ERFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach der Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt Ende September hat die Suche nach Anschlussjobs für die gekündigten Mitarbeitenden begonnen. Die Agentur für Arbeit Mittelthüringen meldet bisher rund 1.700 der ehemaligen Beschäftigten als Arbeitssuchende. Die Leiterin Irena Michel rechnet damit, dass die Zahl weiter steigt, etwa wenn Kündigungsfristen enden oder Beschäftigte aus Elternzeit und Krankheit zurückkehren. Für die nächsten Monate nennt sie als Ziel, etwa ein Drittel direkt in eine Beschäftigung zu vermitteln, parallel sind Weiterbildung und Qualifizierung vorgesehen.

Die Folgen einer Standortschließung werden in Erfurt gerade nicht im großen Stil über Schlagzeilen abgearbeitet, sondern über die tägliche Arbeit einer Vermittlungsstruktur, die Zeitfenster bis zur nächsten Vertragslaufzeit füllt. Nachdem das große Zalando-Logistikzentrum Ende September geschlossen wurde, ist bei der Agentur für Arbeit Mittelthüringen die Suche nach Anschlussjobs gestartet. Laut Angaben von Irena Michel sind bisher etwa 1.700 ehemalige Zalando-Beschäftigte als Arbeitssuchende gemeldet. Damit verschiebt sich der Fokus von der operativen Logistik auf eine klassische arbeitsmarktpolitische Aufgabe: passgenaue Vermittlung, um Phasen der Arbeitslosigkeit zu verkürzen.
Für die Vermittlungsquote kommt es laut Michel auf zwei Stellschrauben an: Erstens die direkte Anschlussbeschäftigung und zweitens die Kapazität, Qualifikationslücken zwischen neuem Bedarf und vorhandenen Profilen zu schließen. Sie erklärte, man wolle möglichst viele „direkt in eine Anschlussbeschäftigung“ vermitteln. Als realistisch betrachtet sie, ein Drittel der Menschen in den nächsten sechs Monaten in Arbeit zu bringen. Entsprechend arbeitet die Agentur nicht nur mit Stellenangeboten, sondern auch mit Optionen zur Weiterbildung und Qualifizierung, bis hin zum Erlernen eines neuen Berufs, wenn die Anforderungen der offenen Rollen dies nahelegen.
Organisatorisch setzt die Agentur dabei auf ein spezialisiertes Team, das genau für Standortschließungen und Umstrukturierungen im Strukturwandel ausgelegt ist. Bei der Schließung in Erfurt hatte die Arbeitsagentur nach der Ankündigung, das borsennotierte Internet-Modeunternehmen werde das Logistikzentrum im Herbst schließen, bereits ein Büro direkt im Unternehmen eingerichtet. Dieses Vorgehen zielt darauf ab, Beratung frühzeitig zu verankern, statt erst dann zu reagieren, wenn Kündigungsfristen ausgelaufen sind. Gleichzeitig bleibt das Timing arbeitsmarkttechnisch heikel, weil der Bestand an Arbeitssuchenden typischerweise zeitversetzt ansteigt: Michel geht davon aus, dass die gemeldete Zahl noch zunehmen wird, etwa wenn Kündigungsfristen enden oder Personen aus Elternzeit sowie Krankheit zurückkehren.
Ein zusätzlicher Faktor ist die Internationalität des ehemaligen Logistikpersonals: Von den zuvor etwa 2.700 Beschäftigten kommen viele aus mehreren Dutzend Staaten. Die Sprachbarriere kann bei einem Teil der Arbeitssuchenden ein Vermittlungshindernis sein, wie Michel betonte. Besonders relevant wird das in einem Umfeld, in dem die regionale Nachfrage zwar vorhanden ist, aber häufig in operativen Schicht- und Logistikprozessen stattfindet, die schnelle Einarbeitung erfordern. Michel nannte als Beispiele ehemalige Beschäftigte aus Osteuropa sowie Geflüchtete aus Syrien und Menschen mit Herkunft aus Nigeria, was die Heterogenität der Ausgangsprofile unterstreicht.
Auch die regionale Angebotslage beschreibt die Agentur relativ konkret. Nach ihrer Einschätzung gibt es in Mittelthüringen ein „recht gutes Jobangebot“ in der Logistik, allerdings nicht nur bei großen Logistikern, sondern auch bei Logistikbereichen von Industrieunternehmen. Derzeit stünden etwa 600 Stellen im engeren oder weiteren Logistikbereich zur Verfügung. Genannt wurden beispielhaft Apfelstädt im Kreis Gotha und Straußfurt im Kreis Sömmerda, bei denen Mobilität nötig ist, weil die Arbeitswege über den unmittelbaren Umfeldradius hinausgehen können. Entsprechend betonte Michel, dass das „Mobilität“ voraussetzt, während sie zugleich schätzt, dass rund 80 Prozent der Ex-Zalando-Beschäftigten in Mittelthüringen wohnen und leben.
Für Unternehmen und Kommunen ergibt sich aus dem Fall in Erfurt ein Muster, das auch in anderen Umstrukturierungsphasen relevant wird: Regionale Personalbedarfe treffen auf eine definierte Transfergruppe, die nicht nur fachlich, sondern auch kulturell und sprachlich heterogen sein kann. Die entscheidende operative Frage ist dabei weniger „ob“ Vermittlung stattfindet, sondern wie schnell sie skaliert, sobald sich die Zahl der gemeldeten Personen durch auslaufende Fristen und Rückkehrphasen erhöht. Wenn ein Drittel des Pools innerhalb von sechs Monaten in Arbeit kommen soll, müssen passende Rollen, Einarbeitungsprozesse und gegebenenfalls Sprach- oder Qualifizierungsangebote eng verzahnt werden. Künstliche Intelligenz spielt in diesem Bericht selbst keine Rolle, doch als Trend aus der Arbeitsmarkt- und HR-Praxis ist klar: Matching-Ansätze, die Profile strukturiert auswerten, können perspektivisch helfen, den Abgleich zwischen Fähigkeiten und Stellenanforderungen zu beschleunigen – hier entscheidet jedoch primär die konkrete regionale Umsetzung.
Damit bleibt die Vermittlungsarbeit in Erfurt auf den Zeitraum bis in die ersten Monate nach der Schließung fokussiert. Die Agentur kündigt dafür ein Vorgehen an, das Beratung früh kombiniert, Vermittlung als Standardroute priorisiert und Qualifizierung als Reserve einplant, wenn kurzfristig keine passende Stelle verfügbar ist. Gleichzeitig zeigt das Beispiel, wie stark der Erfolg von externen Faktoren abhängt: dem Umfang des regionalen Logistikbedarfs, der Bereitschaft zur Mobilität und der Fähigkeit, sprachliche Hürden in der Praxis zu adressieren. Für die Betroffenen heißt das vor allem, dass die nächsten Schritte – von der Meldung als Arbeitssuchende über die Auswahl passender Rollen bis zur möglichen Weiterbildung – jetzt planbar werden und nicht erst mit Verzögerung einsetzen.
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