LONDON (IT BOLTWISE) – Der Worx WR308E setzt auf eine RTK-Cloud für die satellitengestützte Navigation und kommt ohne Begrenzungskabel aus. In der Einrichtung reicht es laut Konzept, die Ladestation zu platzieren und die Gartenkontur in der App sauber festzulegen. Im Test überzeugt besonders der Kantenschnitt: Der Roboter fährt die Linie ohne den sonst üblichen Sicherheitsabstand entlang. Gleichzeitig zeigt sich die Schwäche bei nassem, langem Gras sowie bei fehlendem Allradantrieb für steilere oder schlammige Bereiche.

Mehr als bei vielen anderen Gartengeräten entscheidet beim Mähroboter nicht die maximale Funktion, sondern die Geometrie: Wie sauber läuft die Maschine entlang der Rasenkante, und wie verlässlich bleibt das Ergebnis auch nach einer ganzen Saison? Genau an dieser Stelle adressiert der Worx WR308E die bekannte Schwachstelle klassischer Setup-Modelle, bei denen Begrenzungskabel, zusätzliche Module oder große Sicherheitsabstände den Rand „weich“ machen. Während Navigations-Startups den Markt in den vergangenen Jahren stark verändert haben, war beim Platzhirsch Husqvarna in dieser Entwicklung lange weniger Tempo zu spüren. Worx versucht nun, den vermeintlich einfachen Weg zur Kabelverlegung zu umgehen – und zahlt dafür vor allem an einer anderen Stelle: bei der Frage, wie die App die Kantenlogik präzise festlegt.
Technisch beginnt das Konzept mit der Navigation: Statt Korrekturdaten aus der Nähe eines Masts im Beet bezieht der WR308E sie über eine Cloud, die RTK-Daten an den Roboter weiterleitet. Mobilfunkempfang braucht es laut Hersteller dabei nur an der Ladestation, nicht auf der gesamten Fläche. Für die Praxis bedeutet das eine Einrichtung mit deutlich weniger Hardware-Aufwand: Station hinstellen, anschließen, kartieren – fertig. Der Roboter erledigt anschließend die Kartierung nicht als „Abarbeitung nach Gefühl“, sondern fährt die Rasenkante selbst ab und baut dabei aus der RTK-Position und per V-SLAM erfassten Orientierungspunkten eine 3D-Karte. Entscheidend ist jedoch die Qualität dieser Karte: Wer die automatische Kartierung laufen lässt oder die Begrenzungstypen falsch setzt, bekommt einen schlechteren Rand; wer einmal sauber abfährt, reduziert den Aufwand für die nächste Saison spürbar.
Diese Abhängigkeit vom Setup zeigt sich besonders beim Kantenschnitt, der im Test als auffällig gut beschrieben wird. Worx gibt für den WR308E eine Schnittbreite von 18 cm an, die Schnitthöhe liegt zwischen 3 und 6 cm, und die Messerscheibe arbeitet selbstnivellierend, gleicht Unebenheiten also zumindest bis zu einem gewissen Grad aus. Im normalen Schnittbild bleibt das Schnittgut als natürlicher Dünger liegen, zwischen den Bahnen entsteht dabei im Test kein „Streifenmuster“. Beim Rand geht die Maschine aber noch einmal einen Schritt weiter: Mit dem Cut-to-Zero-Modul führt sie die Begrenzung exakt entlang der kartierten Linie und hält keinen pauschalen Sicherheitsabstand wie andere Systeme, die typischerweise an der Kante etwas Luft lassen. Worx erreicht das dabei ohne Trimmer, den andere Konzepte für den Feinschnitt am Rand ergänzen – und genau diese Kombination wirkt im Ergebnis „wartungsarm“.
Der Preis dafür ist nicht nur finanziell, sondern auch planerisch. Die App steuert nämlich nicht pauschal „irgendwo ein bisschen Abstand“, sondern du definierst je Kante, ob der Roboter sie überfahren darf – etwa an einer Terrasse oder an Plattenwegen – oder ob es sich um eine harte Grenze wie eine Hauswand handelt. Damit verschiebt sich die Hauptarbeit in die Einrichtung: Deine Entscheidung über die Überfahrbarkeit und die saubere Kartierung bestimmen, wie gut der Roboter in der gesamten Saison am Rand bleibt. In anderen Ansätzen wird das gleiche Problem über einen festen Puffer gelöst, der bequem in der Einrichtung ist, aber sichtbare Einbußen im Kantenergebnis produziert. Im WR308E-Konzept ist die Einrichtung daher vergleichbar mit einem einmaligen „Feintuning“; danach wirkt der Roboter in der normalen Mähroute deutlich kontrollierter.
Die App überrascht daneben weniger durch exotische Zusatztasten als durch konkrete Praxisfunktionen. In derselben Preisklasse liefert der WR308E laut Test einen Funktionsumfang, der sonst eher in höheren Segmenten erwartet wird: Zonenverwaltung, frei belegbare Zeitpläne sowie unterschiedliche Bahnmuster, darunter parallele Bahnen oder zufällige Muster. Auch die Planung wird wetterabhängig gedacht: Der Roboter besitzt einen Regensensor, zusätzlich stellst du in der App eine Trockenzeit ein, also nach wie vielen Stunden nach dem letzten Regen er wieder losfahren soll. Bei der Schnitthöhe gibt es dennoch eine klare Beschränkung: Der Nutzer stellt sie ausschließlich über den Drehregler am Gerät ein, eine elektronische Höhenverstellung per App ist in dieser Reihe nicht dabei.
Im Betrieb zeigt der WR308E außerdem, wo seine Konstruktion real Grenzen setzt. Er ist als 2WD-Modell ohne Allradantrieb und ohne Federung ausgelegt, Allrad gibt es erst in der Vision-Cloud-4WD-Reihe. Das macht sich bei Nässe und langem, nassem Gras bemerkbar: Steckengeblieben ist der Roboter im Test zwar nicht, aber einzelne Stellen fallen sichtbar als schwierig auf. Dazu kommt, dass Worx für den WR308E keine IP-Schutzklasse nennt, während andere Geräte konkrete Werte in Richtung IPX6 oder IP66 angeben. Wer den Mähroboter dauerhaft draußen stehen lassen will, kann die Worx-Garage WA0828 für 199 Euro extra nutzen. Bei der Diebstahlsicherung ist das Gesamtbild ähnlich: Ohne das Find-My-Landroid-Modul WA0934 (149 Euro) fehlt eine GPS-Ortung, und selbst mit Modul hängt der Fernzugriff danach von einem Mobilfunkservice ab; über die Kosten einer Verlängerung nach dem ersten Jahr macht der Hersteller in den vorliegenden Angaben keine Zahl.
Trotz dieser Punkte bleibt der Kernvorteil im Test klar: Der WR308E löst das „Kantenproblem“ anders als die meisten Konkurrenten. Er kombiniert eine Navigation ohne Begrenzungskabel und ohne Referenzantenne im Beet mit einer Logik, bei der die Maschine im normalen Durchgang die Schnittlinie so übernimmt, wie sie kartiert wurde. Dass das im Ergebnis so scharf ausfällt, hängt damit unmittelbar an der App-Definition der Kantenüberfahrbarkeit und an einer einmalig sauberen Kartierungsfahrt. Für Käufer ist das attraktiv, wenn der Garten flach genug ist und die Einrichtung sorgfältig gemacht wird; wer Hanglage, Nachtbetrieb oder maximale Flächenleistung braucht, sollte dagegen eher zu Modellen greifen, die diese Anforderungen ab Werk adressieren. Beim Preis liefert Worx dabei einen starken Hebel: Die UVP liegt bei 999 Euro, im Handel wird der WR308E im Testzeitraum bei 849 Euro gelistet (Stand: 21. September 2026). In Summe ergibt sich ein Paket, das in seiner Klasse weniger über „mehr Hardware“ als über eine präzisere Kantenführung und eine überraschend alltagstaugliche Software-Planung punktet.
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