BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Zalando meldet für das zweite Quartal 2026 profitables Wachstum und setzt dabei auf eine beschleunigte Expansion im B2B-Geschäft. Das Konzern-GMV steigt um 20,7 % auf 4,9 Milliarden Euro, während der Umsatz auf 3,4 Milliarden Euro zulegt. Das bereinigte EBIT wächst um 10 % auf 205 Millionen Euro und die KI-Plattform SCAYLE STUDIOS erreicht nach 2,5 Monaten bereits über 100 Marken. Gleichzeitig konkretisiert das Unternehmen die Jahresziele für GMV, Umsatz und bereinigtes EBIT im Rahmen der Markterwartungen.

Im zweiten Quartal 2026 zeigt Zalando ein gleichzeitiges Spiel aus Wachstum und Effizienz: Das Konzern-GMV klettert ausgewiesenen 20,7 % auf 4,9 Milliarden Euro, der Konzernumsatz steigt auf 3,4 Milliarden Euro. Auffällig ist dabei nicht nur die Dynamik im Endkundengeschäft, sondern der klar beschleunigte Schwerpunkt auf B2B. Das bereinigte EBIT wächst um 10 % auf 205 Millionen Euro; die um Konsolidierungseffekte bereinigte Perspektive spielt hier eine zentrale Rolle, weil Zalando die ABOUT-YOU-Integration als Ergebnishebel nennt. Damit rückt auch die Frage in den Vordergrund, wie stark die bereits laufenden KI-Initiativen nicht nur Marketing und Personalisierung, sondern ganz konkrete Produktions- und Prozesskosten im Handel beeinflussen.
Technisch und operativ liefert Zalando dafür zwei konkrete Anker: SCAYLE STUDIOS und den weiterentwickelten Zalando Assistant. SCAYLE STUDIOS ist als KI-gestützte Content-Plattform für Fashion- und Lifestyle-Produktion beschrieben und soll E-Commerce-Produktionen von Wochen auf Minuten verkürzen. Kernidee ist dabei, dass die KI-Anwendung Bilder, Models, Styling und Hintergründe gemeinsam verarbeitet und das Ergebnis über die B2B-Softwareeinheit SCAYLE in einem Self-Service-Prozess bereitstellt. Das ist aus Umsetzungssicht relevant, weil es den Flaschenhals klassischer Content-Projekte verschiebt: Statt dass Teams zwischen Fotostudio, Auswahl- und Freigabeschritten hin- und herarbeiten, entsteht Material über einen weitgehend standardisierten KI-Workflow, der sich skalieren lässt, sobald geeignete Eingangs- und Stilinformationen vorliegen.
Dass diese Skalierung bereits messbar ist, unterstreicht Zalando mit einer sehr klaren Zeitachse: Innerhalb von 2,5 Monaten nach Launch nutzt über 100 Marken SCAYLE STUDIOS; darunter werden ABOUT YOU sowie Unternehmen wie die s.Oliver Group, die Betty Barclay Group und Goldner Fashion genannt. Für die Wirtschaftlichkeit nennt das Unternehmen drei Kennzahlen: Produktionszeit minus mehr als 95 %, Kostenreduzierung rund 90 % und ein schnellerer Weg von Produktmustern zu Bildmaterial. Genau diese Kombination ist für Entscheider in der Modebranche interessant, weil sie nicht nur die Kosten senkt, sondern auch das Tempo der Markteinführung verändert. Wenn Bildproduktion und Content-Updates weniger von Studio-Kapazitäten und Terminlogik abhängen, können Warentests, Saison-Feinjustierungen und Kampagnenanpassungen schneller in den Shop gelangen.
Auf der Kundenseite greift Zalando zusätzlich auf KI-Funktionen zurück, um Beratung und Inspiration im Multi-App-Portfolio zu verstärken. Der Zalando Assistant entwickelt sich laut Mitteilung von einem reinen Dialog-Tool zu einem proaktiven Lifestyle-Begleiter weiter: Zwischen Januar und Juni steigt die Zahl der qualitativ hochwertigen Interaktionen um 63 %. Zu den neuen Funktionen zählen eine Websuche nach Trends, eine stärkere Integration in Antworten des Kund*innenservice sowie eine visuelle Suche per Bild-Upload. Das passt zu dem beobachtbaren Trend, dass Retail-Apps zunehmend zu Schnittstellen werden, in denen KI nicht nur Empfehlungen ausspielt, sondern auch Fragen beantwortet, Produktfindung beschleunigt und Support-Workflows ergänzt. Für das Endkundengeschäft wirkt sich das direkt auf die Aktivität aus: Die Zahl der aktiven Kund*innen steigt um 18,3 % auf 62,5 Millionen; insbesondere die Integration von ABOUT YOU sowie Wachstum im alleinstehenden Zalando-Geschäft werden als Treiber genannt.
Im B2B-Bereich wird die Strategie noch stärker über die eigene Infrastruktur gebündelt. Zalando öffnet laut Bericht über das Betriebssystem ZEOS seine Logistik-, Software- und Service-Infrastruktur für Marken und Händler, unabhängig davon, ob Transaktionen über Zalando selbst laufen oder außerhalb stattfinden. Die finanziellen Zahlen dazu sind deutlich: Im B2B-Geschäft steigt der Umsatz auf ausgewiesener Basis um 27,6 % auf 335 Millionen Euro; das bereinigte EBIT klettert von 11 Millionen Euro im Vorjahr auf 41 Millionen Euro, und die B2B-Marge verbessert sich von 4,3 % auf 12,2 %. Als Ursache nennt Zalando Skaleneffekte in der ZEOS-Logistik und die margenstarken Softwareumsätze von SCAYLE. Ergänzend wird die Partnerschaftsdynamik beschrieben, unter anderem mit der strategischen Zusammenarbeit mit Marks & Spencer (Start in einigen Märkten, Rollout in 22 Märkten) sowie der Ausweitung der Zusammenarbeit mit NEXT auf den ABOUT-YOU-Marktplatz. Zusätzlich werden weitere Kunden genannt, die sich für den Betrieb ihrer Onlineshops über SCAYLE entschieden haben, darunter die Wortmann Schuh-Holding, roastmarket, Bike Components und HMV.
Auch im B2C-Umfeld setzt Zalando auf ein Plattformmodell, das sich über Partnerschaften und Retail-Media weiter professionalisiert. Der Anteil des Partnergeschäfts am alleinstehenden B2C-GMV steigt im zweiten Quartal um 3,2 Prozentpunkte auf 36,9 %; auf Gruppenebene inklusive ABOUT YOU erreicht der Anteil 31,9 %. Solche Verschiebungen sind für die Margenlogik entscheidend, weil ein stärkerer Mix aus Partnerumsätzen und ergänzenden Erlösströmen häufig kapitalärmer ist als eine reine Warenhandelslogik. Parallel nennt Zalando ein weiteres Ausbauprogramm für Lifestyle-Kategorien, etwa neue Sport-Einkaufserlebnisse, spezifische Formate wie „Fan Homes“ und ein „Boot Room“, außerdem eine Partnerschaft für Secondhand-Luxusmode mit Vestiaire Collective in 14 Märkten sowie den Start der Kategorie Home & Living. Besonders im Zusammenhang mit Wachstum und KI ist das relevant, weil die Frage nach Skalierung nicht nur im Studio und in der Content-Erstellung entsteht, sondern auch in der Fähigkeit, neue Kategorien, Shops und Einkaufswege im selben System zu bedienen.
Für die Jahresplanung präzisiert Zalando seine Erwartungen im Rahmen der Markterwartungen: GMV und Umsatz sollen nun in der unteren Hälfte der bisherigen Spanne wachsen, die Prognose für das bereinigte EBIT wird auf 680 bis 720 Millionen Euro präzisiert (zuvor 660 bis 740 Millionen Euro). Damit hält das Unternehmen die Einschätzung für das zweite Halbjahr unverändert bei und begründet die Konkretisierung mit den Ergebnissen des ersten Halbjahres. In der Mitteilung verweist Anna Dimitrova, CFO von Zalando, auf die Profitabilitätsbasis aus Qualitäts- und Mixeffekten: „Unsere resiliente Profitabilität resultiert aus der Qualität und dem Mix unserer Erträge. Maßgeblich dafür sind das Wachstum in unserem margenstarken Partnergeschäft und bei Retail Media, unsere B2B-Skalierung sowie ein striktes, KI-gestütztes Kostenmanagement“. Außerdem betont sie: „Unser Fokus bleibt unverändert: Wir setzen unsere Strategie um, investieren in die vor uns liegenden massiven Chancen und werden auch 2026 eine starke, qualitativ überzeugende finanzielle Performance liefern.“ Entscheidend für Beobachter ist: Hier wird KI nicht als isolierte Innovationsstory positioniert, sondern als Teil eines Gesamthebels aus Produktionstempo, Service-Interaktion und skalierbarer B2B-Infrastruktur. Dass sich diese Logik finanziell in EBIT- und Marzenzahlen niederschlägt, ist genau der Punkt, den Wettbewerber im europäischen Modehandel in den nächsten Quartalen ebenfalls adressieren müssen.
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