LONDON (IT BOLTWISE) – Obwohl XRP in der Woche um rund 8% gefallen ist und Käufer im Spot-ETF teils Verluste von etwa 13% tragen, bleiben die Mittelzuflüsse positiv. Gleichzeitig deuten stabile Exchange-Abflüsse darauf hin, dass XRP nicht in Panik verkauft und auf Börsen zurückgeschickt wird. Dennoch könnten Kursmarken unter 1,37 US-Dollar den Wechsel von Geduld zu Verkäufen auslösen. Für ETF-Investoren stellt sich damit die Frage, ob die Nachfrage auch bei weiteren Rücksetzern durchhält.

XRP notiert in der Nähe von 1,40 US-Dollar und liegt damit rund 8% unter dem Niveau der Vorwoche. Gegenüber dem September-23-Hoch sind es etwa 11% Rückstand. Besonders auffällig: Weder bei Privatanlegern noch bei den speziell über Spot-ETFs adressierten Käufern zeichnet sich in den verfügbaren Daten ein „Fluchtverhalten“ ab. Stattdessen zeigen sowohl Börsen-Daten als auch ETF-Flows ein Muster aus Geduld – zumindest solange der Markt nicht unter bestimmte technische Marken rutscht.
Technisch lässt sich das Verhalten über den „Exchange Net Position Change“-Ansatz einordnen: Diese Kennzahl misst über 30 Tage, wie viele XRP von Börsen ab- oder zuströmen. Ein negativer Wert bedeutet dabei, dass mehr Coins die Börsen verlassen als hinzukommen. Für den Zeitraum rund um den 25. September, als XRP etwa 1,57 US-Dollar kostete, lag der Wert den Daten zufolge bei ungefähr −1,53 Milliarden XRP. Am 8. Oktober, mit XRP um 1,38 US-Dollar, wurde ein ähnlicher Umfang von etwa −1,58 Milliarden XRP verzeichnet. Hätte eine breitere Verkaufswelle eingesetzt, wären Einzahlungen auf Börsen typischerweise schneller angestiegen und hätten den Negativwert Richtung Null gezogen.
Auch die Spot-ETFs wirken in dieser Logik zunächst wie ein stabilisierender Faktor. Seit dem Start seien laut ETF-Datenanbieter insgesamt 1,80 Milliarden US-Dollar an Cash in Spot-XRP-ETFs geflossen. Besonders relevant ist, dass die Zuflüsse sogar zeitweise einen Rekord im August erreicht haben, obwohl der Basiswert danach weiterhin unter Druck stand. Die Fonds verwenden das zugeführte Kapital, um XRP am Markt zu kaufen. Entsprechend entsteht aber auch zwangsläufig eine Bewertungsfrage: XRP handelt derzeit unter dem Preisniveau, zu dem ein Großteil der Bestände aufgebaut wurde.
Genau hier wird der Kontrast zwischen „unter Wasser“ und „trotzdem kaufen“ greifbar. Am 8. Oktober, als XRP zeitweise um 1,32 US-Dollar fiel, wurde der Wert der gehaltenen XRP in einem Fall mit 1,56 Milliarden US-Dollar beziffert – das entspräche etwa 13% weniger als die eingezahlten 1,80 Milliarden US-Dollar. Bei einem weiteren ETF-Produkt wird die Lücke den Angaben zufolge noch deutlicher: Der Abstand liege bei rund 31%, etwa 335,7 Millionen US-Dollar Vermögen gegenüber 486,8 Millionen US-Dollar kumulierten Zuflüssen. Auffällig ist außerdem die seltene Abgaben-Logik: Seit dem 18. September habe es nur einen Ausflusstags gegeben, genannt wird ein Abzug von 3,28 Millionen US-Dollar am 2. Oktober. Selbst als XRP im Rahmen der breiteren Korrektur zeitweise tiefer rutschte, habe ein ETF-Produkt am 8. Oktober weiter zugefasst (genannt werden 8,17 Millionen US-Dollar).
Für die Marktmechanik ist entscheidend, dass die Zuflüsse nicht im gleichen Tempo wie in der späten September-Phase weiterlaufen, aber dennoch positiv bleiben. Über die vergangenen 30 Tage hätten die Fonds weniger als 100 Millionen XRP hinzugekauft. Damit deutet der Vergleich zur Größenordnung der Exchange-Abflüsse darauf hin, dass ein großer Teil der aus Börsen abwandernden Menge nicht ausschließlich aus ETF-Käufen stammt. Mit anderen Worten: Ein Portfolio-Update spielt offenbar eine Rolle, bei der Halter XRP eher langfristig halten oder in andere Verwahrstrukturen verlagern, statt es an Börsen zurückzugeben.
In den nächsten Handelstagen wird sich diese „Geduld“ voraussichtlich an klaren Preisniveaus entscheiden. Der Kurs hatte seit dem Peak nahe 1,70 US-Dollar (22. August) einen Abwärtstrend gezeigt, nach einem Rallye-Anstieg von etwa 28% im August. Ein Rebound im September habe bei 1,65 US-Dollar gestoppt. Am 8. Oktober sei XRP unter 1,37 US-Dollar gefallen, habe damit eine zentrale Fibonacci-Marke (0,618) unterschritten, dann aber wieder oberhalb davon geschlossen. Solange 1,37 als Basis hält, bleiben Bewegungen Richtung 1,43 und 1,48 plausibel. Kommt es jedoch zu einem täglichen Close unter 1,37 und anschließendem Bruch unter 1,30, könnte das aus datengetriebener Sicht genau der Moment sein, in dem aus „Sitzenbleiben“ Verkaufsdruck wird. Dann würde sich der Blick laut der beschriebenen Marktlogik auf 1,20 richten – bei weiterer Schwäche im Gesamtmarkt sogar auf etwa 0,92 US-Dollar.
Für Unternehmen und professionelle Marktteilnehmer ist daran weniger die tagesaktuelle Kursbewegung relevant, sondern der Signalcharakter der Kombination aus stabilen Exchange-Abflüssen und anhaltenden ETF-Zuflüssen. Das Muster spricht eher für eine Verlagerung von Liquidität weg von Handelsplätzen und weniger für panikartige Umwandlung in kurzfristige Kaufkraft. Gleichzeitig zeigt die technische Einordnung, dass diese Geduld an Trigger gebunden ist: Sobald ein Niveau dynamisch bricht, kann das Verhalten von Haltern und ETF-Nachfrage in kurzer Zeit „von defensiv zu defensiv plus“ kippen. Wer Liquidität, Risiko- und Ausführungsstrategien steuert, sollte daher insbesondere die Reaktion rund um 1,37 US-Dollar und die Folgebewegung unter 1,30 US-Dollar eng mitverfolgen.
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