PUGA (INDIEN) / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie beleuchtet, wie das empfindliche Zucker-Molekül Ribose im frühen Erd-Umfeld stabiler bleiben konnte. Statt nur mit idealisierten Labor-Gemischen zu arbeiten, nutzen die Forschenden reale Borat-Mineralien und Bedingungen aus heißen Quellen im Himalaya. Dabei zeigt sich ein zweiseitiger Effekt: Borat schützt Ribose vor dem Zerfall, und Ribose hält Borat in Lösung. Das verändert das Bild davon, welche chemischen „Bauteile“ in den Ur-Suppen tatsächlich bereitstanden.

Die Frage, ob Leben anderswo im Universum entsteht oder ob die Erde eine Ausnahme bleibt, hängt an einem sehr irdischen Startpunkt: Wie wurde aus chemischer Vielfalt irgendwann Biologie? In der Ursprungsforschung wird dabei seit Jahren ein Muster verfolgt – Laborversuche mit „gereinigten“ Reaktionspartnern geben zwar klare Hinweise, blenden aber die reale Chemie vieler Naturumgebungen aus. Eine neue Untersuchung aus dem Umfeld der präbiotischen Chemie rückt deshalb eine scheinbar widersprüchliche Idee in den Fokus: Ribose, ein besonders fragiles Zuckerbaustein-Molekül, könnte im frühen Erdzeitalter nicht nur zufällig entstanden oder eingetragen worden sein, sondern aktiv mit den Mineralien und wässrigen Milieus zusammengewirkt haben, die seine eigene Erhaltung wahrscheinlicher machten.
Technisch betrachtet ist der Kern der Mechanik erstaunlich direkt. Ribose bildet einen Bestandteil der RNA, die heute als Träger genetischer Information bekannt ist. Doch die Molekülstruktur besitzt eine empfindliche Zuckerkomponente: Bei Erwärmung zerfällt Ribose leicht zu braunen Nebenprodukten – vergleichbar mit dem, was bei Haushaltszucker zu Karamell passiert. Genau an dieser Stelle kommt Bor ins Spiel. In der Form von Boraten, also Verbindungen aus Bor, Sauerstoff und Wasserstoff, kann es an Ribose binden und so den Zerfall bremsen. Der Clou der Arbeit liegt jedoch darin, diese Schutzwirkung nicht als reines „Reinchemie“-Szenario zu behandeln, sondern sie in die Komplexität natürlicher Mineralogie zu übertragen.
Als natürliches Referenzsystem dienen der Forschungsmannschaft heiße Quellen bei Puga im Himalaya. Dort finden sich Borat-Salzk rusten – so dicht und reich, dass sie unter den Füßen knacken wie Schnee. Gleichzeitig ist die Bor-Konzentration in der Flüssigphase deutlich geringer als in manchen klassischen Laboraufbauten mit stark angereicherten, vollständig gelösten Bestandteilen. Die Erklärung liegt in einem wichtigen Detail: Borhaltige Minerale lösen sich in Wasser oft schlecht. Stattdessen bilden sie feste Kristalle und entziehen der wässrigen Phase Bor – genau das, was man für chemische Reaktionen bräuchte, die in löslicher Form stattfinden. Damit stellt sich eine zentrale Frage für das „präbiotische Drehbuch“: Wie sollten in solchen Umgebungen überhaupt genügend gelöste Borat-Spezies vorhanden gewesen sein, wenn Minerale Bor ansonsten schnell wieder festlegen?
Die Antwort der neuen Studie lautet: Ribose kann die Bilanz verschieben – und zwar beidseitig. Anhand von Experimenten mit realen Mineralen, darunter auch Boratkrusten aus Puga, zeigen die Forschenden, dass Ribose ihrerseits die Auflösung von Boratmineralen begünstigt und die Bildung fester Körner hemmt. In der Praxis bedeutet das: Mehr Bor bleibt gelöst und damit als chemisch „verfügbares“ Reaktionsmaterial in der wässrigen Phase. Genau dieser zweite Hebel macht das System plausibel, denn er ergänzt den bereits bekannten Schutzmechanismus. Borat bindet an Ribose und verhindert den schnellen Zerfall, während Ribose umgekehrt dafür sorgt, dass Borat länger in Lösung bleibt. Der Vorschlag ist damit eine Art Feedback-Schleife innerhalb eines nichtlebenden Chemiesystems – nicht „Leben“ selbst, aber Bedingungen, unter denen lebensrelevante Bausteine länger überleben können.
Um die Bedeutung einzuordnen, hilft der Blick in die Zeit vor dem Auftreten echter Mikroben. Vor etwa vier Milliarden Jahren war die frühe Erde aus heutiger Sicht ein anderer Planet: In der Atmosphäre gab es wenig Sauerstoff, die vulkanische Aktivität war hoch, und große Teile der Oberfläche könnten von spärlichen Vulkanlandschaften und stark reaktiven, eisenreichen Ozeanen geprägt gewesen sein. Dazu kam ein intensiver Meteoriteneintrag aus der jungen Phase des Sonnensystems. Solche Einschläge lieferten Wasser und kohlenstoffhaltige Verbindungen, und in früher Modellierung wurden Größenordnungen von rund einer Million Tonnen Kohlenstoff pro Jahr während dieser frühen Bombardements diskutiert. Ein bekanntes Beispiel ist der Meteorit Murchison, der 1969 in Victoria fiel; Untersuchungen haben dabei auch Ribose in seinen Bestandteilen gefunden, neben anderen Zuckern. Der Punkt für die vorliegende Arbeit: Selbst wenn Ribose aus dem All ankommt, muss sie ein chemisches „Fenster“ erwischen, in dem Zersetzung nicht gewinnt.
Die Studie verknüpft damit zwei Ebenen, die in vielen Herangehensweisen getrennt behandelt werden: die Frage, wie Mineraloberflächen die Komplexitätssteigerung präbiotischer Reaktionen ermöglichen, und die Frage, wie umgekehrt präbiotische Moleküle Mineralbildung und -auflösung mitbestimmen. Wenn Borat an Krusten gebunden würde, könnte es in Folge auch schneller „wegkonserviert“ werden – etwa durch das Wachstum fester Ablagerungen. Im vorgeschlagenen Szenario könnte ein Teil des Borats stattdessen in frühen Seen oder anderen wässrigen Becken verbleiben. Ribose selbst dürfte dabei vergleichsweise selten gewesen sein; die Forschenden argumentieren aber, dass auch andere organische Moleküle mit ähnlicher Affinität zu Boraten – etwa Ethylenglykol oder Glycerol – ähnliche Effekte ermöglichen könnten. Außerdem interagieren aus der Mineralogie bekannte Bestandteile wie Siliziumdioxid und Calcium grundsätzlich mit kohlenstoffhaltigen Verbindungen. Damit rückt eine breitere Idee in den Vordergrund: Kohlenstoffhaltige „Ur-Suppen“ könnten bereits vor dem Auftreten von Leben Einfluss darauf genommen haben, welche Mineraltypen an der Erdoberfläche entstehen.
Offen bleibt natürlich, ob sich aus solchen Wechselwirkungen tatsächlich ganze Landschaften spürbar umformen ließen. Gerade diese Unsicherheit ist für die Forschung aber ein Vorteil, weil sie klare Testfelder eröffnet: Welche Konzentrationsfenster gelten unter realistischen Löslichkeits- und Temperaturbedingungen? Welche Rolle spielen wechselnde Zusammensetzungen von Wasser, Mineralien und organischen Bestandteilen über geologische Zeiträume? Der praktische Nutzen für KI-gestützte und experimentell getriebene Orig-of-Life-Modelle liegt auf der Hand: bessere Laborbedingungen, präzisere Annahmen über die Verfügbarkeit wichtiger Spezies und damit ein belastbareres „Astrobiologie-Design“ für die Frage, wo Leben entstehen könnte. Nicht zuletzt helfen solche Mechanismen auch dabei, die eigenen Konzepte gegen die Chemie einer möglichen fremden Umgebung zu prüfen – denn wenn Feedback zwischen organischen Molekülen und Mineralen funktioniert, dann könnte genau dieses Prinzip auch anderswo der Taktgeber sein.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Wie ein „Zucker aus dem All“ den Ur-Suppen auf der Erde einen Schub gab" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Wie ein „Zucker aus dem All“ den Ur-Suppen auf der Erde einen Schub gab" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Wie ein „Zucker aus dem All“ den Ur-Suppen auf der Erde einen Schub gab« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!