NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Seit dem Start der XRP-ETFs im November 2025 flossen kumuliert rund 1,41 Milliarden US-Dollar in die Fonds, während sich die verwahrten XRP-Mengen auf knapp 905 Millionen XRP summierten. Anhand der Inflow- und AUM-Daten lässt sich ableiten, welcher ETF den größten Beitrag zur Verknappung des frei zirkulierenden Angebots leistet. Während Bitwise in den Kennzahlen vorn liegt, ziehen Canary und Franklin nach und stützen damit – über den Liquiditätseffekt – potenziell den nächsten bullischen Zyklus. Der Beitrag ordnet zudem ein, wie sich die Performance 2026 zwischen Hochphasen und Rücksetzern verändert hat.

Rund eineinhalb Jahre nach dem Start der Spot-XRP-ETFs im November 2025 verdichten sich die Marktsignale vor allem in den Zahlen zu Zuflüssen (Inflows), verwaltetem Vermögen (AUM) und der im Fonds-Konstrukt verwahrten XRP-Mengen. Laut den vorliegenden Daten summierten sich die kumulierten Inflows auf etwa 1,41 Milliarden US-Dollar; das AUM liegt dabei bei ungefähr 1,12 Milliarden US-Dollar. Entscheidend ist zudem die Größenordnung der Verwahrung: Über alle Fonds hinweg werden knapp 904,76 bis 905 Millionen XRP gehalten. In bullischen Phasen wird dieser „Supply“-Hebel oft unterschätzt – genau hier setzen die folgenden Einordnungen an.
Aus technischer und marktmechanischer Sicht ist die zentrale Frage weniger, ob ein ETF den Kurs „direkt“ treibt, sondern wie er den verfügbaren Liquiditätspool im Markt verändert. Die im Input genannte Logik lautet: Sobald ETF-Käufe im Open Market stattfinden und die Assets in Custody verbleiben, sinkt die Menge an XRP, die kurzfristig frei handelbar verfügbar ist. Dieser Effekt entsteht nicht durch ein neues Handelsinstrument im Sinne einer neuen Preisformel, sondern durch die geänderte Verteilung von Token zwischen Handelskonto und Verwahrung. Damit verschiebt sich über die Zeit die mikroökonomische Angebotsseite – ein Faktor, der in zyklischen Aufwärtsbewegungen Momentum begünstigen kann.
Für den Vergleich der einzelnen Vehikel sind vor allem Bitwise, Canary und Franklin relevant, weil sie in den Inflow- und Net-Asset-Kennzahlen unterschiedlich stark gezogen haben. Bitwise führt demnach sowohl bei den kumulierten Zuflüssen als auch bei den Nettovermögen: etwa 462,24 Millionen US-Dollar kumulierte Inflows und rund 337,71 Millionen US-Dollar in Net Assets, was ungefähr 32,8% der gesamten ETF-Zuflüsse seit Launch entspricht. Canary folgt mit grob 452,03 Millionen US-Dollar kumulierten Inflows und rund 290,41 Millionen US-Dollar in Net Assets (etwa 32,1%). Franklin liegt mit etwa 390,04 Millionen US-Dollar kumulierten Inflows und rund 276,43 Millionen US-Dollar in Net Assets ebenfalls im selben Größenkorridor. In Summe ergibt sich damit ein klarer „Wettbewerb“ um die Kapitalallokation.
Die Marktentwicklung 2026 zeigt, dass Zuflüsse nicht linear verlaufen, sondern stark vom Sentiment und Makrofaktoren abhängen. Im Launch-Monat November 2025 dominierten starke Zuflüsse: über 666 Millionen US-Dollar an Net Inflows und bis Jahresende ein Rekordwert von insgesamt über 1,17 Milliarden US-Dollar. Im Folgejahr kippt das Bild jedoch: Im Januar 2026 fielen die monatlichen Zuflüsse drastisch von einem Dezember-Hoch (nahe 499,91 Millionen US-Dollar) auf lediglich rund 15,59 Millionen US-Dollar, und es kam erstmals seit Launch zu Abflüssen – etwa 93 Millionen US-Dollar zwischen dem 23. und dem 30. Januar. Solche Phasen sind für Unternehmen und Portfoliomanager relevant, weil sie zeigen, dass der Supply-Effekt zeitlich „geglättet“ wird, aber nicht immun gegen Risikoaversion ist.
Technisch betrachtet bleibt die Wirkung der ETFs über den Custody-Mechanismus an die Nachfrage gekoppelt: Wenn monatliche Inflows wieder deutlich anziehen, können die Fonds mehr XRP aus dem Open Market absorbieren und damit das frei zirkulierende Angebot spürbarer verengen. Genau an dieser Schwelle setzt die Argumentation des Inputs an: Sollte der monatliche Zufluss wieder über etwa 100 Millionen US-Dollar steigen, würde die Absorptionsrate des offenen Markts zunehmen. Für den Unternehmenskontext ist das auch eine Frage der Risiko- und Datenarchitektur: Wer solche Produkte in Anlageprozesse integriert, braucht laufende Transparenz zu Handelsvolumina, Verwahrmengen und ETF-Zuflussraten, damit die erwartete Liquiditätswirkung nicht nur „aus der Theorie“, sondern datenbasiert operationalisiert wird.
Im „Bull-Cycle“-Narrativ gilt daher: Der ETF mit der stärksten Kapitalbindung leistet typischerweise den größten Beitrag zur Verknappung. Entsprechend wirkt Bitwise insgesamt am stärksten, weil der Fonds in beiden Dimensionen – kumulierte Inflows und Net Assets – vorne liegt. Canary und Franklin tragen ebenfalls zur Supply-Tightness bei, liegen aber in der Kapitaldominanz hinter Bitwise. Canary wird im Input mit etwa 218,4 Millionen XRP in custody beziffert; als Kontext wird XRPs zirkulierendes Angebot mit 61,85 Milliarden XRP genannt. Damit ist der Effekt zwar im relativen Maßstab moderat, aber in der Richtung eindeutig. Für Anleger heißt das nicht, dass jede Preisbewegung ausschließlich durch ETFs erklärbar ist, sondern dass sich der strukturelle Unterbau verbessert, wenn Kapital konsequent nachfließt.
Regulatorisch und sicherheitstechnisch ist bei Krypto-ETFs vor allem relevant, dass Custody, Verwahrketten und Handelsprozesse als Teil des Produkt- und Compliance-Setups funktionieren müssen. Selbst wenn die konkrete rechtliche Ausgestaltung in den Daten nicht im Detail aufgeführt wird, lässt sich aus dem ETF-Charakter ableiten, dass etablierte Marktstrukturen genutzt werden, um Tokenzugriffe, Abrechnungsprozesse und Kontrollmechanismen in den Finanzbetrieb einzubetten. Gerade in volatilen Phasen – sichtbar an den Rücksetzern im Januar und der anschließenden Stabilisierung – wird deutlich, wie wichtig robuste Governance ist: Wer institutionell investiert, bewertet nicht nur Renditepotenziale, sondern auch Operationelles Risiko, Liquiditätsrisiken und die Einhaltung regulatorischer Anforderungen entlang des Lebenszyklus der Fonds.
Für die weitere Entwicklung ist der Blick daher weniger auf einzelne Schlagzeilen zu richten, sondern auf Trends in den Inflow-Mustern. Der Input verweist darauf, dass die Zuflüsse zuletzt in 13 der letzten 15 Tage angezogen haben und XRP supply dadurch schrittweise enger wird. Gleichzeitig deutet die Saisonstruktur 2026 an, dass sich die Dynamik im Frühjahr wieder drehte: Im April gab es Zuflüsse von rund 81,59 Millionen US-Dollar, im Mai lagen die Inflows laut Stand „bereits“ bei etwa 118,29 Millionen US-Dollar und damit über der selbst gesetzten 100-Millionen-Schwelle, die als Verstärker des Supply-Effekts genannt wird. Genau hier entsteht die nächste unternehmerische Implikation: Portfolios, die auf zyklische Liquiditätsmechanismen setzen, sollten ihre Prozesse so kalibrieren, dass sie Frühindikatoren (Inflow-Tempo, AUM-Entwicklung, Custody-Volumen) zeitnah auswerten und Entscheidungen nicht erst „nach der Kursbewegung“ treffen.
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