LONDON (IT BOLTWISE) – XRP-Spot-ETFs markieren ihr erstes Jahr: Laut kumulierten Nettozuflüssen flossen rund 1,81 Milliarden US-Dollar in die Produkte. Gleichzeitig notiert XRP deutlich schwächer – von 2,32 US-Dollar am Starttag auf 1,25 US-Dollar, ein Minus von 46,1%. Damit stellt sich die Kernfrage, ob ETFs die Nachfrage nach XRP wirklich erhöhten oder ob der Kapitalzufluss bisher verpuffte. Für das zweite Jahr entscheidet sich die Richtung vor allem an den Größenordnung neuer Mittelzuflüsse und dem weiteren Verkaufsdruck.

Zum ersten Jahrestag der XRP-Spot-ETFs fällt die Bilanz zweigeteilt aus: In den Produkten selbst sind die Zuflüsse sichtbar, beim zugrunde liegenden Vermögenswert spiegelt sich das jedoch kaum. Seit dem Start des ersten Fonds am 13. November 2025 haben die ETFs nach kumulierten Nettozuflüssen einen Wertzuwachs von insgesamt 1,81 Milliarden US-Dollar erreicht, obwohl XRP im selben Zeitraum stark nachgegeben hat. Besonders aufschlussreich ist der Startpunkt: XRP schloss am ersten Handelstag bei 2,32 US-Dollar und notiert inzwischen bei rund 1,25 US-Dollar. Diese Diskrepanz zwischen Kapitalströmen in ETFs und Kursentwicklung prägt die Diskussion um den tatsächlichen Nutzen für Privatanleger, die sich eine bequemere, börsengehandelte Alternative zu Wallet-basiertem Trading erhofft hatten.
Technisch betrachtet ist ein Spot-ETF vor allem eine Hülle: Der Fonds hält XRP direkt, sodass Anleger Kursbewegungen über ihr Depot und ohne eigene Krypto-Wallet abbilden können. In der Theorie reduziert das Hürden wie Wallet-Management, On-Chain-Transaktionen oder komplizierte Verwahrung – und erweitert damit den potenziellen Kreis der Käufer. Genau auf diese Zielgruppe zielten die frühen Platzierungen: Der Fokus lag auf Finanzberatern, auf Altersvorsorgekonten und auf Institutionen, die Krypto zwar bepreisen möchten, aber die direkte Verwahrung scheuen. Dass dabei mehrere Emittenten parallel gestartet sind, zeigt auch, wie schnell der Markt nach dem ersten Launch ähnliche Strukturen nachgezogen hat: Neben Canary folgten Bitwise, Grayscale, Franklin Templeton und 21Shares; die späteren Fonds werden an NYSE und Cboe gehandelt.
Doch gerade die nächste Kennzahl – die Höhe der Nettovermögenswerte – zeigt, warum Zuflüsse allein nicht automatisch zu steigenden Kursen führen. Per 30. Oktober lagen die kumulierten Nettozuflüsse bei 1,81 Milliarden US-Dollar, während die Fonds insgesamt nur rund 1,42 Milliarden US-Dollar an Nettovermögenswerten hielten. Der Unterschied lässt sich laut Quelle vor allem auf den Kursrückgang von XRP zurückführen, weil der ETF-Vermögensbestand preisbedingt mit abnimmt. Die Vermögenswerte hatten ihren Peak bereits um den 6. Oktober herum bei etwa 1,70 Milliarden US-Dollar erreicht und waren bis zum Stichtag spürbar zurückgegangen. Auffällig ist zudem das Aktivitätsmuster: In der Woche rund um den 30. Oktober zählten die ETFs zwar zu den wenigen bedeutenden Spot-Krypto-Produkten mit Nettozuflüssen, während etwa Bitcoin-ETFs Abflüsse und Ethereum sowie Solana ebenfalls Belastungen verzeichneten. In der Tagesbetrachtung bleibt der Effekt jedoch eher moderat, mit Tagen im Bereich von wenigen Millionen US-Dollar – darunter 8,4 Millionen US-Dollar am 29. Oktober als bestes Tagesniveau des Monats.
Damit landet man bei der eigentlichen Anlegerfrage: Haben XRP-ETF-Käufer das geliefert bekommen, was sie beim Start erwartet haben? XRP ist im Kursverlauf deutlich gefallen: Am höchsten Stand der betrachteten Periode liegt das Allzeithoch bei 3,65 US-Dollar vom 17. Juli 2025, während der aktuelle Kurs etwa 65,8% darunter liegt. Über das vergangene Jahr ergibt sich ein Rückgang um 50,5%, plus ein Year-to-date Minus von 32,1%. Besonders herausfordernd waren die Sommermonate, in denen XRP ein Jahrestief nahe 0,99 US-Dollar am 16. August markierte. Zwar kam es danach zu einer Erholung, doch die letzten 30 Tage zeigen erneut Abwärtsdruck: etwa -15,9% und ein Handel unter den gleitenden Durchschnitten von 20 Tagen (1,30 US-Dollar), 50 Tagen (1,39 US-Dollar) und 200 Tagen (1,28 US-Dollar). Aus Marktsicht deutet das auf dominierende Verkäufer hin; selbst wenn die ETF-Zuflüsse stabil bleiben, reichen sie offenbar nicht aus, um den breiteren Verkaufsdruck zu neutralisieren.
Die Dynamik wirkt deshalb wie ein Testlauf für die Erwartungsbildung im ETF-Zeitalter: Während die ETF-Anleger ihre Positionen offenbar weiter aufstockten, spiegelt sich der zusätzliche Kaufdruck bislang nicht in einer nachhaltigen Preiswende. Ein Investor, der XRP rund um die Launch-Woche bei 2,32 US-Dollar gekauft hätte, läge aktuell bei einem ähnlichen Verlust von etwa 46,1% wie die Kursentwicklung, die die ETF-Anteile abbilden – inklusive der Effektivität von Gebührenstrukturen, die sich in der Performance der ETF-Shares zeigen können. Gleichzeitig spricht die beobachtete Treue für eine klar definierte Käuferschicht, die Rücksetzer als Gelegenheit betrachtet: Selbst als in anderen Spot-Krypto-ETFs laut Quelle größere Summen abflossen, setzten die XRP-ETFs ihren Zufluss fort. Entscheidend bleibt jedoch die Größenordnung: Mit einem Marktwert von rund 79,1 Milliarden US-Dollar sind selbst 1,8 Milliarden US-Dollar Nettozuflüsse über ein Jahr im Verhältnis zur gesamten Marktkapitalisierung bisher zu klein, um einen Trendbruch sicher zu erzwingen.
Für das zweite Jahr hängt das Szenario an zwei Stellschrauben. Auf der Angebotsseite ist vor allem relevant, ob die wöchentlichen Zuflüsse von XRP-ETFs deutlich über das bisherige Niveau steigen – etwa in Richtung mehrstelliger Millionen oder darüber hinaus – und ob sich die Nettovermögenswerte wieder an frühere Spitzenwerte wie rund 1,70 Milliarden US-Dollar annähern. Auf der Nachfrageseite bleibt der Kursverlauf von XRP der Prüfstein: Falls der Markt erneut in Richtung des August-Tiefs nahe 0,99 US-Dollar rutscht, könnten die Fonds – trotz laufender Käufe – weiterhin Vermögenswerte verlieren und das Sentiment der Anleger entsprechend gedämpft bleibt. Umgekehrt könnte sich die Perspektive drehen, wenn Zuflüsse nicht nur konstant, sondern auch groß genug werden, um Verkaufsdruck zu überlagern. Bis dahin bleibt die zentrale Erkenntnis: XRP-Spot-ETFs zeigen Nachfrage nach der Anlageform, aber nicht automatisch den erhofften Preissprung.
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