LONDON (IT BOLTWISE) – Der Smartphone-Markt ist im zweiten Quartal 2026 kräftig eingebrochen, und Xiaomi wird besonders stark getroffen. Laut Omdia sank der globale Absatz um 6 Prozent auf 272 Millionen Geräte, während Xiaomi 31,2 Millionen Smartphones verkaufte und damit 26 Prozent weniger als im Vorjahr. Als Belastung nennt Omdia unter anderem hohe Preise für Speicherchips. Während Anleger jetzt auf das dritte Quartal blicken, stützt das Autogeschäft zumindest die Konzernbilanz.

Der Druck auf Xiaomi kommt derzeit nicht von der App-Ökonomie oder von einzelnen Modellreihen, sondern aus dem Kernsegment: dem Smartphone-Markt. Für das zweite Quartal 2026 meldet Omdia einen globalen Absatzrückgang um 6 Prozent auf 272 Millionen Geräte. In diesem Umfeld verkaufte Xiaomi 31,2 Millionen Smartphones, das entspricht einem Minus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dass ausgerechnet dieser Wert deutlich stärker ausfällt als der Branchendurchschnitt, verschärft die Debatte an der Börse zusätzlich.
Der Wettbewerbsvergleich macht die Schwere des Rückschlags schnell greifbar. Samsung steigerte im gleichen Quartal die Auslieferungen auf 60,5 Millionen Geräte und wies ein Plus von 5 Prozent aus, was bei einem Marktanteil von 22 Prozent lag. Apple legte sogar um 23 Prozent auf 55,1 Millionen Einheiten zu und erreichte ebenfalls 20 Prozent Marktanteil. OPPO und vivo mussten dagegen Rückgänge von 17 beziehungsweise 18 Prozent hinnehmen, während Xiaomi damit unter den fünf größten Herstellern den stärksten Einbruch meldet. Damit wird deutlich, dass es sich nicht nur um eine zyklische Schwäche handelt, sondern dass Xiaomi offenbar stärker unter den aktuellen Kosten- und Preisdynamiken leidet.
Als Ursache nennt Omdia die hohen Preise für Speicherchips, die die gesamte Branche belasten. Technisch betrachtet wirkt das wie ein Bremsklotz für die Kalkulation ganzer Produktlinien: Speicherpreise beeinflussen nicht nur die Teilekosten, sondern auch die Spannbreite für Ausstattungsversionen (etwa Einstiegsspeicher versus höher konfigurierte Varianten) und damit die Bereitschaft, Preise im Markt aktiv mitzugehen. Wenn die Chipkosten gleichzeitig steigen und die Endnachfrage nachlässt, entsteht oft ein doppelter Effekt aus geringerer Nachfrage und eingeschränkter Margenfähigkeit. In so einer Phase wird es für Hersteller besonders schwierig, neue Modellfenster zeitlich zu nutzen, weil jede Preiserhöhung schneller auf das Kaufverhalten durchschlägt.
Während das Smartphone-Geschäft schwächelt, liefert das Autogeschäft einen wichtigen Stabilitätsanker. Bereits Ende Mai hatte Xiaomi Zahlen zum ersten Quartal 2026 vorgelegt: Der Konzernumsatz erreichte 99,1 Milliarden Yuan, das operative Ergebnis im Kerngeschäft verdoppelte sich nahezu gegenüber dem Vorquartal. Elektroautos brachten 19,9 Milliarden Yuan Umsatz, zudem wurden mehr als 80.000 Fahrzeuge ausgeliefert; das entspricht einem Wachstum von 6,9 Prozent. Für das operative Bild ist dabei entscheidend, dass Xiaomi parallel zum Fahrzeuggeschäft weiterhin daran arbeitet, die Ergebnisqualität über KI- und IoT-Ökosysteme zu stützen: Die Handy-Marge wird mit einem Verkaufspreis von 1.310 Yuan pro Gerät beschrieben, während die Margen im IoT-Geschäft bei 25,2 Prozent und im Internetgeschäft bei 76,1 Prozent lagen.
Diese Doppelstrategie aus Mobilität und KI zeigt sich auch in den Investitionszahlen. Im ersten Quartal 2026 flossen 8,95 Milliarden Yuan in Forschung und Entwicklung, ein Plus von 33,4 Prozent. Gleichzeitig kündigte Xiaomi an, 2026 mindestens 16 Milliarden Yuan in Künstliche Intelligenz zu investieren; über drei Jahre sollen daraus mehr als 60 Milliarden Yuan werden. Als technische Referenz nennt der Konzern sein Sprachmodell MiMo-V2.5-Pro, das nach Unternehmensangaben weltweit Platz eins unter den Open-Source-Modellen belegt. Finanziell untermauert wird das durch Barreserven von über 220 Milliarden Yuan, was Xiaomi Spielraum geben soll, die KI-Infrastruktur weiter auszubauen, selbst wenn das Smartphone-Segment kurzfristig Gegenwind erfährt.
Auch das Produkt-Update zielt auf Entlastung im Core-Segment. Neben einer Anmeldung zu einem neuen Einstieg des Elektro-SUV YU7 taucht zugleich ein neues Smartphone-Flaggschiff auf: das Xiaomi 17 Max. Auffällig ist vor allem das Comeback eines 6,9-Zoll-Displays in der Xiaomi-Reihe nach acht Jahren, kombiniert mit großem Akku, Dual-Schnellladung und einer Kamera auf Top-Niveau; das Design wird als vergleichsweise konservativ beschrieben. Beim YU7-Einstieg nennt die Anmeldung eine 73-kWh-Batterie sowie Reichweite bis zu 643 Kilometern nach dem CLTC-Zyklus, zusätzlich reduziert um 115 Kilogramm gegenüber der Standardversion. Solche Parameter sind im Wettbewerbsumfeld besonders relevant, weil sie direkt in die wahrgenommene Alltagstauglichkeit übersetzen.
Unterm Strich bleibt das Börsenbild angespannt. Die Aktie schloss am Freitag bei 3,04 Euro, das entspricht einem Tagesgewinn von 2,13 Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von 29,83 Prozent, und vom 52-Wochen-Hoch bei 6,54 Euro trennt das Papier weiterhin mehr als die Hälfte. In der Marktlogik dürfte die Frage dominieren, wie schnell das Autogeschäft die schwächelnde Kernsparte kompensieren kann – nicht nur über Wachstum, sondern auch über die erwartbare Profitabilität. Anleger richten den Blick damit vor allem auf die kommenden Quartalszahlen, um einzuschätzen, ob sich der Absatzeinbruch im dritten Quartal fortsetzt oder ob neue Modelle wie das Xiaomi 17 Max spürbar gegensteuern.
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