LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Gegenüberstellung zweier Stichtage zeigt, dass der XRP-Schwellenwert für die Top-Perzentile seit 2024 deutlich gefallen ist. Gleichzeitig sind die relevanten Wallet-Zahlen in allen Bändern stark gestiegen. Ob dahinter breiteres Eigentum steckt oder vor allem mehr Custody- und neue Adressen, lässt sich aus den Prozentilen allein nicht sicher ableiten. Für Anleger und Analysten wird damit vor allem eines klar: Ranking ist eine Bevölkerungsstatistik, keine direkte Aussage über die Liquiditätslage.

Die Diskussion um „wer reich ist“ bei XRP wirkt auf den ersten Blick wie eine Boulevardfrage. Bei genauerem Hinsehen ist sie jedoch vor allem eine Messung der Adresspopulation auf dem Ledger. Zwei Screenshots, die am 3. September von einem X-Konto in die XRP-Community getragen wurden, vergleichen den Status „Top-Perzentile“ zwischen dem 30. Januar 2024 und dem 3. September 2026. Entscheidend ist nicht nur, wie viele Konten in den jeweiligen Bändern liegen, sondern vor allem, wie viel XRP sie mindestens halten müssen, um überhaupt in diesen Rangbereich zu fallen.
In der Momentaufnahme vom 30. Januar 2024 beginnt das Top-10%-Band bei knapp über 3.300 XRP, und die Schwelle „Top 0,01 %“ lag bei rund 5,90 Millionen XRP oder mehr. Konkret nennt die Tabelle: Top 0,01 % umfasst 504 Konten mit etwa 5,04 Millionen bis 5,90 Millionen XRP oder mehr (der Text nennt die Bandgrenze als „about 5.90 million XRP or more“). Top 0,1 % zählt 5.037 Konten bei rund 427.751 XRP, Top 1 % umfasst 50.370 Konten ab etwa 64.077 XRP. Drei Werte springen besonders ins Auge, weil sie die „Kosten“ des Rankings quantifizieren.
Am 3. September 2026 dreht sich das Bild deutlich: Das Top-10%-Band startet bei etwa 2.120 XRP, während Top 0,01 % bei rund 3,63 Millionen XRP oder mehr liegt. Dazu passen die neuen Kontenzahlen der jeweiligen Perzentilbereiche: Top 0,01 % zählt 812 Konten, Top 0,1 % 8.113 Konten, Top 1 % 81.127 Konten und Top 10 % 811.264 Konten. Die Quelle stellt dabei auch die Veränderung der absoluten Größenordnungen heraus: Von „rund 5,04 Millionen Konten“ im Jahr 2024 auf „rund 8,11 Millionen“ bis September 2026. Genau diese Kombination erklärt, warum „weniger XRP reicht, um den gleichen prozentualen Rang zu erreichen“.
Technisch betrachtet ist die Logik simpel, die Interpretation aber anspruchsvoll. Percentiles messen Rangpositionen innerhalb einer Population – nicht den absoluten Besitz einzelner Großhalter oder die Veränderung der frei zirkulierenden XRP. Wenn in 32 Monaten in vielen Segmenten neue Wallets auftauchen, rückt die Verteilung automatisch nach: Der „Cutoff“ für das Top-10%-Band sinkt, selbst dann, wenn sich die großen Bestände nicht wesentlich verringern. In der Gegenüberstellung wird das für alle genannten Bänder quantifiziert: Top 0,01 % fällt vom Start bei knapp 6 Millionen auf etwa 3,63 Millionen XRP (rund 38 % weniger), Top 0,1 % von ca. 428.000 auf etwa 277.000 XRP, Top 1 % von etwa 64.000 auf rund 44.500 XRP und Top 10 % von etwa 3.333 auf etwa 2.120 XRP.
Wichtig ist dabei, was die Ledger-Zählung nicht aufräumt: Die Tabelle behandelt jede Adresse als „Account“, ohne zu unterscheiden, ob es sich um ein Privathandelskonto, ein Dust-Wallet oder einen operativen Adressraum eines Instituts handelt. Dazu nennt die Quelle mehrere plausible Treiber für den Anstieg der Wallets: neue Retail-Wallets, Exchange- und Custody-Konten, neu eröffnete Operational Addresses, Wallet-Splitting sowie Dust-Wallets, die nicht sauber wieder „zu“ werden. Dass das XRP Ledger solche Fälle nicht automatisch zu höheren Einheiten zusammenfasst, ist der Grund, warum die scheinbar „billigere“ Reichweite des Rankings nicht zwingend eine Verarmung von Whales bedeutet. Sie kann genauso gut bedeuten, dass die Verteilung „kleiner geteilt“ wird – durch mehr Adressen bei ähnlichen großen Beständen.
Genau deshalb eignet sich das Ergebnis nicht als direktes Trading-Signal. Die Gegenüberstellung stellt ausdrücklich klar: Es ist weder ein Buy- noch ein Sell-Signal und es liefert auch keinen Beleg dafür, dass das Netzwerk plötzlich „dezentraler“ geworden sei. Ein niedrigerer Cutoff kann auf breiteres Eigentum hinweisen – oder schlicht auf mehr Wallets, bei denen die großen Halter gleich bleiben, während Custody-Strukturen wachsen. Für die nächste Auswertungsfrage macht die Quelle deshalb einen methodischen Punkt: Neue Wallets sind zwar sichtbar, aber was sie tatsächlich tun – etwa ob sie weiterhin halten, umschichten oder nur kurzfristig auftauchen – entscheidet darüber, ob sich hinter der Statistik echte ökonomische Beteiligung verbirgt.
Praktisch heißt das für die Marktbeobachtung: Die „Linie, die hängen bleibt“, ist das Muster von Januar 2024 bis September 2026 – das Top-10%-Band startet von „knapp über 3.300 XRP“ auf „nahe 2.100 XRP“. Der Club wird größer, die Eintrittsgebühr in XRP sinkt. Gleichzeitig bleibt aber die Frage offen, welche Rolle die neu hinzugekommenen Konten im Ökosystem spielen. Wer die Entwicklung für Portfolio-Planung oder Risikobewertung nutzen will, sollte die Prozentil-Cutoffs daher mit weiteren Indikatoren kombinieren, etwa zu Exchange-Flows, zu Verwahrstrukturen und zur zeitlichen Haltedynamik einzelner Adressen. Nur so lässt sich aus dem „Wer zählt“ nicht nur das „Wie viele“ ableiten, sondern auch das „Warum“.
Im weiteren Verlauf wird sich zeigen, ob die neue Wallet-Realität eher auf langfristige Distribution einzahlt oder ob sie vor allem durch buchhalterische Kontenbildung und Custody-Mechaniken angetrieben wird. Für technische und quantitative Teams ist das die eigentliche Einladung: Nicht die Schlagzeile zum „Rich-Ranking“ ist der Engpass, sondern die Zuordnung von Adressen zu wirtschaftlichen Einheiten. Erst dann wird aus dem prozentualen Bild eine belastbare Aussage über Liquidität, Zirkulation und echte Eigentumsverhältnisse.
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