LONDON (IT BOLTWISE) – X stellt sein Revenue-Sharing-Programm auf „Original Content Rewards“ um. Neue Teilnahmen sind ab sofort nicht mehr möglich; bestehende Creator verdienen noch bis zum 7. September weiter. Ab dem 8. September können sie sich für das neue Modell bewerben, das besonders Originalität belohnt. Gleichzeitig bleiben Premium-Abos Pflicht und die Schwellenwerte für Follower und Reichweite wirken als Hürde.

X verlagert die Regeln für die Auszahlung an Influencer und Creator spürbar: Das bisherige Revenue-Sharing-Programm wird heruntergefahren und durch „Original Content Rewards“ ersetzt. Laut Ankündigung startet das neue Modell für Bestands-Teilnehmer am 8. September, während X die Aufnahme neuer Revenue-Sharing-Beteiligter bereits jetzt stoppt. Wer im bisherigen Programm bereits angemeldet ist, bleibt dagegen zunächst im Geldfluss und kann bis einschließlich 7. September weiterhin Einnahmen erzielen. Damit reagiert der Plattformbetreiber auf Kritik, die das bisherige Anreizsystem offenbar in Richtung Copying, Aggregation und stark monetarisierbarer Grenzfälle gezogen hat.
Technisch und prozessual knüpft das neue Programm nicht nur an „aktivem Posting“ an, sondern an messbaren Qualifikationskriterien. Teilnehmer müssen weiterhin eines der Premium-Tiers von X abonnieren. Zusätzlich fordert X nach den Angaben in der Mitteilung einen Schwellenwert bei der Größe der eigenen Community: Es werden 500 verifizierte Follower verlangt. Für die Reichweite nennt X außerdem ein Impressions-Kriterium: 500.000 Home-Timeline-Impressions von verifizierten Nutzern innerhalb von 90 Tagen. Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, können Creator in das neue Reward-Regime einsteigen – und genau dort rückt Originalität als zentrale Leitplanke in den Fokus.
„Original“ definiert X dabei relativ konkret: Als förderfähiger Content sollen zum Beispiel originaler Journalismus und eigene Analysen gelten, außerdem Fotos und Videos, die der Poster selbst erstellt hat. Auch Memes und Grafiken, die die Nutzer selbst gestaltet haben, sollen unter die Original-Content-Guidelines fallen. Kommentar zählt ebenfalls, aber X setzt eine Qualitätslinie an: „if your content regularly incorporates material created by others, you’ll need to contribute meaningful original value for it to qualify under our original content guidelines.“ Ergänzend nennt das Unternehmen Beispiele, die nicht als originell gelten sollen, etwa Inhalte, die lediglich von einem anderen Account kopiert übernommen werden, oder heruntergeladene Medien, die anschließend wieder in eigener Form hochgeladen werden – ohne dabei „meaningful transformation“ zu leisten.
Die Umstellung ist nicht der erste Versuch, das Revenue-Sharing-Design neu auszurichten. In der Vergangenheit habe X laut Bericht wiederholt am bestehenden Programm gedreht, unter anderem indem Zahlungen für „aggregators“ reduziert und als „clickbait“ eingeordnete Konten stärker begrenzt wurden. Solche Anpassungen führten jedoch wiederum zu Gegenreaktionen: Ertragreiche Accounts äußerten Beschwerden über das System. Auch Elon Musk soll nach einem Backlash bestimmte Änderungen teilweise rückgängig gemacht haben – etwa die Gewichtung einer lokalen Zielgruppe bei der Berechnung von Payouts für einen Creator. Die neue Strategie „Original Content Rewards“ versucht damit, das Problem an der Ursache zu adressieren: nicht nur einzelne Verstöße zu drosseln, sondern Anreize so zu setzen, dass sich das gewünschte Verhalten von Anfang an rechnet.
Besonders relevant ist dabei die Perspektive aus dem Creator-Management der Plattform. In einem Beitrag zu den Neuerungen schrieb Allegra Jacchia, dass das bestehende Programm „had reached a point where its incentives were misaligned.“ Sie betonte außerdem: „Creators should be focused on bringing net new content to the platform instead of maximizing payouts, “ und erklärte die Logik dahinter so: „We could have kept adding more rules and exceptions, but ultimately the better decision was to start fresh and build a program designed from day one to reward originality.“ Ergänzend kündigte sie an, dass X das Programm weiterentwickeln werde – inklusive Modells-Verbesserung und der Anhebung der Anforderungen im Zeitverlauf. Für Creator bedeutet das: Nicht nur die Einhaltung formaler Kriterien, sondern das Fortbestehen der Erkennbarkeit von Eigenleistung dürfte künftig noch stärker in Bewertungslogiken hineinspielen.
Für Unternehmen und Produktteams, die X als Distributionskanal nutzen, erhöht die Umstellung den operativen Druck auf Content-Workflows. Wer bislang stark auf Reposts, Kuratierungen oder die schnelle Wiederverwertung fremder Medien gesetzt hat, muss die eigene Produktion umstellen: Foto- und Video-Workflows, Rechteklärung und die Dokumentation von Entstehungsprozessen werden damit praktischer Teil der „Reward-Fähigkeit“. Gleichzeitig verschiebt sich die Erfolgsmessung: Neben Reichweite rückt die Frage in den Vordergrund, wie gut eine Plattform „Net-Originalität“ automatisiert beurteilen kann – also wie sauber Grenzen zwischen Kommentar, eigener Interpretation und bloß übernommenem Material gezogen werden. Gerade weil X am Ende auf Modelle und die kontinuierliche „raising the bar over time“-Logik setzt, sollten Teams frühzeitig testen, welche Content-Formate langfristig stabil bleiben.
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