LONDON (IT BOLTWISE) – Nach einem Tag mit Null-Zufluss haben US-Spot-XRP-ETFs in den folgenden vier Handelstagen 75,6 Millionen US-Dollar zusätzlich eingesammelt. Laut SoSoValue blieb der kumulierte Wert seit Start zunächst bei rund 1,71 Milliarden US-Dollar, bevor die Linie wieder nach oben zeigte. Für Anleger bleibt die Kernfrage offen, ob das echte Nachfrage signalisiert oder ob sich vor anstehenden Netzwerk- und Token-Events nur Positionierungen aufbauen. Unklar bleibt dabei vor allem, wie stark die Zuflüsse im Verhältnis zu den gesamten ETF-Beständen tatsächlich sind.

Die Bewegung in den US-Spot-XRP-ETFs liest sich zunächst wie ein klares Signal: Nachdem am 21. September 2026 ein Tag mit „zero net movement“ gemeldet wurde, folgten vier aufeinanderfolgende Zuflusstage. In Summe kamen in diesem Zeitraum weitere 75,6 Millionen US-Dollar hinzu, wobei der stärkste Tag auf den letzten Abschnitt der vier Tage fiel. Entscheidend ist aber, wie man „Freeze“ und „Wiederbelebung“ zeitlich und zahlenmäßig voneinander trennt. Denn der Bericht nennt auch eine zweite Ebene der Interpretation: Der kumulierte Zufluss seit Launch lag am 21. September weiterhin bei etwa 1,71 Milliarden US-Dollar und bewegte sich erst danach wieder spürbar.
Technisch betrachtet bezieht sich „kumulative Nettozuflüsse“ auf die Differenz aus neuem Kapital in den Fonds und Auslösungen/Rückgaben seit Auflegung. Genau dieser Punkt macht die Messung so anfällig für Missverständnisse, wenn sie isoliert betrachtet wird. In der Quelle wird zudem sauber getrennt: Kumulative Nettozuflüsse zeigen nicht den Kurs von XRP, während das Gesamtvermögen (Net Assets) den aktuellen Marktwert des von den ETFs gehaltenen XRP-Portfolios abbildet. Wenn an zwei Stichtagen die kumulierte Nettozahl nicht steigt, ist das kein „Neutralpunkt“ der Nachfrage im wirtschaftlichen Sinn, sondern häufig lediglich ein Gleichgewicht aus Kreationen und Redemptions.
Die nächsten vier Tage liefern dann die konkreten Tagesbeträge: ungefähr 20 Millionen US-Dollar am 22. September, etwa 18 Millionen US-Dollar am 23. September, rund 14,9 Millionen US-Dollar am 24. September und schlussendlich etwa 22,6 Millionen US-Dollar am 25. September. Dadurch stieg der kumulierte Wert laut Darstellung auf nahezu 1,79 Milliarden US-Dollar. Auch wenn die Richtung wieder positiv ist, bleibt die absolute Größenordnung moderat: Am 25. September hielten die Fonds etwa 1,77 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten. Der Zufluss von 75,6 Millionen US-Dollar entspricht damit grob 4% des gesamten Pools – und selbst der beste Einzeltag lag bei rund 1,3%. In der Logik des Berichts ist das der Grund, warum aus diesen Tagen noch keine überzeugende Aussage über eine nachhaltige Nachfrage-Umkehr ableitbar ist.
Besonders interessant ist die Diskrepanz, die die Quelle zwischen ETF-Zuflüssen und dem Kursverlauf herausarbeitet. XRP lag am 26. September bei etwa 1,54 US-Dollar und hatte im betrachteten Zeitraum nach eigener Beschreibung einen starken Abschnitt: Am „zero-flow“-Tag wurde der Wert offenbar von 1,41 US-Dollar eröffnet und auf 1,54 US-Dollar geschlossen. Gleichzeitig fiel XRP zwischen dem 22. und 23. September um fast 6%, obwohl gerade diese Phase laut Daten von gleichmäßigen positiven Zuflüssen begleitet war. Für die Marktinterpretation heißt das: Ein ETF-Zufluss ist nicht automatisch deckungsgleich mit dem kurzfristigen Sentiment im gesamten Kryptomarkt, weil ein großer Teil des Handels in den Orderbüchern außerhalb der ETF-Struktur stattfindet. So können sich aktive Trader an Preisbewegungen orientieren, während die Kreationen/Rücknahmen der Fonds durch Mechanismen rund um Käufe und Verkäufe der Marktteilnehmer „zeitversetzt“ oder sogar entkoppelt auftreten.
Als mögliche Treiber nennt die Quelle mehrere Ereignisse, die sich über den gleichen Zeitraum legen und daher zumindest als Kontext für die Zuflüsse taugen. Dazu gehört die Batch Amendment genannte Protokoll-Änderung am XRP Ledger, die laut Darstellung zum Ende des Septembers aktiviert werden soll. Im Anschluss erwartet der Markt typischerweise eine Phase von Anpassungen, weil Ripple laut Quelle zu Beginn des Oktobers einen Teil der time-locked XRP freigibt. Solche Zeitpunkte beeinflussen oft das Verhalten von Tradern: Positionen werden teils vor Event-Fenstern aufgebaut, um nach der technischen Umstellung oder nach dem Token-Unlock nicht hinterherzulaufen. Daneben berichtet die Quelle von einer Verstärkung von Reward-Programmen für XRP sowie für Ripple-gebundene Stablecoins bei einer großen Handelsplattform rund um den 21. September, was eher dafür spricht, dass Halter weiterhin auf Exchange-Lösungen ausweichen können statt gezielt in ETF-Strukturen zu „switchen“.
Ein weiterer Punkt ist die Meldung zu einem Verlust von 103 Millionen XRP durch einen Sicherheitsvorfall bei Bitget. Hier ist die Formulierung besonders wichtig: Der Bericht ordnet den Vorfall einem Zusammenhang zu, der in der Quelle als „linked to North Korea“ beschrieben wird. Damit bleibt es in der Logik der Darstellung bei einer Einordnung, nicht bei einem rechtsfesten Sachverhalt. Auch inhaltlich wird kein direkter Brückenschlag zu konkreten ETF-Zuflüssen hergestellt: Es gibt in der Darstellung ausdrücklich keinen Nachweis, der den Hack mit bestimmten Kauf-/Zuflusstagen verbindet. Ergänzend wird der Kontext zu Ripple-Chef Brad Garlinghouse genannt: Er stelle sich demnach nicht strikt als „XRP-maximal“ dar und würde laut Quelle auch Stablecoins anbieten, sofern diese für Kunden bessere Lösungen liefern. Das unterstreicht letztlich, dass positives Momentum im Ripple-Ökosystem nicht zwangsläufig 1:1 in zusätzliche XRP-ETF-Nachfrage übersetzt.
In der Gesamtbewertung formuliert die Quelle das mögliche Ende der Freeze-Phase vorsichtig: Vom einen Tag mit Null-Zufluss hin zu vier positiven Zuflusstagen deutet eher auf eine Wiederaufnahme der Kreationen hin. Gleichzeitig bleibt die Nachfragequalität begrenzt interpretierbar, weil 75,6 Millionen US-Dollar im Verhältnis zu rund 1,77 Milliarden US-Dollar Gesamtassets klein bleiben. Dazu kommt der von der Quelle genannte Punkt, dass die kumulierten Zuflüsse (nahe 1,79 Milliarden US-Dollar) rechnerisch über dem Gesamtvermögen liegen und damit Spielraum dafür eröffnet wird, dass viele Halter eher „unterhalb der Gewinnzone“ agieren und in Preisrallys wieder verkaufen. Ob die Bewegung mehr ist als Vorpositionierung vor dem nächsten Unlocked/Release-Timing – laut Darstellung rund um den 1. Oktober – lässt sich erst beurteilen, wenn die kumulierte Linie weiter steigt und die Tage davor nicht erneut „flat“ oder negativ ausfallen.
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