LONDON (IT BOLTWISE) – Laut XRPSCAN entfallen auf die 10 größten bekannten XRP-Halter zusammen rund 64,1% der Gesamtmenge. Ripple liegt mit knapp 40% weit vorn, wobei der Wert stark durch im Escrow hinterlegte Bestände geprägt wird. Auch große Börsen erscheinen in der Rangliste, doch deren Wallets spiegeln häufig Custody für Kundenguthaben wider. Entscheidend ist daher weniger „Eigentum“ als die Frage, wie XRP technisch gebunden oder als Verwahrguthaben ausgewiesen ist.

Wer „besitzt“ XRP, ist 2026 weniger eine Frage von Schlagzeilen als von Buchführung auf der Blockchain. XRPSCAN ordnet die 10 größten bekannten Entitäten anhand von zugeordneten Wallet-Adressen ein und kommt dabei auf einen Anteil von ungefähr 64,1% an der gesamten XRP-Zirkulation bzw. dem ausgewiesenen Token-Supply. Im Ranking ragt Ripple deutlich heraus: Die Plattform weist für Ripple rund 39,95% aus. Der wichtige Zusatz steht aber ebenfalls in den XRPSCAN-Daten: Ein großer Teil dieses Bestands liegt nicht frei verfügbar als sofort handelbares Guthaben vor, sondern ist in Escrow-Strukturen hinterlegt.
Technisch lässt sich die Konzentration damit besser verstehen, wenn man die Versorgungslogik des XRP-Ledgers einordnet. Die maximale Gesamtmenge beträgt 100 Milliarden XRP. Davon sind laut Quelle etwa 68,13 Milliarden XRP im Umlauf, während rund 31,85 Milliarden XRP im Escrow verbleiben. Zusätzlich nennt XRPSCAN einen permanent verbrannten Anteil: etwa 14,38 Millionen XRP sind demnach dauerhaft aus dem System entfernt. Genau diese Mischung aus „im Umlauf“ und „in Escrow gebunden“ erklärt, warum Ripple im Ranking so stark wirkt: Die Position enthält laut Quelle insbesondere Escrow-Bestände (genannt werden 35,7 Milliarden XRP in Escrow) sowie weitere Token in Kontoständen.
Das zweite große Konzentrationsmuster zeigt sich bei zentralisierten Börsen, die in XRPSCAN als eigene Entitäten auftauchen, obwohl sie typischerweise Custody-Guthaben verwalten. UPbit (rund 6,41 Milliarden XRP über 13 Konten), Coinbase (etwa 5,82 Milliarden XRP über 355 Konten) und Binance (Adressen mit ungefähr 2,74 Milliarden XRP) bilden dabei das Fundament der „Exchange“-Gruppe in den Top 10. Ergänzend erscheinen Bithumb, Uphold und bitbank. Für die Interpretation ist jedoch entscheidend: Eine Börsen-Wallet ist in der Regel nicht gleichbedeutend mit direktem Eigentum im wirtschaftlichen Sinne, denn sie kann XRP im Auftrag von Kunden verwahren. Eine einzelne Blockchain-Adresse kann damit potenziell die Nutzungsrechte von sehr vielen wirtschaftlich Berechtigten abbilden, auch wenn XRPSCAN „einen Halter“ meldet.
Neben den institutionell geprägten Akteuren tauchen auch frühe Figuren des Ökosystems in der Liste auf. XRPSCAN verknüpft Chris Larsen mit sieben Konten und einem Bestand von ungefähr 2,53 Milliarden XRP (2,53% des Supplies). Arthur Britto wird ebenfalls über sieben Konten geführt; dort weist die Quelle rund 1,3 Milliarden XRP aus. Daneben findet sich mit einer „unidentified wallet“ auch eine nicht eindeutig zuordenbare Entität auf Platz 7: etwa 1,8 Milliarden XRP werden als 1,80% des gesamten Supplies ausgewiesen. Diese Mischung aus klar identifizierbaren Firmen, prominenten Einzelpersonen und anonymen Wallets verdeutlicht, warum allein der Prozentsatz im Ranking noch keinen vollständigen Blick auf reale Verfügungsrechte liefert.
Für Marktteilnehmer ergibt sich daraus eine differenzierte Lesart: Ja, die Daten zeigen eine weiterhin starke Konzentration bei einer relativ kleinen Gruppe bekannter Entitäten, die einen wesentlichen Anteil an XRP im Ledger-Tracking „repräsentieren“. Gleichzeitig verschiebt sich die Bedeutung von „Kontrolle“ in Richtung „Verwaltung“ und „technisch gebundene Bestände“. Ripple dominiert nicht nur wegen der Größe des Unternehmens-Wallet-Sets, sondern vor allem, weil ein erheblicher Teil der Token als Escrow ausgewiesen ist. Bei Börsen hingegen spiegelt der Wallet-Saldo meist die Custody-Kette wider, also Tokens, die wirtschaftlich breit gestreut sein können, selbst wenn das Blockchain-Label auf wenige technische Entitäten fällt.
Für die KI-gestützte Analyse von Kryptomärkten und für interne Risk-Modelle in Unternehmen ist genau diese Unterscheidung praktisch: Wer aus On-Chain-Top-Halterdaten Rückschlüsse auf Liquidität, Verkaufsdruck oder Stimmungswechsel ziehen will, braucht zusätzlich Metadaten zur Token-Verfügbarkeit. Escrow-gebundene Bestände verhalten sich anders als sofort handelbare Walletsalden; Börsen-Custody ist wiederum kein Synonym für einzelne Eigentümer-Entscheidungen. In der Praxis heißt das: Kennzahlen wie „Top-10-Anteil“ sind nützlich als Konzentrationsindikator, müssen aber mit Zustandsinformationen (Umlauf versus Escrow, Verwahrstruktur versus Eigenbestand, Burn-Events) kombiniert werden, um Fehldeutungen zu vermeiden. So wird aus einem Ranking-Overlay ein belastbarerer Baustein für Monitoring und Szenarioanalysen.
Für die weitere Beobachtung in 2026 lohnt sich deshalb weniger die Frage „wer ist Platz 1“, sondern „welcher Anteil ist tatsächlich frei verfügbar und wie stabil ist die Zuordnung“. XRPSCAN gruppiert Konten nach dem Muster „Accounts linked to the same known entity“, was die Ranglisten für die Identifikation hilfreich macht, aber zugleich Interpretationsspielraum bei komplexen Custody-Strukturen lässt. Unternehmen, die XRP-bezogene Workflows betreiben, können daraus vor allem operational ableiten, wie sie Wallet-Daten in Modelle einspeisen: Mit klaren Annahmen zur Verfügbarkeit, mit Vorsicht bei Börsen-Wallets und mit expliziter Berücksichtigung der Escrow-Komponente.
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