NÜRBURGRING / LONDON (IT BOLTWISE) – Xiaomi meldet einen deutlichen Gewinnrückgang, weil Speicherchips und andere Komponenten kräftig teurer geworden sind. Im zweiten Quartal sinkt das Nettoergebnis um 42,6 Prozent auf umgerechnet 794,2 Millionen Euro. Gleichzeitig fällt der Handy-Absatz um 26 Prozent auf 31,2 Millionen Geräte und die Smartphone-Marge schrumpft auf 8,5 Prozent. Trotz der Krise treibt der Konzern seine Elektroauto- und KI-Ambitionen weiter voran, während das Premium-Flaggschiff gestrichen wird.

Xiaomi unter Druck: Speicherchip-Preise brechen Gewinn und Absatz ein
Xiaomi unter Druck: Speicherchip-Preise brechen Gewinn und Absatz ein (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Zahlen fallen bei Xiaomi dieses Mal nicht durch zusätzliche Produktstorylines auf, sondern durch harte Kostendaten: Gestiegene Preise für Speicherchips und weitere Bauteile haben den Gewinn so stark ausgedünnt, dass der Konzern selbst auf der Ergebnis-Ebene ein „Kostenproblem“ sichtbar macht. Im zweiten Quartal schrumpfte das Nettoergebnis laut Unternehmensangaben um 42,6 Prozent auf umgerechnet 794,2 Millionen Euro; der Umsatz lag mit 13,95 Milliarden Euro ebenfalls unter den Markterwartungen. Damit trifft die Komponentenseite ein Geschäftsmodell besonders empfindlich, das bei preisgünstigen Smartphones stark über Stückzahlen und eine eng kalkulierte Kostenstruktur funktioniert.

Technisch betrachtet liegt der Kern der Belastung in der Zusammensetzung typischer Smartphone-Geräte: Speicherchips nehmen dort einen vergleichsweise großen Anteil an den Materialkosten ein. Xiaomi verweist damit indirekt auf die Mechanik hinter der aktuellen Marktphase aus DRAM- und NAND-Knappheit. Wenn genau diese Speicherklassen in einem Zeitraum von rund zwölf Monaten „preislich vervielfacht“ werden, entsteht in kurzer Zeit ein doppelter Effekt: Erstens steigen die direkten Einkaufskosten pro Gerät, zweitens wächst der Kostendruck durch den Zwang, Preise entweder nach oben zu verlagern oder über niedrigere Margen zu kompensieren. Genau dieser Zielkonflikt zeigt sich anschließend in der Marge.

Der Absatz reagiert dabei unmittelbar auf die Weitergabe der Kosten: Weil Xiaomi die gestiegenen Preise an Verbraucher weiterreichte, brach der Handy-Absatz im Berichtszeitraum um 26 Prozent auf 31,2 Millionen Geräte ein. Die Gewinnmarge im Smartphone-Geschäft sank um etwa ein Viertel auf 8,5 Prozent. Auch das Gesamtbild im Markt lässt sich nicht als „Xiaomi-spezifisch“ abtun: Der weltweite Smartphonemarkt stand laut Daten von Counterpoint ebenfalls unter Druck, die Auslieferungen fielen um 11 Prozent – der schwächste Wert für ein zweites Quartal seit 2013. Entsprechend rutschte auch Xiaomis Marktanteil: global von 14 auf 12 Prozent, in China von 15,1 auf 12,4 Prozent, während die Auslieferungen in China um 21,7 Prozent zurückgingen.

Dass die Geschichte trotzdem nicht nur negativ klingt, liegt an zwei gegenläufigen Signalen. Zum einen erreichte der durchschnittliche Verkaufspreis der Smartphones ein Rekordniveau, zum anderen stieg die Zahl der monatlich aktiven Nutzer weltweit auf 766,5 Millionen – ein Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Interessant ist, wie diese Daten zusammenpassen: Ein höherer Preispunkt kann die Marge stützen, aber nur, solange der Rückgang bei den Stückzahlen nicht überproportional ausfällt. Genau diese Balance scheint in der aktuellen Phase noch nicht optimal zu sein, was sich bereits in der Produktplanung widerspiegelt.

Dass Xiaomi ein geplantes Spitzenmodell – das 18 Ultra – ersatzlos gestrichen hat, wirkt wie ein stilles Eingeständnis, wie stark Komponentenpreise inzwischen in die Produktstrategie hineinreichen. Anstelle des gestrichenen Modells tritt das 18 Pro Max als neues Topmodell der Reihe. Der Hintergrund ist plausibel: Ein Premiumgerät nutzt typischerweise besonders kostspielige Konfigurationen, und wenn DRAM- und NAND-Kosten plötzlich deutlich höher ausfallen, verschiebt sich die Wirtschaftlichkeit besonders im oberen Preissegment. Der Konzern setzt damit nicht nur auf Absatzsteuerung, sondern auch auf Portfolio-Entscheidungen, die die Wahrscheinlichkeit verbessern, im Premiumbereich nicht dauerhaft mit negativen Deckungsbeiträgen zu kämpfen.

Parallel dazu zeigt der Elektroauto-Bereich ein gemischtes Bild aus Wachstum und fortgesetzter Ergebnisbelastung. Die Sparte wuchs um knapp 16 Prozent, schrieb im Quartal aber zusammen mit dem KI-Geschäft weiterhin einen Verlust von 333 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr lieferte Xiaomi 185.055 Elektrofahrzeuge aus, plus 17,2 Prozent; als Absatzführer etabliert sich das SUV-Modell YU7 mit 104.559 Auslieferungen, noch vor der Limousine SU7 mit 80.496 Einheiten. Gleichzeitig bleibt das Jahresziel von 550.000 Fahrzeugen ambitioniert, mehrere Analystenhäuser äußerten bereits Zweifel, ob Xiaomi die Marke tatsächlich erreicht – nicht zuletzt, weil diese Zielgröße mit dem aktuellen Tempo weiter „angezogen“ werden müsste.

Dass Xiaomi trotz der bilanzwirksamen Smartphone-Schmerzen auf sichtbare technische Meilensteine setzt, zeigt sich in der Art, wie es seine Elektroauto- und KI-Kompetenz untermauert. Im Juni stellte der YU7 GT mit Streckenpaket auf dem Nürburgring einen neuen Rundenrekord im autonomen Fahren auf: 10 Minuten und 29,483 Sekunden. Parallel wurde eine weitere Variante des Modells zum schnellsten Serien-SUV der Nordschleife; zudem positioniert Xiaomi sein Sprachmodell MiMo-V2.5 mit einem Platz eins beim Token-Verbrauch auf der OpenRouter-Plattform in der Woche vom 20. Juli. Für den Markt ist das vor allem dann relevant, wenn solche Benchmarks langfristig in Produktvorteile übersetzen – denn finanziell zählt kurzfristig die Frage, wie die Kapitalintensität der Autoentwicklung die Ergebnisrechnung weiter beeinflusst.

Die Börsenreaktion fällt indes überraschend gelassen aus: Die Aktie geriet trotz der schwachen Ergebniszahlen zunächst nicht zusätzlich unter Druck, sondern stabilisierte sich, nachdem der Kurs im bisherigen Jahresverlauf bereits spürbar nachgegeben hatte. Als möglicher Grund nennt Xiaomi-kontextbezogen vor allem die Erwartung vieler Marktteilnehmer, dass die Speicherchip-Krise bereits im ersten Quartal sichtbar belastet hatte – die Ergebnisse wirkten damit weniger „überraschend“ als die reine Schlagzeile vermuten lässt. Für die nächsten Quartale bleibt trotzdem der zentrale Treiber: Ob sich die Speicherchip-Preise tatsächlich stabilisieren, oder ob Xiaomi seine margenträchtige Smartphone-Sparte weiterhin zugunsten der kapitalintensiven Elektroauto-Ambitionen finanzieren muss – bei gleichzeitig hohem Wettbewerbsdruck in China und im globalen Smartphone-Geschäft.


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