LONDON (IT BOLTWISE) – Deutsche Unternehmen geben ihren Kunden im Schnitt 32,21 Tage Zahlungsziel. Das ist der höchste Wert seit sieben Jahren und liegt damit um 0,75 Tage über dem Vorjahr. Laut einer Creditreform-Auswertung verlängern vor allem große Betriebe und der Einzelhandel die Fristen, während die Chemiebranche leicht gegensteuert. Gleichzeitig sinkt die Zahlungsmoral stellenweise, was die Liquidität von Lieferanten spürbar unter Druck setzt.

Wer Rechnungen schreibt, spürt die Kalenderlogik seiner Kunden oft erst, wenn das Geld bereits zu spät auf dem Konto landet. Genau dieses Spannungsfeld zeigt eine aktuelle Creditreform-Studie: Im ersten Halbjahr 2026 lagen die durchschnittlichen Zahlungsziele deutscher Unternehmen bei 32,21 Tagen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 0,75 Tagen – und damit einem Niveau, das es nach Angaben der Studie so lange nicht mehr gegeben hat. Für viele Finanz- und Einkaufsteams bedeutet das eine Verschiebung im Working-Capital-Plan, selbst wenn die Absatzseite stabil wirkt.
Besonders auffällig ist die Streuung nach Unternehmensgröße, weil sie die Mechanik hinter den Zahlungsfristen erklärt: Große Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten räumen ihren Kunden im Schnitt 35,51 Tage ein. Kleine Firmen bis maximal 50 Mitarbeiter kommen dagegen auf 26,37 Tage. In der Praxis heißt das, dass sich das Liquiditätsrisiko asymmetrisch verteilt. Während Abnehmer länger warten, tragen Lieferanten die Finanzierungslücke – entweder über Eigenkapital oder über kurzfristige Kredite, deren Konditionen in vielen Unternehmen aktuell ohnehin eng kalkuliert werden müssen.
Auch die Branchenprofile zeichnen ein klares Bild. In der Logistik, im Einzelhandel und bei Konsumgütern weiteten Unternehmen die Fristen laut Studie besonders deutlich aus. Der Einzelhandel erhöhte sein Zahlungsziel auf 34,79 Tage, ein Plus von 2,06 Tagen; zugleich sank dort zwar der tatsächliche Verzug leicht auf 6,50 Tage, dennoch stieg die Gesamtdauer bis zum Geldeingang auf 41,29 Tage. Dieses Muster ist typisch für verlängerte Zahlungsziele: Selbst wenn die verspätete Zahlung weniger stark ausfällt, verschiebt sich der Gesamtzeitraum durch die längere Grundfrist nach hinten.
Ein Gegenpol ist die Chemiebranche: Dort wurden die Zahlungsziele leicht gekürzt, zugleich bleibt sie mit 40,51 Tagen der Spitzenreiter. Diese Kombination macht deutlich, dass „kurz“ im Branchenvergleich relativ ist – und dass Entscheider nicht nur auf den Trend schauen sollten, sondern auch auf absolute Zahlungsfenster. Die Studie ordnet den Druck zudem in ein größeres Ursachenbild ein: Gestiegene Material- und Kraftstoffpreise gelten als Treiber, wobei als Kontext auch eine Krise im Nahen Osten genannt wird. Ergebnis: Unternehmen warten im Schnitt über 40 Tage auf ihr Geld; zusammen mit einem deutschlandweiten Zahlungsverzug von 8,14 Tagen belastet das die Liquidität der Lieferanten zunehmend.
Wenn die Gesamtdauer bis zum Geldeingang steigt, entscheidet oft weniger die Länge des Mahnzyklus als die Qualität der Formulierungen. Praktisch relevant ist dabei, dass Mahnwesen-Prozesse sauber zwischen kaufmännischer Erinnerung, formaler Mahnung und rechtlich belastbarer Korrespondenz trennen müssen. Für Finanzabteilungen heißt das: Vorlagen sollten den Status der Forderung nachvollziehbar abbilden, Fristen eindeutig setzen und die Kommunikation so gestalten, dass sie im Streitfall belastbar bleibt. Genau an dieser Stelle können digitale Workflows helfen, etwa indem sie Mahntexte versionieren, Fristen automatisch berechnen und fehlende Pflichtangaben vor dem Versand gegen Regeln prüfen.
Für Unternehmen, die ihre Cash Conversion Cycle-Logik ernst nehmen, ist die Meldung deshalb mehr als eine Momentaufnahme. Sie zeigt, dass verlängerte Zahlungsziele nicht nur den Einkauf betreffen, sondern entlang der Lieferkette bis in die Debitorenbuchhaltung wirken – und damit auch in die Planung von Zahlungsströmen, Skontofähigkeit und kurzfristigen Finanzierungen. Die nächsten Schritte liegen häufig in einem Mix aus konsequenterem Forderungsmanagement, klarer Kreditpolitik gegenüber Kunden unterschiedlicher Bonitätsprofile und einer stärker automatisierten Dokumentationskette. Schon kleine Verbesserungen beim Übergang von der Rechnung zur belastbaren Mahnung können die Zeit bis zur Zahlung spürbar verkürzen – und damit die Liquiditätslage stabilisieren.
Hinweis: Der vorliegende Text stellt keine Anlageberatung dar und enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten erfolgen ohne Gewähr; Änderungen sind jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Beiträge können ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von KI erstellt und geprüft werden.
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