LONDON (IT BOLTWISE) – Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) begrüßt die Fokussierung der Bundesregierung auf Digitalisierung und Entbürokratisierung im Baubereich. Gleichzeitig kritisiert er die „Überstandardisierung“ im Bauwesen und fordert deren Reduzierung. Im Zentrum steht auch der fehlende Gesetzesentwurf zum Gebäudetyp E sowie die geplante Bundeswohnungsbaugesellschaft, die privates Kapital mobilisieren soll. Der ZIA drängt darauf, die Expertise der Immobilienwirtschaft frühzeitig in die Ausgestaltung einzubeziehen.

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) setzt bei der Wohnungs- und Baupolitik vor allem auf zwei Hebel: schnellere Abläufe und weniger Reibungsverluste in den Prozessen. Positiv sieht der Verband die jüngsten Initiativen der Bundesregierung, die in einer Kabinettsklausur unter anderem Digitalisierung und Entbürokratisierung in den Fokus rücken – gerade mit Blick auf den Bausektor. Für den ZIA reicht das Narrativ einer „besseren Planung“ jedoch nicht aus. Er argumentiert vielmehr, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt nur verbessern lässt, wenn Planungs- und Bauprozesse konkret beschleunigt und zugleich stärker digital unterstützt werden.
Technisch betrachtet geht es dabei weniger um einzelne Tools als um die Kette aus Daten, Entscheidungen und Genehmigungen. Sobald digitale Planungsdaten durchgängig verfügbar sind, können Prüf- und Abstimmvorgänge weniger oft von vorne beginnen – etwa wenn sich Anforderungen während der Projektlaufzeit ändern oder wenn Standards uneinheitlich interpretiert werden. Genau hier setzt der ZIA an: Die Beschleunigung und Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen wird als essenziell bewertet, weil sie direkt auf Durchlaufzeiten und damit auf die Anzahl realisierter Wohneinheiten wirkt. Im selben Atemzug fordert der Verband die Überprüfung von Bauvorgaben, die aus seiner Sicht aktuell unnötige Varianten erzeugen.
Der kritische Punkt heißt „Überstandardisierung“: Der ZIA sieht in diesem Bereich dringenden Handlungsbedarf. Konkret fordert er eine Überprüfung und Reduzierung solcher Standards, die seiner Darstellung nach Prozesse im Bausektor verkomplizieren, statt sie zu vereinfachen. In der Praxis entsteht dadurch häufig zusätzliche Planungs- und Abstimmarbeit, weil Anforderungen auf mehreren Ebenen nachgewiesen, dokumentiert und in den Projektablauf eingepasst werden müssen. Dazu passt auch die Forderung, Kosten zu senken und Verfahren klarer zu strukturieren, damit Budgets nicht übermäßig durch organisatorische Aufwände statt durch die eigentliche Bauleistung gebunden werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des ZIA liegt auf einem konkreten juristischen und normativen Baustein: dem noch ausstehenden Gesetzesentwurf zum Gebäudetyp E. Der Verband kritisiert das Fehlen dieses Entwurfs als Mangel, weil er zur Standardisierung beitragen könnte. Damit wird deutlich, warum der Zeitfaktor für den Verband so zentral ist: Ohne klaren gesetzlichen Rahmen bleibt Standardisierung oft nur ein Zielbild, das sich in Projekten nicht zuverlässig übergreifend durchziehen lässt. Gerade bei wiederkehrenden Bauvorhaben kann Standardisierung helfen, Planungsannahmen schneller zu validieren und wiederholte Prüfungsschleifen zu reduzieren – was wiederum die Grundlage für eine spürbare Beschleunigung bildet.
Parallel dazu bewertet der ZIA auch die Idee einer Bundeswohnungsbaugesellschaft, die laut dem beschriebenen Fahrplan im Herbst ein Konzept erhalten soll. Grundsätzlich signalisiert der Verband Unterstützung für ein solches Instrument, weil es den Wohnungsbau fördern und den Markt stabilisieren kann. Wichtig ist ihm dabei aber der institutionelle Zuschnitt: Eine Bundeswohnungsbaugesellschaft dürfe nicht in Konkurrenz zu bestehenden privaten Projektentwicklern treten. Ihre Rolle solle stattdessen Investitionsbedingungen verbessern, Risiken minimieren und gezielt privates Kapital mobilisieren, um mehr Wohnraum zu realisieren. Für das Zusammenspiel von öffentlicher Rahmensetzung und privater Umsetzung bedeutet das eine klare Erwartung an die Ausgestaltung: Förderlogik und Risikoteilung sollen Marktakteure ermutigen, nicht verdrängen.
Damit ein solches Konzept in der Umsetzung belastbar wird, fordert der ZIA zudem einen frühen und intensiven Einbezug der Branchenexpertise. Der Verband appelliert an die Bundesregierung und insbesondere an Bundesbauministerin Verena Hubertz, das Know-how der Immobilienwirtschaft bereits während der Entwicklung des Konzepts für die Bundeswohnungsbaugesellschaft einzubauen. Diese Forderung richtet sich auch auf die Überarbeitung von Bau- und Planungsstandards. Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des ZIA, betont laut Text die Notwendigkeit einer Wohnungspolitik, die rasch und zielführend Lösungen liefert, und verweist auf die Bedeutung eines engen Austauschs zwischen den Akteuren im Wohnungsbau und der Politik.
Für Unternehmen in der Immobilien- und Bauwirtschaft ergibt sich daraus vor allem eine praktische Konsequenz: Der organisatorische Aufwand, der aus wechselnden Standards und fehlenden verbindlichen Entwürfen entsteht, verschiebt sich derzeit von der Projektplanung in die Vorbereitung und Abstimmung. Wenn der Gesetzgebungsprozess rund um den Gebäudetyp E tatsächlich nachgezogen wird und zugleich Standards im Sinne weniger Komplexität angepasst werden, könnten sich für Projektentwickler und Planungsbüros wiederkehrende Arbeitsschritte verkürzen. Gleichzeitig bleibt die Ausgestaltung der Bundeswohnungsbaugesellschaft entscheidend dafür, wie gut sich private Mittel für den Wohnungsbau aktivieren lassen. Der ZIA stellt am Ende klar, dass seine Branche zur aktiven Mitwirkung bereit ist – Kooperation wird als Grundpfeiler für die Schaffung und Verwaltung von Wohnraum beschrieben, und damit als Voraussetzung für eine Wohnungspolitik, die Wirkung entfalten kann.
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