LONDON (IT BOLTWISE) – Jay Nisbett erwartet für XRP einen tendenziell bullishen August, sieht die wahrscheinlichste Spanne aber zunächst bei rund 1,02 bis in den niedrigen Bereich von 1,30. Er rechnet damit, dass der Kurs anschließend kurzzeitig in den mittleren bis oberen 1-Dollar-Bereich vordringen kann – bis hin zum niedrigen 2-Dollar-Bereich. Gleichzeitig ordnet er diese Schritte als eher kurzfristige Moves mit möglicher schneller Gegenreaktion ein. Ergänzend deutet das sinkende Leverage-Umfeld laut Open-Interest-Daten auf einen weniger überfüllten Derivatehandel hin.

Für XRP könnte der kommende August volatiler werden, als es die Momentaufnahme bei 1,07 US-Dollar vermuten lässt. Zum Zeitpunkt der Analyse notiert der Token 1,0 % tiefer innerhalb der letzten 24 Stunden, 3,63 % im Wochenvergleich und 5,78 % über den vergangenen Monat. Besonders auffällig ist zudem der Rückgang von 42 % seit Jahresbeginn, der zeigt, wie durchwachsen die Stimmung in den vergangenen Monaten war. Genau in dieses Umfeld setzt Jay Nisbett seine Erwartung: Er hält zwar Schwankungen in beide Richtungen für möglich, sieht die Gesamtwahrscheinlichkeit aber eher auf der Käuferseite.
Technisch startet Nisbett mit einer Bandbreite, die für Trader zugleich Risiko- und Erwartungsrahmen ist: Im August sei XRP am ehesten zwischen 1,02 und dem niedrigeren 1,30er-Bereich unterwegs, bevor sich eine stärkere Bewegung formieren könnte. Von dort aus hält er zwei größere Ausgänge für realistisch: Entweder ein Durchmarsch in den mittleren bis oberen 1-Dollar-Bereich oder sogar der Weg in die Nähe des niedrigen 2-Dollar-Bereichs. Entscheidend ist dabei seine Einschätzung, dass ein Vorstoß in diese höheren Zonen nicht automatisch in eine ruhige Trendfortsetzung mündet, sondern häufig von einer schnellen Rücklaufbewegung gefolgt wird, bevor das größere Muster wieder übernimmt.
Damit diese Pfade nicht wie grobe Wunschzettel wirken, stützt der Analyst seine Prognosen ausdrücklich auf Chart-Level. In seinem Setup nutzt er verschiedene Markierungen: weiße gestrichelte Linien für einen eher „ausbalancierten“ Trendverlauf, blaue gestrichelte Linien für wahrscheinliche Swing-Highs und grüne gestrichelte Linien für mögliche Swing-Lows. Anstatt exakt einen einzigen Kursweg vorzugeben, beschreibt er mehrere Szenarien als farblich unterschiedliche Routen, die in Summe die Bandbreite der erwarteten Dynamik abstecken. In einem Szenario steigt XRP auf 2,50 US-Dollar und gibt anschließend wieder nach; in einem anderen läuft der Kurs moderater bis etwa 1,60 und fällt danach zurück auf Unterstützungszonen. Ausgehend vom aktuellen Kurs ergeben diese Ziele grob rechnerische Gewinnspannen zwischen 49,53 % und 134 %, wobei der Weg dorthin laut Nisbett nicht gradlinig, sondern durch Rücksetzer geprägt wäre.
Neben der Charttechnik ergänzt Nisbett eine psychologische Marktbetrachtung, die erklären soll, warum Kurse oft nicht dort „stehen bleiben“, wo viele Marktteilnehmer sie erwarten. Seine Argumentation: Viele Händler warten darauf, dass XRP wieder in Richtung 1,00 US-Dollar oder darunter fällt, weil dort aus ihrer Sicht die „sicherste“ Kaufgelegenheit liegt. Wenn der Kurs dieses Level aber nicht erreicht, könnten sie den potenziellen Move verpassen. Stattdessen sieht Nisbett das Risiko, dass ein Teil der Investoren erst kauft, wenn XRP bereits im mittleren 1-Dollar- bis 2-Dollar-Bereich angekommen ist. In so einer Phase könnten größere Marktteilnehmer die Volatilität verstärken und einen schnellen Rücksetzer auslösen, der späte Käufer überrascht.
Diese Dynamik fasst Nisbett als „wie ein Market Maker denken“ zusammen: Märkte bewegen sich demnach häufig gegen die vorherrschenden Retail-Erwartungen, bevor ein stabilerer Trend entsteht. Der aktuelle Befund deutet ohnehin darauf hin, dass der August eher als Monatsserie von Ausschlägen denn als gerader Trend gelesen werden muss. Interessant ist dabei auch, dass die Derivate-Seite offenbar weniger „voll“ wirkt als in der Rally-Phase zuvor. Laut den genannten Open-Interest-Daten ist das offene Interesse an XRP-Futures in USDC-stabilcoin-marginierten Kontrakten am 31. Juli auf rund 186 Millionen US-Dollar bei einer großen Börse gefallen, dem niedrigsten Stand seit April 2025. Eine andere Plattform nennt etwa 229 Millionen US-Dollar als Maximum, während eine dritte bei ungefähr 49 Millionen US-Dollar liegt.
Für die Marktmechanik ist das relevant, weil Open Interest häufig als Indikator dafür dient, wie stark der Markt über Hebelpositionen „besetzt“ ist. Weniger Open Interest bedeutet nicht automatisch steigende Kurse, aber es kann darauf hindeuten, dass weniger Positionen auf eine bestimmte Richtung „wartend“ aufbauen. Nisbett verknüpft diese Lesart mit dem Hinweis, dass für die Einordnung normalerweise mehrere Größen zusammenspielen: neben Open Interest auch Funding Rates, Handelsvolumen, Liquidationsereignisse und die Nachfrage im Spot-Markt. Bemerkenswert ist zudem die Konzentration: Die größten Teile des Open Interests entfallen laut Aufstellung gemeinsam auf zwei Handelsplätze, zusammen nahezu 89 % über die drei genannten Börsen. Das heißt: Wenn sich dort Stimmung und Liquidität schnell ändern, kann das auch die kurzfristige Kursfindung von XRP besonders stark beeinflussen.
Unterm Strich liefert Nisbett für den August ein Setup, das sowohl die Chance auf einen Vorstoß Richtung 2 US-Dollar als auch die Erwartung einer anschließenden Gegenbewegung in den Plan integriert. Wer Positionen aufbaut, muss damit nicht nur den Zielkorridor berücksichtigen, sondern auch den Pfad: zunächst die wahrscheinlichere Range um 1,02 bis in den niedrigen 1,30er-Bereich, danach mögliche Ausbruchsversuche in höhere Zonen. In der Praxis spricht genau das für ein risikoorientiertes Vorgehen mit klaren Schwellen für Invalidierung und Reaktion auf schnelle Retracements. Gleichzeitig kann ein weniger gehebelt geprägter Derivatemarkt das Spiel zwar nicht „entschärfen“, aber er verändert die Wahrscheinlichkeit, wie hart und wie schnell Liquidationen den nächsten Abschnitt anstoßen. Für Unternehmen und professionelle Anleger bedeutet das vor allem eines: Nicht nur Kursziele im Blick haben, sondern auch die Marktstruktur, die bestimmt, wie aus einem Chart-Level tatsächlich eine Bewegung wird.
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