LONDON (IT BOLTWISE) – Xiaomi rutscht wegen stark gestiegener DRAM- und NAND-Preise unter Druck: Die Speicherchip-Kosten haben sich im zweiten Quartal 2026 verdoppelt. Das senkt die Bruttomarge im Smartphone-Segment auf 8,5 Prozent und trifft den Konzern in einer Phase sinkender Auslieferungen. Gleichzeitig wächst zwar die E-Autosparte, doch auch dort bleibt das Ergebnis operativ weiter defizitär. Ob die geplante Produktoffensive die Margen im Verlauf des Jahres stabilisieren kann, bleibt abzuwarten.

Xiaomi unter Druck: Speicherchip-Preise verdoppeln die Kosten
Xiaomi unter Druck: Speicherchip-Preise verdoppeln die Kosten (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Kostendruck bei Speicherchips trifft Xiaomi nicht nur als kurzfristige Schwankung, sondern als strukturelle Bremse für die Profitabilität im Kerngeschäft. Im zweiten Quartal 2026 haben sich die Preise für DRAM- und NAND-Speicher den Angaben zufolge verdoppelt. Für das Smartphone-Segment bedeutet das konkret, dass die Bruttomarge auf 8,5 Prozent fällt – ein Wert, der deutlich macht, wie eng die Kalkulation bei Geräten mit großen Speicherbausteinen inzwischen geworden ist. Gleichzeitig deutet der Verlauf darauf hin, dass der Preisschub stärker ausfiel als erwartet und damit weniger Spielraum für Gegenmaßnahmen blieb.

Technisch betrachtet wirkt der Speicherpreisschock über mehrere Ebenen in die Endkosten: DRAM beeinflusst unter anderem die Performance und Aufgabentaktung von Modulen wie Arbeitsspeicher, während NAND die nutzbare Kapazität bestimmt und damit direkt in die Konfigurationen von Modellen und Varianten eingeht. Wenn sich die Einkaufspreise für beide Speicherklassen gleichzeitig verdoppeln, steigen die variablen Stückkosten im Gerät nicht proportional zu einer einzelnen Komponente, sondern als Bündel aus mehreren Material- und Produktionsschritten. Genau diese Kopplung wird bei Xiaomi besonders spürbar, weil das Smartphone-Geschäft weiterhin den größten Anteil an Umsatz und Ergebnis liefert. Die Markteinordnung aus den Quartalszahlen passt dazu: Xiaomi verkauft in Q2 weniger Geräte, kann aber höhere Preise teilweise weitergeben.

In den Zahlen zeigt sich der Trade-off zwischen Absatz und Preis deutlich: Die Smartphone-Auslieferungen sanken im zweiten Quartal um 26,5 Prozent auf 31,2 Millionen Einheiten, während der durchschnittliche Verkaufspreis um 25,9 Prozent auf 1.351 Yuan stieg. Das bedeutet in der Praxis, dass Xiaomi spürbar weniger Einheiten absetzt, dafür aber mit teureren Geräten arbeitet. Solche Preisstrategien helfen kurzfristig gegen Marge-Verlust, sie lösen aber das Grundproblem nicht vollständig, wenn die Kostenbasis gleichzeitig schneller steigt. Die Börsenreaktion der vergangenen Tage spiegelt diesen Spannungsbogen ebenfalls wider: Seit der Vorlage der Quartalszahlen legte die Aktie zeitweise um rund 9,1 Prozent zu, doch die langfristige Performance bleibt deutlich im Minus.

Während die Smartphone-Sparte schrumpft, versucht Xiaomi den Konzernumbau über zwei Wachstumsfelder zu beschleunigen: Elektroautos und KI. In Q2 stieg der Umsatz der E-Auto-Sparte um 17,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Yuan, die Auslieferungen wuchsen um 28,2 Prozent auf 104.199 Fahrzeuge. Der operative Verlust im Segment blieb allerdings mit minus 2,6 Milliarden Yuan bestehen. Damit zeigt sich das klassische Muster von Hardware-Ecosystemen: Reichweite und Skalierung brauchen Zeit, während Finanzierung und Fertigung in der Aufbauphase das Ergebnis belasten. Ergänzend investiert Xiaomi laut den Angaben kräftig in die Zukunft, wobei von den Kapitalausgaben in Höhe von 3,6 Milliarden Yuan 2,4 Milliarden Yuan in Elektroautos und Künstliche Intelligenz fließen und die Forschung- und Entwicklungskosten um 19 Prozent auf 9,2 Milliarden Yuan steigen.

Dass diese Strategie Aufmerksamkeit auch bei Zulieferern und Wettbewerbern erzeugt, ist an den genannten Industrie-Links ablesbar. So wird aus der Chip-Lieferkette berichtet, Xiaomi gleiche als Neukunde die Schwäche deutscher Stammkunden aus, indem Infineon einen Auftragsschub erhält; zudem wird betont, dass Infineon im Automobilumfeld auf eine starke Position zielt. Auch auf der Automobilseite taucht Xiaomi in Gesprächen auf: Es wird davon gesprochen, dass Stellantis über Partnerschaften und mögliche Markenbeteiligungen mit Xiaomi und Xpeng verhandelt. Für die Bewertung ist das wichtig, weil die E-Mobilität nicht nur wegen Stückzahlen, sondern auch wegen Komponentenverfügbarkeit, Chip-Designs und langfristigen Produktionsverträgen funktioniert – und Speicher sowie Logikbausteine in der Fahrzeugarchitektur wiederum eine Rolle spielen.

Der Gesamtblick auf den Konzern unterstreicht, wie stark die Marge unter Druck steht: Im zweiten Quartal sank der Umsatz um 6,1 Prozent auf 108,92 Milliarden Yuan, während der Nettogewinn um 20,3 Prozent auf 9,46 Milliarden Yuan einbrach. Noch deutlicher fällt der Rückgang beim bereinigten Nettogewinn aus, der um 42,6 Prozent auf 6,22 Milliarden Yuan fiel. Die Bruttomarge im Konzern rutschte von 22,5 auf 19,8 Prozent. Für die zweite Jahreshälfte bleibt der Ausblick deshalb zweigeteilt: Auf der Produktseite stehen mit der Redmi-K100-Serie (angekündigt für die ChinaJoy-Messe) technische Highlights wie ein 8.500-mAh-Akku und eine 200-Megapixel-Kamera im Fokus; außerdem wird für September der Marktstart der Xiaomi-18-Serie in China im Gespräch gehalten, begleitet vom neuen Betriebssystem HyperOS 4. Ob und wie schnell diese Produkte die Speicherchip-Kosten kompensieren, hängt jedoch an der Entwicklung der Bestellmengen, an der Preisgestaltung im Kanal und an der Frage, ob der Speicherpreisanstieg sich normalisiert.

An der Börse bleibt die Lage trotz kurzfristiger Erholung unter Druck. Die Aktie notiert aktuell bei 3,04 Euro und liegt damit 5,4 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Gleichzeitig zeigt der längerfristige Trend die Belastung: Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 30 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar 47 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 6,54 Euro ist das Papier weiterhin 53 Prozent entfernt. Entscheidend ist damit nicht nur die nächste Produktwelle, sondern die Frage, ob der Kostendruck bei Speicherchips die Margen im Smartphone-Geschäft weiter drücken wird – und ob Xiaomi im selben Zeitraum die E-Auto-Sparte schrittweise in eine weniger defizitäre Struktur überführen kann.

Für Entscheider in Unternehmen und Entwicklerteams lässt sich aus der Geschichte eine übergreifende Lehre ableiten: Wenn Kernkomponenten wie DRAM und NAND gleichzeitig in die Höhe schnellen, verschiebt sich die Risikoformel zwischen Hardware, Stückkosten und Preisstrategie binnen weniger Quartale. Das gilt nicht nur für Smartphones, sondern ebenso für Geräteklassen mit großen Speicherbudgets und schnellen Upgradezyklen. Xiaomi zeigt damit, wie sehr margengetriebene Verbraucherhardware am Ende von der Speicher-Marktlogik abhängt – selbst dann, wenn ein zweites Wachstumsthema wie Elektroautos operativ weiter in die Verlustphase hineinläuft.


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