praktisch anleiten. Im Projekt „Digital – gesund & kompetent – handeln“ stehen Alltagsaufgaben wie E-Mails, Messenger und das sichere Installieren von Apps im Vordergrund. Der Ansatz kombiniert digitale Bildung mit intergenerativem Mentoring, um Hürden im Alltag abzubauen. Gleichzeitig zeigt ein Blick auf benachbarte und internationale Programme, wie schnell sich solche Formate Richtung KI- und Sicherheitskompetenz weiterentwickeln.

Trofaiach macht digitale Bildung zum lokalen Gemeinschaftsprojekt: Mit der neuen Initiative „Digital – gesund & kompetent – handeln“ sucht die Stadt junge Freiwillige, die ihre Erfahrungen als digitale Alltags-Navigationshilfe an ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger weitergeben. Anders als bei klassischen Kursen geht es dabei nicht nur um die Vermittlung von Funktionen, sondern um das gemeinsame Bewältigen konkreter Situationen. Wer ein Smartphone zum ersten Mal wirklich „im Griff“ haben will, braucht meist mehr als eine einmalige Erklärung – und genau hier setzen Mentorenprogramme an, die Wissen wiederholt, schrittweise und mit direkter Rückfragefähigkeit liefern.
Technisch betrachtet liegt der Kern des Vorhabens in der Übersetzung digitaler Bedienkonzepte in handhabbare Routinen: Inhalte wie das Einrichten von E-Mails, der Umgang mit WhatsApp oder die Installation neuer Apps lassen sich zwar erklären, entfalten aber erst durch Übung und begleitete Problemlösung ihren Nutzen. In der Praxis bedeutet das für Mentorinnen und Mentoren auch, dass sie typische Stolpersteine erkennen: Passwörter, Berechtigungsdialoge, das Verwalten von Konten oder das Verständnis von Benachrichtigungen führen bei Einsteigern oft zu Frust. Der Trofaiacher Ansatz adressiert genau diese Reibungspunkte durch regelmäßige Treffen und die aktive Mitgestaltung der Lernumgebung – ein Unterschied zu „Servicefenstern“, bei denen Fragen nur punktuell abgearbeitet werden.
Dass solche Modelle funktionieren können, zeigt der Vergleich zu anderen regionalen Formaten. In Unna bietet die Stadt kostenlose Smartphone-Sprechstunden im Lerntreff (zib) an, dienstags von 13:30 bis 17:00 Uhr sowie mittwochs von 13:30 bis 18:30 Uhr. Teilnehmende können dabei ohne Voranmeldung Unterstützung erhalten, wenn sie eigene Endgeräte mitbringen – Hilfe umfasst etwa die Einrichtung von E-Mails, die Nutzung von WhatsApp oder das Installieren von Applikationen. In Edesheim wiederum wird seit Ende Mai 2026 alle zwei Wochen mittwochs zwischen 16:00 und 18:00 Uhr eine Digitalsprechstunde im barrierefreien Rathauskeller angeboten, koordiniert von Nathalie Rudorf. Dort geht es bei Fragen zu Hardware und Software auch um die Nutzung von Google Maps; Reparaturen sind jedoch ausdrücklich ausgeschlossen. Genau diese Abgrenzung ist für die Skalierung wichtig: Wer digitale Kompetenz aufbaut, muss Leistungen klar von Wartungs- und Reparaturaufgaben trennen, sonst kippt die Nachfrage in Richtung „Fehlerbehebung“ statt „Lernen“.
Der zweite Trend, der sich in den beschriebenen Programmen abzeichnet, ist die Erweiterung der Lerninhalte über Basisfunktionen hinaus. Nach Smartphone-Grundlagen rücken zunehmend Themen in den Fokus, die für das heutige Sicherheits- und Nutzungsprofil entscheidend sind: System-Updates, Passwortsicherheit und eine wachsende Sensibilität für Desinformation. Besonders deutlich wird das beim Einstieg in „Künstliche Intelligenz“: Die AWO Essen betreibt in Oberhausen-Bochold ein KI-Labor für Senioren. In den Räumlichkeiten am Butzweg 5 findet dort an jedem zweiten und vierten Donnerstag im Monat zwischen 14:00 und 15:30 Uhr ein spielerischer Zugang statt. Entscheidend ist, dass die Teilnehmenden ihre eigenen Geräte nutzen, um den praktischen Nutzen im Alltag zu erproben – das reduziert den Abstand zwischen „Theorie“ und „Alltagsanwendung“ und wirkt dem Eindruck entgegen, KI sei nur etwas für Profis oder für große Tech-Unternehmen.
Auch international werden ähnliche Bausteine kombiniert. In Fortaleza, Brasilien, plant die Secretaria dos Direitos Humanos do Ceará (Sedih) zusammen mit dem Senac Centro den Kurs „Transformação Digital“. Für die Zeit vom 27. bis 31. Juli sowie vom 3. bis 7. August sind 25 Plätze für Schulungen vorgesehen, die neben digitaler Kompetenz auch Sicherheit im Netz, den Umgang mit Fake News und Grundlagen der KI behandeln. Für deutsche Kommunen ist der konkrete Nutzen dieses Vergleichs weniger der Ort als die Themenkombination: In der Praxis zeigt sich nämlich, dass digitale Bedienung ohne Sicherheitskompetenz schnell unvollständig bleibt. Wer lernt, Apps zu installieren oder Inhalte zu teilen, muss zugleich verstehen, wie man Risiken erkennt, Anzeichen manipulierter Inhalte einordnet und die eigenen Konten schützt.
Im Spätsommer sollen weitere Angebote an Fahrt gewinnen. In Nordenham ergänzt das Digitale Lern-Café im Mehrgenerationenhaus das bestehende Ökosystem: Am 27. Juli 2026 sind zwischen 10:30 und 12:00 Uhr Hilfestellungen zu E-Rezepten, digitalen Fahrkarten und der Erstellung von Fotobüchern geplant. Parallel arbeiten in Lemgo und Kalletal die VHS Detmold-Lemgo und das Projekt Smart City an einem künftigen DigitalCafé. Das kostenfreie Programm soll Themen wie Passwortsicherheit, System-Updates und die Abwicklung digitaler Rezepte umfassen; der Auftakt ist für den 15. September 2026 um 15:00 Uhr im Haus Wippermann in Lemgo terminiert. Für Unternehmen und öffentliche Träger ist das ein wichtiger Hinweis: Digitale Bildung wird zunehmend zu einer Infrastrukturaufgabe, die in den Alltag eingewoben ist – nicht zu einem Event, das man „abhakt“.
Damit stehen Kommunen vor einer organisatorischen Herausforderung, die über Technikkenntnisse hinausgeht: Mentoring und Beratungsformate brauchen eine verlässliche Terminlogik, klare Erwartungsgrenzen und ein Materialkonzept, das auf unterschiedliche Vorkenntnisse reagiert. Trofaiach setzt dabei auf die Kombination aus Nachwuchssuche, wiederkehrenden Treffen und einer praktischen Ausrichtung. Wenn zusätzliche KI-Elemente in die Lernreise integriert werden, steigt der Bedarf an didaktisch geschulten Unterstützern sowie an einfach zugänglichen Erklärformaten. Insgesamt deutet die Entwicklung darauf hin, dass digitale Souveränität in der Fläche nicht allein durch Apps oder Schulungsportale entsteht, sondern durch soziale Nähe: Junge Menschen bringen Tempo und aktuelle Navigationsstrategien mit, Seniorinnen und Senioren bringen Lebensrealitäten und konkrete Fragestellungen ein – und genau daraus entsteht eine Lernkultur, die nicht nur Gerätebedienung, sondern auch Vertrauen in digitale Prozesse fördert.
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